Monsanto zieht Bayer nach unten

Flaggschiff der deutschen Industrie eliminiert Tausende von Arbeitsplätzen

Hinter der Hochzeit der beiden Chemiekonzerne sehen längst nicht mehr nur Ökoaktivisten ein Problem.

Hinter der Hochzeit der beiden Chemiekonzerne sehen längst nicht mehr nur Ökoaktivisten ein Problem.

Eine neue Milliardensparrunde erschreckt die Mitarbeiter und die Aktionäre des deutschen Traditionskonzerns gleichermassen.

Bayer ist eines der ganz grossen deutschen Vorzeigeunternehmen. Doch die Leverkusener sind gerade dabei, diesen Status endgültig zu verlieren. Am Donnerstag hat der Konzern mit dem berühmten Kreuz im Logo ein weiteres Kostensenkungsprogramm über 1,5 Milliarden Euro angekündigt. Vor allem das Geschäft mit den Gensaaten von Monsanto läuft schlechter als man den Investoren bisher vermittelt hatte. Ein weiterer Abbau Tausender von Stellen zeichnet sich ab.

«Einfach nur auf die Kosten zu drücken, verlagert die Last einseitig auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer», konstatierte Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie in einer ersten Stellungnahme. Noch sitzt den Mitarbeitenden der erste grosse Stellenabbau tief in den Knochen. 2019 hatte Bayer den Abbau von 12'000 Stellen oder fast 10 Prozent der gesamten Belegschaft bis Ende 2021 angekündigt – davon 4500 in Deutschland. Mit diesem Programm will Bayer 2,6 Milliarden Euro einsparen.

Zwar hat Bayer den betroffenen Angestellten grosszügige Abgangsentschädigungen versprochen. Doch dies ändert nichts am Umstand, dass nach den grossen Automobilkonzernen ein weiteres Flaggschiff der deutschen Industrie Tausende von Arbeitsplätzen eliminiert.

Aktionäre müssen sich auf kargere Zeiten einstellen

Geschockt sind aber auch die Aktionäre. Obschon das Management verspricht, die bisherige Dividendenpolitik beizubehalten und etwa ein Drittel des bereinigten Jahresgewinns an die Eigentümer auszuschütten, müssen sich diese auf kargere Zeiten gefasst machen. Bayer muss mit sinkenden Einnahmen einen riesigen Schuldenberg abtragen. Zudem droht der amerikanische Rechtsstreit um den Monsanto-Unkrautvernichter «Roundup» teurer zu werden als noch im Sommer gehofft.

Die Bayer-Aktien verloren am Donnerstag auf ihrem ohnehin schon arg gedrückten Niveau zeitweise mehr als 13 Prozent. Die Papiere verkehren aktuell zum Preis von gut 46 Euro – das ist nur noch unwesentlich höher als im Zenit der Corona-Panik im März dieses Jahres. Inzwischen beträgt der Börsenwert des Konzerns noch rund 47 Milliarden Euro mehr – deutlich weniger als der seinerzeitige Kaufpreis für Monsanto.

Es wird immer offensichtlicher, dass die ehrgeizige Akquisition des amerikanischen Agrochemiekonzerns ein fataler Fehler war, zumal die strategischen und operationellen Probleme von Monsanto schon damals offenkundig waren. Roundup hatte bis zum Zeitpunkt der Übernahme rund 30 Prozent zum Bruttogewinn von Monsanto beigesteuert und dies, obschon es inzwischen viele Unkräuter gibt, die sich von dem bald fünfzigjährigen Pestizid nicht mehr unterkriegen lassen.

Klagen gegen Monsanto dürften Bayer teuer zu stehen kommen

Für die Klagen der vielen Menschen in den USA, welche Roundup lange Zeit benutzt hatten und Monsanto für die gravierenden gesundheitlichen Schäden verantwortlich machen, hatte der US-Konzern 2014 gerade mal knapp 300 Millionen Dollar zurückgelegt. Nun muss Bayer möglicherweise doch noch deutlich mehr bezahlen als die rund 11 Milliarden Dollar, auf die sich die Leverkusener im Frühjahr mit einer Gruppe von Klägeranwälten zu einigen gehofft hatten. Ein Gericht in Kalifornien hat die Fairness des Vergleichs angezweifelt und wird ihm möglicherweise nicht zustimmen.

Auch der schleppende Verkauf der Monsanto-Gensaaten ist kein wirklich neues Phänomen und kaum allein mit der gegenwärtigen Pandemie zu erklären. Als Folge der tieferen Ertragserwartungen muss Bayer nun den bilanzierten Wert von Monsanto um einen mittleren bis hohen einstelligen Milliardenbetrag berichtigen.

Unangenehm ist der neuerliche Rückschlag auch für Bayer-Chef Werner Baumann. Dieser hatte zu den treibenden Kräften der Monsanto-Übernahme gehört. Sein Versprechen, den Gewinn pro Aktie bis 2021 im zweistelligen Bereich zu steigern, musste er nun auf einen unbestimmten Zeitpunkt in der Zukunft verschieben. Doch Baumann hatte vor wenigen Wochen das Kunststück geschafft, seinen Arbeitsvertrag um weitere drei Jahre zu verlängern. Dies, nachdem ihm die Aktionäre im Frühjahr 2019 die Entlastung verweigert hatten.

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Autor

Daniel Zulauf

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