Gut vorbereitet

Fit fürs Onlinegeschäft? Läden haben aus erster Welle gelernt und treiben andere Verkaufskanäle voran

Das Warenhaus Jelmoli in Zürich. Der Kanton hat als einer der ersten eine Maskenpflicht in den Einkaufsläden eingeführt.

Das Warenhaus Jelmoli in Zürich. Der Kanton hat als einer der ersten eine Maskenpflicht in den Einkaufsläden eingeführt.

Den Kundinnen und Kunden ist wegen der Ansteckungsgefahr die Shoppinglust vergangen. Ab Mittwoch könnten zudem wieder Zugangsbeschränkungen gelten. Die Läden scheinen sich aber gut auf die Situation vorbereitet zu haben.

Seit etwa einer Woche sind die Läden in den Schweizer Städten wieder leerer. Die rasant gestiegenen Fallzahlen halten zahlreiche Kundinnen und Kunden davon ab, einen Einkaufsbummel zu unternehmen. «Seit rund einer Woche gehen die Frequenzen merklich zurück», fasst Dagmar Jenni, Geschäftsführerin der Swiss Retail Federation, die Rückmeldungen der Verbandsmitglieder zusammen. Im Verband sind beispielsweise Manor, Ochsner Sport, Jumbo oder Ikea.

Je nach Tag oder Uhrzeit kann es in Supermärkten, Boutiquen und Baumärkten trotzdem zu einem Gedränge kommen – oder gleich zu einer grossen Party, wie das unrühmliche Beispiel vom Shoppi-Tivoli-Event in Spreitenbach zeigt. Da die Pandemie zugleich ausser Kontrolle zu geraten droht, ist es wahrscheinlich, dass der Bundesrat am Mittwoch auch dem Detailhandel wieder strengere Massnahmen auferlegt.

Branche hofft auf vier-Quadratmeter-Regel

So ist bereits durchgesickert, dass weitere Zugangsbeschränkungen gelten könnten und Läden somit weniger Kunden einlassen dürften. Laut Jenni hofft die Branche auf vier Quadratmeter pro Person. Zur Erinnerung: In den Wochen nach dem Lockdown galt noch die Empfehlung, dass auf zehn Quadratmetern nur eine Person einkaufen darf. Diese wurde Mitte Juni gelockert und durch die 1,5 Meter-Abstandsregel ersetzt.

«Für kleine Läden war die zehn-Quadratmeter-Regel sehr einschränkend», sagt Jenni. «Vier Quadratmeter erachten wir jetzt als sinnvoll. Diese Massnahme sind wir bereit, mitzutragen. Schliesslich wollen auch wir unbedingt einen zweiten Lockdown verhindern.» Laut Jenni müsse diesmal ausserdem klar definiert werden, ob die Brutto- (inklusive Lager, Regale etc.) oder Nettofläche (reine Verkaufsfläche) gemeint ist. Im Frühling hatte dies bei den Händlern noch für Verwirrung gesorgt.

Erkenntnisse aus erster Welle sind jetzt nützlich

Weniger Leute in den Shops heisst in der Regel auch weniger Umsatz. Im Gegensatz zur ersten Welle trifft die zweite Welle die Detailhändler jetzt aber nicht völlig unvorbereitet. «Die Unternehmen haben im Frühling viel gelernt und die Kapazitäten ihrer Onlinekanäle enorm hochgefahren», so Jenni. «Umsatzeinbussen in den Läden könnten diesmal vielleicht etwas besser abgefedert werden. Man darf aber nicht vergessen, dass das Onlinegeschäft dünnmargiger ist.»

Die Lernkurve sei riesig gewesen, etliche Händler hätten beispielsweise in Windeseile click & collect-Angebote lanciert. Bei diesen kann der Kunde die Ware nach der Onlinebestellung selber vor der Filiale abholen. «Nur noch einen eindimensionalen Verkaufskanal – den Laden – zu bewirtschaften, reicht heute kaum mehr», sagt Jenni. Ausnahmen seien der Foodbereich oder Nischenbereiche.

Das Onlinegeschäft vorangetrieben hat zum Beispiel Manor: Seit Ausbruch der Coronapandemie hat das Warenhaus sein Onlinesortiment nach eigenen Aussagen um einen Viertel ausgeweitet. Bis Ende 2021 strebt Manor einen weiteren fünfzig-prozentigen-Ausbau auf 200'000 Artikel an. Gleichzeitig hat Manor die Lagerkapazitäten und Abpackstationen in den Verteilzentralen faktisch verdoppelt – auch mit Blick auf den Black Friday im November.

Besonders schwer dürfte es weiterhin die Fashion-Branche haben. Sie ist durch internationale Onlinehändler bereits seit mehreren Jahren unter Druck. Jetzt kommt hinzu, dass im aktuellen Homeoffice-Regime deutlich weniger Kleider und Schuhe gekauft werden. Das gleiche gilt für die Schmuck-, Uhren- oder Kosmetikindustrie.

Autor

Gabriela Jordan

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