Rücktritt

Finma-Chef Patrick Raaflaub tritt ab - Mark Branson wird Nachfolger

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Der Direktor der Eidgenössichen Finanzmarktaufsicht Patrick Raaflaub tritt nach fünf Jahren zurück. Es sei die Zeit gekommen, sich neu zu orientieren, liess er am Mittwoch mitteilen. Nachfolger ad interim wird Mark Branson, ehemailger UBS-Banker.

Der Direktor der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma), Patrick Raaflaub, tritt überraschend zurück. Als oberster Aufseher über den Schweizer Finanzplatz hat er historisch turbulente Zeiten durchlebt. Nun wird er Ende Januar sein Amt niederlegen.

Der Rücktritt geschehe auf eigenen Wunsch. Es sei die Zeit gekommen, eine neue Herausforderung zu suchen, liess sich Raaflaub in einer Mitteilung vom Mittwoch zitieren.

Ab 1. Februar übernimmt sein Stellvertreter Mark Branson bis auf Weiteres die operative Führung der Behörde. Der Finma-Verwaltungsrat zeigte sich überzeugt, dass mit Branson die erforderliche Kontinuität gewährleistet sei. Die Prozesse für die Suche nach einem neuen Direktor seien bereits angelaufen.

Erster Direktor der heutigen Organisation

Raaflaub war fünf Jahre lang Chef der Aufsichtsbehörde. Als er Anfang 2009 den Posten übernahm, sah er sich gleich mehreren Herausforderungen gegenüber stehen: Einerseits galt es die drei Vorgängerbehörden (Eidgenössische Bankenkommission, Bundesamt für Privatversicherungen und Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei) organisatorisch zusammen zu führen.

Andererseits wütete eine der schlimmsten Bankenkrisen. Die US-Bank Lehman Brothers ging im September 2008 pleite und riss etliche Finanzinstitute mit in den Abgrund - unter anderem auch die UBS, die im Oktober 2008 vom Bund und der Schweizerischen Nationalbank gerettet werden musste.

2012 verspekulierte der Londoner UBS-Händler Kweku Adoboli über zwei Millarden Franken. Die Finma ortete schwerwiegende Mängel und nahm das Geldhaus an die kurze Leine. Dann kam der Liborskandal. Und zum Ende seiner fünfjährigen Amtszeit dominierte der US-Steuerstreit sowie die möglichen Kursmanipulationen die Schlagzeilen.
Vielschichtige Probleme

In seiner Funktion war Raaflaub gefordert, die Banken und auch Versicherungen in die Schranken zu weisen und die Regulierung zu verschärfen; angesichts der zahlreichen und vielschichtigen Probleme in der Finanzbranche keine leichte Aufgabe.

Selbstredend schreibt Raaflaub in der Mitteilung vom Mittwoch: "Es waren sehr spannende und intensive Jahre, die ich als Direktor der Finma erleben durfte." Er zieht ein positives Fazit: "Ich bin zufrieden mit dem, was wir in sehr anspruchsvollen Zeiten gemeinsam erreicht haben."

Das sieht auch Anne Héritier Lachat, Präsidentin des Finma-Verwaltungsrats, so. "Dass die Finma nach der akuten Krisenbewältigung zielstrebig und konsequent Lehren aus den Erfahrungen der Krise zog, ist nicht zuletzt der Verdienst von Patrick Raaflaub", heisst es in der Mitteilung.

Häufig kritisiert

An Kritikern mangelte es indes nicht, allen voran die Regulierten selbst - die Banker. Entsprechend kühl reagierte die Schweizerische Bankiervereinigung auf die Nachricht: "Wir nehmen den Rücktritt von Herrn Raaflaub zur Kenntnis", sagte Mediensprecherin Sindy Schmiegel gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Es sei bekannt, dass die Banken und die Finma nicht immer einer Meinung gewesen seien. Allerdings müsse anerkannt werden, dass Raaflaub auch in schwierigen Zeiten viel für den Schweizer Finanzplatz getan habe.

In die Kritik geraten ist Raaflaub unter anderem wegen dem Finma-Rundschreiben zur Weitergabe von Retrozessionen. Zudem wurde die Finma noch in der Finanzkrise kritisiert, sich gegen die Grossbanken nicht durchsetzen zu können. Wenig später bemängelten Politiker, die Finma gehe regulatorisch zu streng vor und gefährde dadurch die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes.

Die Finanzbranche drosch zuletzt wegen den Empfehlungen Raaflaubs zum US-amerikanischen Programm zur Bereinigung des Steuerstreits auf den Direktor ein. Raaflaub hatte den Banken Ende November in einem Zeitungsartikel empfohlen, im Zweifelsfall Kategorie 2 zu wählen, welche Bussen vorsieht.

Insbesondere weil nicht genau klar ist, was eine Programmteilnahme genau beinhaltet, sei sie nicht für alle Banken sinnvoll, hiess es von Branchenseite. Einige Institute haben sich denn auch gegen die Empfehlung entschieden und sind nicht auf das Angebot des US-Justizministeriums eingegangen.

"Kompetenzverlust für die Behörde"

Eine letzte Kritik muss sich Raaflaub nun auch wegen seinem überraschenden Abgang gefallen lassen. "Der Rücktritt kommt zur Unzeit", sagte Peter V. Kunz am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Zwar sei verständlich, dass Raaflaub nach fünf Jahren etwas Neues machen wolle, aber noch sei der Steuerstreit mit den USA nicht gelöst und auch in der Diskussion über die Eigenkapitalausstattung der Banken stünden wichtige Entscheide an. Der Abgang des Chefs sei ein Kompetenzverlust für die Behörde.

"Es gehört zum Geschäft, öffentlich kritisiert zu werden", sagte Raaflaub einst in einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung". Ende Januar nun lässt er das Geschäft und die Kritik hinter sich.

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