Denn am Rande des Forums trifft Bundesrat und Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann am kommenden Freitag den chinesischen Handelsminister Chen Deming. Das berichten die Zeitungen «Der Sonntag» und «SonntagsZeitung».

Zwei Jahre feilschen

Die beiden Minister werden gemeinsam die sino-helvetischen Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen offiziell eröffnen. Wie lange die Verhandlungen dauern werden, ist laut Christian Etter, Delegierter des Bundes für Handelsverträge, völlig offen. «Die Verhandlungen werden kaum weniger lang als ein Jahr dauern», sagt Etter. «Wenn wir es in zwei Jahren schaffen, wäre das gut», fügt er hinzu.

Wie lange das Feilschen dauern wird, ist aber ohnehin zweirangig. Entscheidend ist, dass die Schweiz vor anderen europäischen Ländern respektive der Europäischen Union zum Handkuss mit den Chinesen kommt. Den Vorsprung könnten Schweizer Exporteure direkt in Verträge und damit in harte Franken umwandeln. «Wenn es uns gelingt, mit China ein Abkommen zu bekommen, vor der EU, dann würde dies dem Werkplatz, dem Wirtschaftsplatz und damit dem Arbeitsplatz Schweiz möglicherweise eine Chance bieten», sagte Schneider-Ammann kürzlich vor den Zürcher Freisinnigen.

In Sachen Freihandel konkurriert die Schweiz aktuell mit Australien, Island und Norwegen. Diese Staaten sind aktuell ebenfalls dabei, mit China ein Freihandelsabkommen auszuhandeln. Dies nicht nur, um den bilateralen Handel anzukurbeln, sondern auch, um die Wirtschaftsbeziehungen auf ein tragfähiges rechtliches Fundament zu stellen. Zudem befördert ein solches Abkommen auch gegenseitige Direktinvestitionen.

Auch ohne Freihandel ist China für die Schweiz ein wichtiger Partner. Die aufstrebende Wirtschaft ist aktuell der drittwichtigste Zulieferer und der viertwichtigste Absatzmarkt für Schweizer Produkte. Allein die Uhrenindustrie hat ihre Exporte nach China seit dem Jahr 2000 auf 1 Milliarde Franken mehr als verzwanzigfacht. Auch die chemische Industrie hat das Volumen ihrer Ausfuhren auf über 1,1 Milliarden vervierfacht. Ein Freihandelsabkommen könnte diese bereits hohe Dynamik weiter beschleunigen.

Laut Berechnungen des Staatssekretariats für Wirtschaft steigen die Handelsvolumina nach Inkrafttreten eines Abkommens jeweils rund doppelt so schnell wie mit den anderen Ländern – zumindest in den ersten vier Jahren. Die von der Frankenstärke betroffenen Exporteure könnten einen solchen Schub bestens gebrauchen. Im Austausch mit China, aber auch im Verkehr mit anderen aufstrebenden Wirtschaftsmächten. Laut Etter verhandelt die Schweiz deshalb auch mit Indien, Indonesien, Russland und Hongkong. Delegationen aus diesen Ländern könnte die offizielle Schweiz am WEF ebenfalls problemlos treffen.

Und sonst? Wie trägt das WEF ausserdem zur Lösung der Schweizer Wirtschaftsprobleme bei? Insbesondere zwei Themen sind wichtig:

Währungsabwertungen: In diversen Runden sprechen in Davos hochkarätige Experten über die aktuelle Abwärtsspirale bei den international wichtigen Währungen. Diverse Länder – auch China – halten ihre Währung künstlich tief, um der eigenen Industrie Vorteile zu verschaffen. Dies bringt auch die Schweiz unter Druck. Das WEF stellt die relevante Frage, wie ein neues weltweites Währungssystem aussehen könnte.

Die nächste Krise? Ebenfalls einen breiten Raum nimmt in Davos die Suche nach den Keimzellen für die nächste globale Krise ein. Führen steigende Nahrungsmittelpreise zu sozialen Unruhen? Um welche Rohstoffe könnten sich künftige Konflikte drehen? Steht das Finanzsystem wieder auf einer gesunden Basis? Welche Rolle spielt die Schweiz in einer von den G-20-Staaten dominierten Weltwirtschaft?