Frau an der Spitze: Die Hypothekarbank Lenzburg schwimmt im Geld

Die «Hypi» hat die einzige Bankchefin

Die «Hypi» hat die einzige Bankchefin

Mit der «Internen» Marianne Wildi an der Spitze will die Hypothekarbank Lenzburg ihre Selbstständigkeit wahren. Die Bank schwimmt im Geld, will aber ihrer tugendhaften Kreditpolitik treu bleiben.

Ruedi Mäder

Sie ist momentan die einzige Chefin einer börsenkotierten Schweizer Bank, Marianne Wildi. Sie trat vor gut drei Monaten interimistisch die «Hypi»-Führung an. Das habe sie «mit grossem Erfolg» gemacht, attestiert ihr der Verwaltungsrat. Mitte dieser Woche wurde die Bankfachfrau definitiv zur Vorsitzenden der Geschäftsleitung ernannt. Wildi arbeitet seit 25 Jahren im Haus. Sie bietet nach Auffassung des Verwaltungsrats Gewähr, dass die Bank den Weg der Selbstständigkeit fortsetzen wird. Ihr Vorgänger, der Walliser Jürg Ritz, ehemaliger Postfinance-Mann, hat Anfang 2010 in Solothurn die Leitung der Baloise Bank Soba übernommen.

Interesse am Chefposten war rege

Das Interesse am Chefjob bei der Hypi war gross und das Spektrum der Kandidaten breit, wie Verwaltungsratspräsident Max Bühlmann gestern an der Jahresmedienkonferenz durchblicken liess. Im Rahmen der Nachfolgerevaluation habe sich bestätigt, dass ein valabler Nachfolger nicht zuletzt mit der besonderen Philosophie der Regionalbank vertraut sein sollte. Es habe sich gezeigt, dass etwa ein Grossbanker mit Asienerfahrung «nicht der Richtige» wäre. Davon abgesehen bringe Wildi auch fachlich das erforderliche Rüstzeug mit.

Die neue Chefin selber kündigte gestern «eine Art Aufbruch von innen» an. Im Kader und darüber hinaus seien zahlreiche Ideen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des Unternehmens vorhanden. Wenn dabei auch noch der «Spassfaktor» grösser sei, könne dies wohl kaum schaden.

Wildi tritt ein solides Erbe an. Diesen Schluss lassen sowohl der jüngste Jahresausweis als auch die Bilanz 2009 zu. Der offizielle Tenor: In einem für Banken schwierigen Umfeld habe die Hypi ein «gutes Ergebnis» erwirtschaftet. Klammert man einen einmaligen Zustupf im Vorjahr aus, so hätte ein annähernd stabiler Reingewinn ausgewiesen werden können. Die Bank offeriert denn auch eine unveränderte Dividende (vgl. Tabelle).

Starkes Wachstum der Hypotheken

Zentraler Wachstumstreiber (und wichtigste Refinanzierungsquelle) waren 2009 die Kundengelder, die um mehr als 5 Prozent zugenommen haben. Damit wurde die Nachfrage nach Investitionskapital um mehr als das Doppelte übertroffen. Auf der anderen Seite, bei den Ausleihungen, kletterten die Hypothekarkredite überdurchschnittlich stark. Erneut lag der Hauptfokus auf der Finanzierung von Eigentumswohnungen.

Dickes Polster an Liquidität

Mehr als 80 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Zinsgeschäft; sowohl der wettbewerbsbedingte Druck auf die Reingewinnmarge als auch der weitere Rückgang des Zinsniveaus drückten auf den Ertrag. Präsident Bühlmann räumte ein, wie andere Banken verfüge auch die Hypi Lenzburg mittlerweile über ein massives Liquiditätspolster. Doch bei der Kreditvergabe halte man sich an die bewährte Maxime: keine Anlagen, die dem eigenen Risikoprofil nicht entsprechen.

Im Ausblick für 2010 zeigt sich die Bankspitze zuversichtlich. Man habe «ambitiös» budgetiert. Man wollte indes nicht konkret werden – und auch keine Prognose wagen, wie nahe der Zinswendepunkt gerückt sein könnte. Im angestammten Geschäft mit Hypotheken sähe Bühlmann das letztjährige Wachstum gerne wiederholt – nicht zuletzt, weil er die regionale Konjunktur nach wie vor als robust beurteilt.

Wiederholen möchte man auch den «schönen Nuller» (Originalton Bühlmann) im Gewinnausweis 2009: Er betrifft die Sammelrubrik «Wertberichtigungen, Rückstellungen und Verluste». Dieser Bedarf konnte mit nicht mehr erforderlichen Mitteln aus früheren Rechnungsperioden gedeckt werden. Ende 2009 übertrafen die Eigenmittel die von Gesetzes wegen nötige Marke um 191 Millionen Franken oder knapp 120 Prozent.

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