Die Schweizer Wirtschaft ist frauenfeindlich. Im europäischen Vergleich sind Frauen in der Schweizer Wirtschaft massiv untervertreten, besonders in Kaderpositionen.

In Basel gibt es eine Ausnahme: das Unternehmen von René Mägli. Der 60-jährige Chef der Schweizer Abteilung von MSC, der weltweit zweitgrössten Reederei, beschäftigt 90 Frauen und ist selber der einzige Mann im Haus. Der Hahn im Korb, wie er es ausdrückt. Auch das soll sich ändern. «Meine Nachfolgerin wird mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Frau», sagt er.

«Frauen sind einfach besser»

Doch Mägli ist kein Revoluzzer, kein Frauenrechtler. Dass er seit 10 Jahren nur noch weibliches Personal einstellt, hat «rein wirtschaftliche Gründe», sagt Mägli. «Es aus anderen Gründen zu tun, wäre eine unternehmerische Dummheit.» Wirtschaftliche Gründe bedeuten in Mäglis Fall nicht tiefe Löhne.

Im Gegenteil: Die Gewerkschaft Unia attestiert ihm, höhere Löhne zu zahlen, als der Branchendurchschnitt. Mäglis «wirtschaftlicher Grund» ist simpel: «Frauen sind einfach besser.»

Als Mägli vor 30 Jahren den Schweizer MSC-Ableger gründete, war das Unternehmen ein «Gemischtwarenladen», wie es der Patron ausdrückt. Doch er merkte schnell: «Die Frauen werden an die Wand gedrückt.» Auf die Seite gedrängt von Karriere-Männern, die ihre Energie in Machtkämpfe steckten statt ins Unternehmen. «Es ist leider so: Frauen arbeiten, Männer ellbögeln», sagt Mägli. Dafür hätte es im hektischen Schifffahrtsgeschäft keinen Platz, sagt Mägli.

Er hat seine eigene Erklärung, wieso sich Frauen in der Hektik besser behaupten. «Sie erziehen die Kinder, müssen einkaufen und haben nebenbei noch einen Beruf. Da lernt man Prioritäten zu setzen», sagt Mägli. Frauen würden deshalb ihr professionelles Potenzial viel besser ausschöpfen als Männer.

Eine klassische Männerdomäne, eigentlich

Die Reederei-Branche ist eigentlich eine klassische Männerdomäne. «Bei fast allen Konkurrenten arbeiten vorwiegend Männer.» Doch Mägli sieht seine «Ladys», wie er sagt, als entscheidenden Marktvorteil. Und der Erfolg gibt ihm recht: Vor 30 Jahren hat Mägli mit zwei Mitarbeitern angefangen, heute sind es 90. In den letzten sieben Jahren wuchs das Unternehmen durchschnittlich um 25 Prozent, ausser in den Krisenjahren 2009/2010.

Doch Frauen werden schwanger, arbeiten oft Teilzeit. Das bedeutet Mehraufwand für das Personalbüro. Nehmen Sie diesen bewusst in Kauf, Herr Mägli? «Es gibt keinen Mehraufwand. Das ist ein Männer-Märchen», antwortet er. Bei ihm würden Frauen Teilzeit zwischen 10 und 90 Prozent arbeiten.

Das habe noch nie zu Problemen geführt. Und wenn Frauen schwanger würden, könnten sie selbst entscheiden, wie viel sie danach arbeiten wollten. «80 Prozent kehren nach der Schwangerschaft an den Arbeitsplatz zurück. Soll ich dieses Know-how einfach davonziehen lassen?» Und doch: Mägli ist gegen eine Quote. «Man soll nicht alles gesetzlich regeln. Und wenn alle auf Frauen setzen, habe ich keinen Vorteil mehr.»