Diese übernehmen laut den Forschern dadurch die Funktion der geschädigten Sehzellen im Auge. Die wie ein Schalter wirkende Chemikalie lagert sich an Ionenkanäle der Netzhautzellen an und öffnet diese bei Lichteinfall. Dadurch funktionieren diese Zellen wie Sehzellen.

Der neue Wirkstoff biete Patienten mit altersbedingter Makula-Degeneration, aber auch mit anderen Formen fortschreitender Netzhautschäden eine echte Hoffnung, sagen die Forscher. "Dies ist ein grosser Fortschritt für die Wiederherstellung der Sehkraft", sagt Russell Van Gelder von der University of Washington, Koautor der Studie.

Getestet haben die Forscher den Wirkstoff mit dem Kürzel AAQ an genveränderten Mäusen, deren Sehzellen innerhalb eines Monats nach der Geburt absterben. Kurz nach dem Eintröpfeln der Chemikalie reagierten die Mäuse wieder auf Licht: Die Pupille zog sich zusammen, sie wandten sich vom Licht ab und flüchteten ins Dunkle.

Kein dauerhafter Eingriff

Bisherige Versuche, Menschen mit geschädigten Sehzellen das Augenlicht wiederzugeben, seien nur bedingt erfolgreich gewesen, sagte Van Gelder. Dazu gehören Stammzelltherapien, aber auch das Einpflanzen von elektrischen Chips in die Netzhaut, die die Funktion der Sehzellen übernehmen sollen.

Beides verändere die Netzhaut dauerhaft. Der chemische Wirkstoff aber werde einfach ins Auge gegeben und wirke dann eine begrenzte Zeit.

"Noch müssen wir testen, ob dieser Wirkstoff auch beim Menschen auf die gleiche Art wirkt wie bei den Mäusen", sagt Van Gelder. Aber die bisherigen Ergebnisse seien sehr vielversprechend. Denn sie zeigten, dass diese Substanzgruppe der Netzhaut ihre Lichtempfindlichkeit wiedergeben könne.

Wie die Forscher berichten, sind neuere Versionen der Substanz bereits im Test. Sie wirken während mehrerer Tage statt wie bisher nur Stunden und bei schwächerem Licht. Weitere Tests mit Mäusen sollen zudem zeigen, wie gut die Sehkraft durch diese Behandlung wiederhergestellt wird.