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Finanzinvestor will «Victoria's Secret"-Übernahme abblasen

Das wegen Image-Problemen und sinkender Verkaufszahlen ohnehin kriselnde Dessous-Label "Victoria's Secret" steht vor weiteren Problemen. Der vereinbarte Verkauf kommt möglicherweise nicht zustande. (Archivbild)

Das wegen Image-Problemen und sinkender Verkaufszahlen ohnehin kriselnde Dessous-Label "Victoria's Secret" steht vor weiteren Problemen. Der vereinbarte Verkauf kommt möglicherweise nicht zustande. (Archivbild)

Das Dessous-Label «Victoria's Secret» steht durch die Corona-Krise vor neuen Problemen. Der Finanzinvestor Sycamore Partners will die im Februar vereinbarte Übernahme einer 55-prozentigen Mehrheitsbeteiligung an der Modemarke abblasen.

Dies bestätitigte der "Victoria's Secret"-Mutterkonzern L Brands am Mittwoh. Sycamore habe eine Klage bei einem Gericht in Delaware eingereicht, um den Deal rückgängig zu machen. L Brands pocht indes auf den Kaufvertrag und will sich energisch verteidigen.

Eigentlich war beschlossen, dass Sycamore Partners für 525 Millionen Dollar (485 Mio Euro) die Kontrollmehrheit erhält und die restlichen 45 Prozent bei L Brands verbleiben. Insgesamt wurde "Victoria's Secret" bei dem Deal mit 1,1 Milliarden Dollar bewertet.

Weil L Brands jedoch im Zuge der Corona-Pandemie zahlreiche Filialen geschlossen, Mitarbeiter beurlaubt und Mietzahlungen ausgesetzt habe, sei die Vereinbarung nichtig, argumentiert Sycamore nun laut US-Medienberichten. An der Börse stürzte die Aktie von L Brands zeitweise um über 25 Prozent ab und wurde kurz vom Handel ausgesetzt.

"Victoria's Secret" hat sich beim Mutterkonzern L Brands längst vom Aushängeschild zum Problemfall entwickelt. Das Reizwäsche-Label, das bei seinen pompösen Modenschauen stets die internationale Elite der Top-Models über den Laufsteg schickte, tut sich schon länger schwer.

Mit seiner "Sex Sells"-Vermarktung, die auf makellose, leicht bekleidete Frauenkörper setzt, wurde das Label in Zeiten reger "Body Shaming"-Debatten und der "#MeToo"-Bewegung zu einem Stein des Anstosses. Berichte über Belästigungsvorwürfe gegen Manager brachten die Unterwäsche-Marke zuletzt weiter unter Druck.

Die Vereinbarung mit Sycamore hatte eigentlich auch vorgesehen, dass L Brands umstrittener Chef Leslie Wexner von seinem Amt zurücktritt, sobald die Transaktion abgeschlossen ist. Er sollte aber weiter einen Posten im Verwaltungsrat behalten, hiess es im Februar.

Der Ruf des 82-Jährigen hat stark unter seiner Verbindung zum US-Millionär Jeffrey Epstein gelitten, der sich im vergangenen August nach einem Missbrauchsskandal das Leben in einem New Yorker Gefängnis genommen hatte. Wexner soll lange Zeit enge Geschäftsbeziehungen mit Epstein unterhalten haben, was zu heftiger Kritik am L-Brands-Chef führte.

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