Wer ein Billett von Bern nach Zürich im Fernbus von Eurobus buchen will, wickelt diesen Kauf auf dem Vertriebssystem von Flixbus ab. Damit bietet Flixbus nun auf seiner Homepage sowohl Reisen in die Schweiz als auch innerhalb der Schweiz an. Mit diesem Schritt fasst Flixbus weiter Fuss in der Schweiz. Die Bahngewerkschaft SEV warnt vor den Folgen.

Noch Anfang dieses Jahres war klar: Der Fernverkehr ist Sache der SBB. Doch im Februar hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) entschieden, dass die Domo Swiss Express AG künftig auf drei Linien innerhalb der Schweiz ein Fernbusnetz betreiben darf (siehe Box). Im April übernahm Eurobus die Domo Swiss Express AG und somit auch die Konzessionen. Eurobus selbst hat zudem eigene Konzessionsbegehren am Laufen. Diese seien momentan aber in Absprache mit dem BAV etwas zurückgestellt, sagt Eurobus-Leiter Roger Müri auf Anfrage. «Zuerst wollen wir die Linien aufbauen, für die wir bereits eine Konzession haben.» Danach werde aber der Aufbau weitergehen. Eurobus hat einen Antrag auf weitere sieben Strecken beim BAV hinterlegt.

Integration ins Europanetz

Für Kunden ist die Vertriebskooperation von Eurobus mit Flixbus eine runde Sache. Wer auf der eigens eingerichteten Seite «swiss-express.ch» ein Fernbusticket für die Schweiz buchen will, wird automatisch auf die Website von Flixbus weitergeleitet. Dort können Kunden auf alle Produkte von Flixbus zugreifen und buchen. Auch über die deutsche Website von Flixbus können Schweizer Inlandverbindungen gebucht werden. Damit ist der Schweizer Fernbusmarkt ans internationale Netz angeschlossen. Für Passagiere praktisch: Nun können Sie etwa von München mit Flixbus nach Zürich reisen und von dort aus weiter auf dem Eurobus-Netz. Zwar müssen sie umsteigen, doch die Feinverteilung in der Schweiz ist gewährleistet. Die Busse von Eurobus, mit denen Leistungen in der Schweiz erbracht werden, sind prominent mit einem Flixbus-Schriftzug versehen.

Überrascht von der Zusammenarbeit ist Ueli Stückelberger vom Verband öffentlicher Verkehr. Eine Kooperation im Billettverkauf, wie sie Flixbus und Eurobus eingegangen sind, sei kein Problem, sagt Stückelberger. Jedoch müsse das BAV nun genau hinschauen. Und sicherstellen, dass die Regeln, wie sie im ursprünglichen Konzessionsentscheid für Domo festgehalten sind, eingehalten werden. Zudem dürfe in Zukunft das sogenannte Kabotageverbot nicht aufgeweicht werden. Das Kabotageverbot verunmöglicht per Gesetz, dass ausländische Transportfirmen innerhalb der Schweiz Verkehrsverbindungen anbieten. Bei Flixbus heisst es auf Anfrage, dass das Kabotageverbot beachtet werde.

Bloss kleine Kooperation

Eurobus-Leiter Müri betont zudem, dass es sich bei der Zusammenarbeit lediglich um eine Kooperation im Ticketverkauf handle. Flixbus sei finanziell am Eurobus-Geschäft nicht beteiligt. Die Zusammenarbeit habe sich seit der Übernahme von Domo Swiss Express konkretisiert, sagt Müri. Eurobus sei auf der Suche nach einer neuen Vertriebslösung gewesen, da sei eine Lösung mit Flixbus optimal.

Mit der Vertriebszusammenarbeit ist eine eigene Konzession für Flixbus in den Hintergrund gerückt. «Die Zusammenarbeit mit Eurobus ist ideal für uns. Wir werden deshalb keine Konzessionsanfrage bezüglich des Schweizer Inlandverkehrs stellen», sagt ein Flixbus-Sprecher auf Anfrage. Flixbus scheint also zumindest momentan keine Anstrengungen zu unternehmen, ein eigenes Geschäft innerhalb der Schweiz aufzubauen. Das überrascht nicht. Mit der Kooperation schafft Flixbus für seine Kunden einen Mehrwert, der nur mühsam und mit viel Geld aufgebaut werden könnte. Das internationale Netz soll jedoch auch in Zukunft ausgebaut werden, heisst es.

Die Gewerkschaft SEV schlägt derweil Alarm. Der Eintritt von Flixbus sei der Beweis dafür, dass die Fernbusunternehmen die Bahn konkurrenzieren wollten. Das sei vor allem aus einem Grund ein Problem: «Trotz Milliardeninvestitionen in die Bahn empfängt der Bund die Fernbusse mit offenen Armen, obwohl dies der eigentlichen Transportpolitik, die auf einer starken Eisenbahn basiert, grundsätzlich widerspricht», schreibt der SEV in einer Mitteilung. Der Markteintritt von Domo Swiss sei noch als Nischenprodukt abgetan worden, das die Bahn wesentlich konkurrenziert. Die Kooperation zwischen Eurobus und Flixbus zeige nun, dass der Ausbau des inländischen Fernbusnetzes das Ziel sei, lässt sich SEV-Präsident Giorgio Tuti in der Mitteilung zitieren.