Filmbusiness
Social Media und Blockchain sei Dank: Die Schweizer Filmproduktion «Mad Heidi» macht Fans zu Investoren

Die herkömmliche Geldersuche für Filmproduktionen führt über staatliche Fördertöpfe und ist äusserst kompliziert. Nun wagt ein Team einen anderen, neuen Ansatz: über Crowd-Investing.

Florence Vuichard
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«Mad Heidi» schreitet voran.

«Mad Heidi» schreitet voran.

Madheidi.com / Decoy Films

Heidi kommt auf den Bildschirm zurück, doch dieses Heidi hat wenig gemein mit der von Johanna Spyri vor rund 150 Jahren kreierten literarischen Figur. «Mad Heidi» ist eine junge Frau, die auf der Suche nach Rache die Schweiz von der Diktatur eines Käsemagnaten befreit. Es spritzt viel Blut, der Bodycount ist hoch, die Foltermethoden mit Fondue-Käse und Schokolade unerbittlich. «Swissploitation» eben, die helvetische Antwort auf das Genre des billigen und effekthascherischen Exploitationfilms, der im Holliwood der 1970er-Jahre seine Blütezeit hatte.

Ursprünglich war da nur eine Idee, ein Plakat und eine Facebook-Seite. Dann folgte ein Teaser, worauf «Mad Heidi» auf Social Media nicht nur viel Zuspruch erhielt, sondern noch mehr Geld. Rund 290'000 Franken haben die Ideengeber, Produzent Valentin Greutert («Bruno Manser») und Regisseur Johannes Hartmann, eingesammelt - mit dem Verkauf von Fanartikeln, etwa von T-Shirts und Fondue-Mischungen, und sogenannten «Heidi Bonds». Diese können dann später gegen eine «Belohnung» eingetauscht werden, etwa gegen einem Besuch auf dem Drehset, einem Auftritt als Statist oder einem Credit im Abspann. Jedenfalls kam so genug zusammen, um den Schritt von Crowd-Funding zum Crowd-Investing zu wagen. «So können sich Fans direkt an den Einnahmen des Films beteiligen», sagt Greutert. Dazu müssen sie sogenannte «Mad Invest-Shares» erwerben.

Mad Heidi Trailer.

Youtube

4000 Anteilsscheine à 500 Franken stehen zum Verkauf

Der Produzent: Valentin Greutert.

Der Produzent: Valentin Greutert.

ZVG

Insgesamt gibt es 5200 solcher Anteile, 1200 gehören den Filmemachern, 4000 werden zum Stückpreis von 500 Franken über die firmeneigene Online-Plattform verkauft. 2608 sind schon weg. Oder anders gesagt: 1,304 der über Crowd-Investing angepeilten 2 Millionen Franken sind bereits in die «Heidi»-Kasse geflossen. Papierverträge erhalten die Investoren keine, «alles ist komplett automatisiert», wie Greutert betont. Sowohl der Anteilsverkauf wie auch die prozentgenaue Auszahlung künftiger Einnahmen wird über ein von der englischen Firma Filmchain entwickeltes Blockchain-System erledigt. Das ginge auch anders, aber Blockchain verspreche mehr Effizienz und Transparenz, sagt Greuter. Und er ergänzt: «Der bedeutendste Vorteil der Blockchain ist aber ihre sehr hohe Fälschungssicherheit: Niemand kann an der Geldverteilung etwas ändern, ohne dass alle zustimmen.»

Greutert und seine Mitstreiter produzieren den Film nicht nur, sie vertreiben ihn auch gleich selbst. Dabei werden territoriale Grenzen überwunden und Zwischenhändler ausgeschaltet, was die Einnahmen für die Filmemacher erhöhen dürfte, wie sie hoffen. Produzent Greutert rechnet gar mit sechsmal höheren Einnahmen. Und so wird «Mad Heidi» weltweit gleichzeitig über die eigene Plattform lanciert. Geschaut wird der Film gegen Entgelt auf privaten Bildschirmen, auf dem PC, dem Tablet oder dem Handy. Kinovorführungen sind nur noch als Events geplant. Weitere Einnahmen versprechen sich die Macher durch den Verkauf von DVDs, Blurays oder den TV-Rechten - und Merchandise von T-Shirts bis Kaffeetassen.

Drehbeginn im September

Der Regisseur: Johannes Hartmann.

Der Regisseur: Johannes Hartmann.

ZVG

Drei Viertel dieser Einnahmen werden dann über die Filmchain-Inkassostelle zurückverteilt an die Investoren, 25 Prozent bleiben bei der Produktionsfirma, als Gebühren für Marketing-, Verwaltungs- und Inkassokosten. Bei rund 400'000 zahlenden Zuschauer und Zuschauerinnen sei der Breakeven erreicht, schätzt Greutert. Die Beteiligung an den Filmeinnahmen ist auf sieben Jahre nach der weltweiten digitalen Veröffentlichung des Films begrenzt.

Filmstart soll im Herbst 2022 sein. Doch zuerst muss der Streifen überhaupt hergestellt werden. «Gedreht wird diesen September und Oktober in Bern und Umgebung», sagt Greutert. Und zwar auf Englisch, um den Ansprüchen eines globalen Publikum gerecht zu werden. Heidi und Geissenpeter kommen aus England, wie ein Grossteil des Casts.

Trotz des neuen, innovativen Finanzierungsansatzes: Ganz ohne staatliche Subventionsgelder geht es doch nicht. Jedenfalls hat die «Mad Heidi»-Crew beim zuständigen Bundesamt für Kultur ein Gesuch für die automatische Filmförderung eingereicht. Das ist eine Art Wirtschaftsförderung, die Anreize setzt, dass Filme in der Schweiz gedreht werden und die hiesige Industrie von Aufträgen profitieren kann.

«Mad Heidi»: Auf in den Kampf.

«Mad Heidi»: Auf in den Kampf.

Decoy Films – madheidi.com