Abbau

Fünfte Sparrunde in zehn Jahren: Julius Bär streicht in der Schweiz 200 Stellen

Julius-Bär-Chef Philipp Rickenbacher will die Bank produktiver machen und so die Aktionäre bei der Stange halten.

Julius-Bär-Chef Philipp Rickenbacher will die Bank produktiver machen und so die Aktionäre bei der Stange halten.

Nur fünf Monate nach seinem Antritt verpasst Bankchef Philipp Rickenbacher der Zürcher Bank ein einschneidendes Kostensenkungsprogramm und eine neue Strategie.

Philipp Rickenbacher liess nicht viel Zeit vergehen, um Julius Bär seinen Stempel aufzudrücken. Nur fünf Monate nach seinem Antritt als Bankchef verpasst der 48-jährige der Zürcher Vermögensverwaltungsbank ein einschneidendes Kostensenkungsprogramm und eine neue Strategie. «Die säkulare Dynamik in unserer Branche zeigt sich am anhaltenden Druck auf die Margen», begründete Rickenbacher sein resolutes Vorgehen gestern an der Jahresbilanzmedienkonferenz in Zürich. Er war im vergangenen Jahr eher überraschend aus dem eigenen Kreis in die Spitzenposition der Bank berufen worden.

Während die Kunden für die Verwaltung ihrer Vermögen Jahr für Jahr etwas weniger zahlen, nehmen die Kosten für die Erbringung dieser Leistung laufend zu. Dabei handelt es sich um ein Phänomen, das die ganze Branche umtreibt. Rickenbacher will diesem Trend nicht tatenlos zusehen. Er will Julius Bär produktiver machen und so die Aktionäre bei der Stange halten.

Rund 300 Stellen oder knapp 5 Prozent der gesamten Kosten will er streichen, den Grossteil schon im laufenden Jahr. Es ist die fünfte Kostensenkungsrunde in nur zehn Jahren und diese geht hauptsächlich auf das Konto der Schweiz. 200 Stellen will die Bank in ihrem Heimmarkt streichen. Wie viele Mitarbeitende den blauen Brief erhalten werden, sagte Rickenbacher nicht. Die Bank zählt rund 3400 Vollzeitangestellte in der Schweiz, das sind etwas mehr als 50 Prozent der ganzen Belegschaft im Konzern.

Der grosse Kostenblock im Lande des Frankens steht in einem Missverhältnis zur Herkunft der Einnahmen. Fast die Hälfte der verwalteten Kundenvermögen sind in Dollar denominierten Anlagen investiert. Das ist nahezu doppelt so viel wie der Durchschnitt aller in der Vermögensverwaltung tätigen Schweizer Banken. Die Abwertung der US-Währung zum Franken führt zu einem Rückgang der Einnahmen in Franken und verschärft den Margentrend zusätzlich. Das dürfte der Hauptgrund für Rickenbachers schnelles Handeln sein.

Der Euro ist nicht mehr das Hauptproblem

Schon 2015 hatte Julius Bär aus dem gleichen Grund ein Kostensenkungsprogramm lanciert. Damals lag der Fokus noch auf dem Euro, der nach der Aufgabe des Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank eine scharfe Abwertung erfahren hatte. Der Euro ist inzwischen aber nicht mehr das Hauptproblem von Julius Bär. Die in Euro denominierten Kundengelder betragen aktuell nur noch 20 Prozent, verglichen mit 36 Prozent vor zehn Jahren.

Julius Bär hat eine starke Expansionsphase in Ländern ausserhalb Europas hinter sich. Ausschlaggebend dafür war die Übernahme des internationalen Vermögensverwaltungsgeschäftes von Merrill Lynch im Jahr 2012. Der Kauf hatte der Bank in den vergangenen Jahren ein kräftiges Wachstum bei den verwalteten Kundengeldern beschert. Die Dynamik hat sich deutlich abgeschwächt, wie die vorliegenden Geschäftszahlen zeigen. Die sogenannten Nettoneugelder haben im Berichtsjahr lediglich um 2,8 Prozent oder um 10,6 Milliarden Franken zugenommen. Das ist der tiefste Wert seit sieben Jahren.

Als Folge davon sind die Einnahmen bei Julius Bär 2019 kaum gestiegen. Der um eine ausserordentliche Rückstellung bereinigte Gewinn ist um 4,7 Prozent auf 772 Millionen Franken geschrumpft. Trotzdem sollen die Aktionäre eine unveränderte Dividende von 1,5 Franken pro Titel erhalten.

Neue Strategie soll zusätzliche Erträge bringen

Dahinter steht die Überzeugung der Bär-Führung, dass sich die Dinge rasch wieder einrenken lassen. Eine neue Strategie, das den Kundennutzen ins Zentrum stellt, soll in den nächsten drei Jahren zusätzliche Erträge von 150 Millionen Franken einbringen. Statt der Neugeldentwicklung, die bislang als wichtigster Leistungsparameter gegolten hatte, will die Bank nun den Gewinn ins Zentrum rücken. Ein Plus von 10 Prozent pro Jahr, lautet das erklärte neue Ziel. Noch zweifeln die Investoren: Der Aktienkurs hat gestern ­zeitweise über 5 Prozent auf 45 Franken nachgelassen.

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