Frauen für Chefetagen

Die Deutsche Telekom führt eine Frauenquote von 30 Prozent für Kaderstellen ein. Ein «sinnvoller» Schritt, sagt Thomas Daum, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes.

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Frauen für Chefetagen

Frauen für Chefetagen

BENEDIKT VOGEL, Berlin

Lange waren Frauenquoten verpönt; doch jetzt finden sie zunehmend Anklang. Seit 2008 schreibt Norwegen per Gesetz vor, dass in Verwaltungsräten grosser Unternehmen 40 Prozent Frauen sitzen müssen. Ähnliche Regelungen sind in Frankreich und Holland unterwegs und werden in weiteren Staaten zumindest diskutiert. Deutschland kennt keine gesetzliche Frauenquote. Die Deutsche Telekom kündigte gestern aber an, sich eine Selbstverpflichtung aufzuerlegen: Bis Ende 2015 sollen 30 Prozent der mittleren und oberen Führungspositionen mit Frauen besetzt sein. Heute liegt der Frauenanteil bei 11 Prozent.

«Handfeste Notwendigkeit»

Ein höherer Frauenanteil im Management sei «eine handfeste Notwendigkeit für unseren Erfolg», begründete Telekom-Chef René Obermann gestern die Frauenquote. «Mit mehr Frauen an der Spitze werden wir einfach besser.» Untersuchungen zeigten, dass Firmen mit einem höheren Frauenanteil signifikant bessere Ergebnisse erzielten und rentabler seien.

Die Einführung einer Frauenquote verbindet die Deutsche Telekom mit dem Eingeständnis, dass die bisher praktizierte Förderung von Frauen in Kaderpositionen gescheitert ist. «Unsere jahrelangen Massnahmen zur Frauenförderung waren redlich und gut gemeint, der durchschlagende Erfolg blieb wie in allen grossen Unternehmen leider aus», sagte Thomas Sattelberger, in der Telekom-Geschäftsführung für Personalbelange zuständig.

Modell für die Schweiz ?

Das Beispiel der Deutschen Telekom könnte Schule machen. Erstmals nämlich entscheidet sich einer der grossen, börsennotierten deutschen Konzerne für Frauenquoten. Die deutsche Frauenministerin Kristina Schröder (CDU) begrüsste den Entscheid des Konzerns, an dem der Staat noch eine Minderheitsbeteiligung hält. Eine gesetzliche Regelung für einen Mindestanteil von Frauen in deutschen Verwaltungsräten wäre eine Ultima Ratio, meinte Schröder gestern.

Sympathien für die Telekom-Quote lässt auch Thomas Daum, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, erkennen. «Zur Erreichung personalpolitischer Ziele können Frauenquoten sinnvoll sein», sagte Daum gestern zu dieser Zeitung. Zum Beispiel, wenn ein Unternehmen frühzeitig auf eine demografisch bedingte Verknappung von Fachkräften reagieren wolle. Gesetzliche Frauenquoten lehnt Daum hingegen ab: «Die Einführung einer Quote muss jedes Unternehmen für sich entscheiden.»

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