Gestern machte die Redaktion «CH Media» den Fall publik: Ein Kapitän der Swiss tickte beim Funkgespräch mit einer Fluglotsin in Zürich aus. Wegen zahlreicher Verspätungen platzte ihm der Kragen: Was zur Hölle hier los sei, schnauzte er ins Mikrofon. Es sei «zum Kotzen» hier in Zürich, und er habe «die Schnauze voll von diesem Drecksplatz».

«Ich han d'Schnauze voll vo dem huere Drecksplatz»: Swiss-Pilot ist ziemlich genervt

«Ich han d'Schnauze voll vo dem huere Drecksplatz»: Swiss-Pilot ist ziemlich genervt

Der Flugfahrtpsychologe Alois Farthofer hat den Vorfall aufgrund des «CH Media»-Berichts begutachtet. «Die emotionale Reaktion des Flugkapitäns ist eine Folge der Belastung, unter der die fliegende Crew tagtäglich steht.» Dass ein Pilot seiner Verärgerung derart freien Lauf lasse, sei zwar selten. Dennoch komme es immer wieder mal zu Unstimmigkeiten zwischen der Cockpit-Crew und den Fluglotsen. «Das System ist sehr komplex, und dass es da zu Reibungen kommen kann, ist erklärbar, so auch die Reaktion des Piloten.»

Doch war der Pilot nach seiner verbalen Entgleisung überhaupt emotional stabil für einen Flug kurze Zeit später? Der Flugpsychologe meint: Ja. «Ich sehe in seiner Tirade keinen Indikator für eine Fluguntauglichkeit.« Es sei davon auszugehen, dass sich die Situation im Cockpit danach beruhigt habe. «Ansonsten wäre der Co-Pilot dafür da, seine Sicherheitsbedenken zum Ausdruck zu bringen. Er könnte sagen, dass er unter diesen Umständen nicht starten werde. Dafür ist das Personal geschult.»

«Am Schluss steht der Captain gerade»

Farthofer, der für europäische Fluggesellschaften und die österreichische Luftfahrtbehörde Eignungsdiagnosen von Pilotenanwärtern durchführt, betont, dass es den genauen Kontext zu berücksichtigen gilt. «Vielleicht näherte sich der Pilot an diesem Tag dem Ende seiner Dienstzeit, oder es gab schon vorher zahlreiche Verspätungen.» Komme hinzu, dass auf den Flugkapitänen eine grosse Verantwortung laste. «Am Schluss muss immer der Captain geradestehen», sagt Farthofer.

Der Captain sei es denn auch, der den wartenden Passagieren hinten in der Kabine erklären muss, weshalb sie mit Verspätung abfliegen, oder sogar ihren Anschlussflug verpassen. Da die Aviatik in den vergangenen Jahren boomte und die Flughäfen zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen gelangten, sei auch der Job des Piloten stressiger geworden. Dies habe vor allem auch der diesjährige Sommer gezeigt, wo es in Europa zu zahlreichen Piloten- und Fluglotsenstreiks gekommen sei.

Die Swiss will sich öffentlich nicht weiter zum Fall äussern, insbesondere zu den möglichen Konsequenzen für den Piloten. Gegenüber dieser Zeitung sagte eine Sprecherin einzig, der Vorgesetzte werde das Gespräch mit dem Captain suchen.