Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy überwanden in einem gut siebenstündigen Gesprächsmarathon ihre Meinungsverschiedenheiten über den richtigen Weg zu einer neuerlichen Multimilliardenhilfe für das hoch verschuldete Partnerland. Wie die gefundene Einigung inhaltlich aussieht, teilten die beiden Länder zunächst aber nicht mit.

Überraschend war auch der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, nach Berlin gereist. Merkel und Sarkozy hätten die Argumente des EZB-Präsidenten angehört, teilte ein deutscher Regierungssprecher mit.

Demnach haben sie sich zudem ausführlich telefonisch mit dem europäischen Ratspräsidenten Herman Van Rompuy ausgetauscht. Die deutsch-französische Position werde nun van Rompuy übergeben, damit er sie in die Brüsseler Beratungen einfliessen lasse. Aus der französischen Delegation wurde die Einigung bestätigt.

Verbindliche Beteiligung umstritten

Aus deutscher Sicht wären Lösungsvorschläge ohne Einbindung Trichets wenig sinnvoll gewesen, da die Europäische Zentralbank (EZB) wie Frankreich der deutschen Forderung nach einer verbindlichen Beteiligung von Banken und Versicherungen skeptisch gegenüberstand.

Sarkozy hatte Merkel noch vor wenigen Wochen in Berlin abgerungen, dass sich private Gläubiger nur auf freiwilliger Basis engagieren sollen. Merkel glaubt hingegen nicht an ein grosses freiwilliges Engagement der Banken.

Gemeinsame Haltung entscheidend

Eine gemeinsame Haltung Deutschlands und Frankreichs zu einem Gesamtkonzept, das Griechenlands Schuldentragfähigkeit wiederherstellt und das Land wirtschaftlich wieder in Gang bringt, gilt als zentrale Voraussetzung für eine Einigung zwischen den 17 Euro-Ländern bei ihrem Gipfel am heutigen Donnerstag in Brüssel.

Der Gipfel wurde einberufen, da die Schuldenkrise in den kleinen Ländern Griechenland, Portugal und Irland auf die wirtschaftlichen Schwergewichte Italien und Spanien überzugreifen droht. Mit einer Einigung wird nicht vor dem Abend gerechnet.