Lebenslauf
Früh Kinder kriegen, dann beruflich durchstarten: So macht Frau heute Karriere

Aufwind im dünnen Segment der Topmanagerinnen: Auch wenn der Anteil noch klein ist – im letzten Jahr stieg die Quote markant. Eine Headhunterin ist überzeugt, dass dies erst der Anfang ist. Und sie rät aus Karrieregründen zur frühen Mutterschaft.

Matthias Niklowitz
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Managerin

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Aargauer Zeitung

Frauen sind in der Schweizer Wirtschaft auf dem Vormarsch. Sie sind so zahlreich wie noch nie in Schweizer Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten vertreten. Das ist das Ergebnis des gestern veröffentlichten Berichts des Executive Search Unternehmens Schilling Partners.
«Frauen, die es bis an die Spitze von grossen Unternehmen schaffen, blicken auf ähnliche Karrierewege zurück wie ihre männlichen Kollegen», beschreibt der Verfasser der Studie, Guido Schilling, den typischen Karrierepfad. Sie starten nach der Hochschule in einem grossen, globalen Unternehmen und machen bei diesem in der Schweiz ihre ersten Erfahrungen. In der Regel sind ein bis zwei Auslandaufenthalte unerlässlich, bevorzugt in Wachstumsmärkten, bevor sie die Ergebnisverantwortungen von länderübergreifenden Businesseinheiten übernehmen.
Keine klassischen Frauenbranchen
Heute sind alle grossen Firmen vom Erfolg von durchmischten Teams überzeugt. Typische Frauenbranchen gebe es laut Schilling nicht. «Daher kann ich einer jungen Frau nur empfehlen auch ‹ingenieurlastige› Industrien zu wählen, denn da besteht ein besonders grosser Druck auf der Suche nach ambitionierten Frauen.» Gerade US-Technologiefirmen wie IBM, Hewlett Packard und Yahoo würden von erfolgreichen Frauen geführt. Auch andere Industrien im Ausland orientieren sich stark am Erfolg der Frauen.
«Erfolgreiche Frauen reagieren sehr rasch in der Zusammenstellung ihrer Führungsteams. Sie denken und handeln danach im neuen Team in der Regel sehr langfristig», beschreibt Schilling den Führungsstil von Frauen. «Ihnen ist auch das konsequente Entwickeln der besten Führungskräfte ein sehr zentrales Anliegen, wissen sie doch sehr gut, wie wichtig der beste Nachwuchs für den langfristigen Erfolg ist.» Frauen seien am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn vor allem stark auf die Inhalte ihrer Aufgabe fokussiert und machten mit überdurchschnittlichen Resultaten auf sich aufmerksam. Oft würden sie gerade von den Chefs und Talententwicklern in den Firmen für Führungsaufgaben motiviert, da sie nicht primär beim Start die grosse Karriere im Auge haben.
«Frauen kann man nur empfehlen ihre Kinder sehr früh zu haben», rät Headhunter Schilling. Viele erfolgreiche Spitzenmanagerinnen hatten oft ihre Kinder bereits während des Studiums, dafür können sie sich danach sehr konsequent auf den Beruf ausrichten. Der berufliche Erfolg sei primär von einem grossen inneren Antrieb geprägt, denn generell gilt auch hier in der Mehrheit: «Erfolg ist nie Zufall.» «Im Weiteren ist ganz zentral, dass man über den eigenen Erfolg auch spricht, publiziert oder ganz generell über den engeren Wirkungskreis hinaus versucht zu informieren», empfiehlt Guido Schilling.
Erst am Anfang der Entwicklung

«Wir sind am Anfang vom Jahrhundert der Frau», glaubt Schilling. Unternehmen würden lernen, dass sie eine nachhaltigere Entwicklung haben, wenn die Führungsteams durchmischt sind. Auch wenn der Durchbruch erst in der nächsten Generation komme, weil dann Berufseinsteigerinnen Vorbilder sind oder ihre Mutter, die mehrheitlich beruflich tätig gewesen war. «Das spornt an und führt zu einem Geschlechtermix wie wir ihn in den meisten Ländern bereits haben.»

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