Hörgerätemarkt

Fielmann will Hörgerätegeschäft ausbauen

Der Hörgerätemarkt bekommt Konkurrenz.

Der Hörgerätemarkt bekommt Konkurrenz.

Der deutsche Optiker baut die Zahl der Filialen mit einer Abteilung für Hörgeräte aus. Sechs Filialen in der Schweiz sind geplant. Brillen und Kontaktlinsen würden aber das Hauptgeschäft bleiben.

«Da müssen Sie schon zu Fielmann gehen.» Die Werbezeile des deutschen Optikerunternehmens gilt längst nicht nur für Menschen, die unscharf sehen, sondern auch für Personen, die schlecht hören. Bereits vor zehn Jahren ist Fielmann ins Hörgerätegeschäft eingestiegen. Brillen und Hörgeräte gehören denn auch zusammen: Wer im Alter schlecht sieht, der hört oft auch schlecht. Das ist bei älteren Menschen statistisch erwiesen.

Die Optikerkette hat den Hörhilfe-Markt für sich entdeckt und will ihn nun ausbauen. «Wir wollen stärker in den Markt hinein», sagte der Fielmann-Chef Günther Fielmann gegenüber der «Welt». In jedem dritten Optikerladen sollen neben Brillen und Kontaktlinsen Hörgeräte verkauft werden, kündigt der Unternehmer an.

Sechs Filialen in Schweiz geplant

Diese Pläne gelten auch für die Schweiz, bestätigt Thomas Löhr, Chef Fielmann Schweiz. «Bis jetzt verkaufen wir in 11 der 28 Schweizer Fielmann-Filialen Hörgeräte. Diese Zahl werden wir erhöhen», sagt Löhr. Geplant seien sechs weitere Geschäfte, die in Zukunft Hörhilfen verkaufen. Vier Filialen mit einer Abteilung für Hörgeräte werden bereits 2011 eröffnet werden, unter anderem die Filiale in Aarau.

Gut qualifiziertes Akustikpersonal sei aber nach wie vor Mangelware. Dies sei auch ein Grund, wieso Fielmann nicht schon früher das Geschäft mit den Hörgeräten ausgebaut habe. «Neu gibt es aber in Zürich einen dreijährigen Lehrgang für Hörgeräteakustiker», sagt Löhr. Fielmann Schweiz lasse aktuell acht ausgebildete Augenoptiker zusätzlich zum Hörgeräteakustiker ausbilden.

IV und AHV übernahm Kosten

«Brillen und Kontaktlinsen bleiben aber nach wie vor das Hauptstandbein von Fielmann», betont Löhr. 1500 Hörgeräte habe Fielmann 2010 in der Schweiz verkauft. Eine kleine Zahl im Vergleich zu den 73000 Stück, die 2009 (siehe Grafik) in der Schweiz abgesetzt wurden. «Der Verkauf von Hörgeräten macht 2 bis 3 Prozent des Umsatzes aus, den wir in der Schweiz machen. Das sind 3 bis 4 Millionen Franken», so Löhr.

Steigerungspotenzial ist vorhanden. Laut Fachverband Akustika tragen in der Schweiz 250000 Personen ein Hörgerät. Auf 1 Million schätzt der Verband allerdings die Personen mit einer Hörbeeinträchtigung – also potenzielle Träger von Hörgeräten. Diese will Fielmann mit tiefen Preisen anlocken. «Wir wollen wie bei den Brillen der günstigste Anbieter sein», sagt Löhr. Dabei nutzt Fielmann als grosser Player seine Einkaufsvorteile.

Bis jetzt habe der Preis für Hörhilfen aber noch keine grosse Rolle gespielt, da die IV respektive die AHV einen Grossteil der Kosten übernehme, sagt Löhr. Ab dem 1. Juli 2011 werden die Zuschüsse von IV und AHV aber deutlich gesenkt. «Dann wird der Preis für die Kunden wichtiger», so der Chef von Fielmann Schweiz. Er ist überzeugt, dass dann dem Schweizer Hörhilfe-Markt eine Umwälzung bevorsteht.

Fielmann längst nicht Marktführer

Mit den Neueröffnungen ist Fielmann beim Verkauf von Hörgeräten noch lange nicht Marktführer. Laut Branchenverband Akustika tummeln sich auf dem Hörhilfe-Markt 129 Unternehmen. Die italienische Verkaufskette Amplifon ist mit 76 Verkaufsstellen in der Schweiz präsent, gefolgt von der österreichischen Kette Neuroth (44 Filialen), Beltone (37), Kind (30) und Audito Suisse (27). Insgesamt hat sich die Anzahl der Akustiker-Geschäfte in der Schweiz zwischen 2004 und 2010 von 290 auf 500 erhöht.

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