Ausnahmsweise waren sich Jury, Kritiker und Publikum einig: Der philippinische Regisseur Lav Diaz ist mit seinem Schwarz-Weiss-Spielfilm "Mula sa kung ano ang noon" ("From What Is Before") der verdiente Gewinner des Goldenen Leoparden.

Das fünfeinhalbstündige Epos spielt in einem philippinischen Dorf zu Zeiten der Marcos-Diktatur. Der Film basiert auf den Kindheitserinnerungen des 55-Jährigen Regisseurs.

Asylsuchende spielen sich ins Herz der Piazza

Weniger glücklich verlief der internationale Wettbewerb für die beiden Schweizer Beiträge. Das Drama "Cure - The Life of Another" der Zürcher Regisseurin Andrea Štaka wie auch Fernand Melgars Dokfilm "L'abri" über eine Lausanner Notschlafstelle gingen leer aus.

Einen Sieg kann der Schweizer Film dennoch verzeichnen: Das Publikum der Piazza Grande wählte "Schweizer Helden", Peter Luisis Komödie über Asylsuchende, die den "Wilhelm Tell" aufführen, zum Publikumsliebling.

Mit Abstand die meisten Zuschauer lockte der Eröffnungsfilm "Lucy" auf die Piazza, gefolgt von "Sils Maria" mit Juliette Binoche in der Hauptrolle und den "Schweizer Helden".

Aufregende Tage

Das 67. Festival del film war die zweite Ausgabe unter der künstlerischen Leitung von Carlo Chatrian. Wie schon im Jahr zuvor hatte der Norditaliener die Vielfalt zu seinem Credo gemacht. Präsentiert hat Chatrian nicht etwa eine wahllose Mischung, sondern eine geschickte Auswahl, die bei Kritikern und Publikum Anklang fand.

In einem Communiqué vom Sonntag zeigte sich der 42-Jährige zufrieden: "Wir haben elf aufregende Tage hinter uns, mit grossen Gästen und Filmen, die es schafften, uns von der Welt und den Menschen zu erzählen, die darauf leben."

Obwohl der Himmel über Locarno an vielen der elf Festivaltagen wolkenverhangen war, kamen mit über 166'000 Zuschauer etwa 4000 mehr ans Filmfestival als im Jahr zuvor, wie die Leitung am Sonntag mitteilte.