Felix Kunz
Felix Kunz hat sein Lebenswerk verkauft

Überraschend hat Gründer und Mehrheitsaktionär Felix Kunz die Digital-Logic AG verkauft. Käuferin ist die deutsche Kontron, Weltmarktleader in der Herstellung von Kleinstcomputern. Die über 100 Arbeitsplätze in Luterbach bleiben erhalten, wie Kunz versichert.

Franz Schaible
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Oliver Menge

Der Geschäftsgang habe indirekt mit zum Verkauf der 1992 gegründeten Digital-Logic AG beigetragen. Aber nicht etwa weil dieser schlecht sei, sondern weil es - im Gegenteil - sehr gut laufe, kommentiert Felix Kunz den überraschenden Besitzerwechsel. «Der Auftragseingang im ersten Halbjahr ist fast so hoch wie der ganze letztjährige Umsatz.» Dieser betrug 27 Millionen Franken. Um dieses Wachstum finanzieren zu können, wären neue Lösungen gefragt gewesen. Die klassische Finanzierung mittels Bankkredit sei kurz vor dem Abschluss gestanden, als sich die in der Nähe von München domizilierte Kontron mit dem Kaufangebot gemeldet habe. «Wir haben das im Aktionärspool besprochen und sind zum Schluss gekommen, dass der Verkauf für die Zukunft von Digital-Logic die bessere Lösung ist», schildert Kunz den Entscheidungsprozess.

Kontron: «Lucky Buy»

Digital-Logic, die auf die Entwicklung und Herstellung von industrietauglichen Kleinstcomputern spezialisiert ist, könne nämlich von namhaften Synergievorteilen profitieren. Kunz erwähnt vorab die verbesserten Einkaufsbedingungen sowie die Einbindung in das weltweite Kontron-Vertriebsnetz. Deshalb habe sich der Aktionärspool entschieden, die Anteile (78 Prozent des Aktienkapitals) rückwirkend auf 1. September zu verkaufen.

«Wir streben eine vollständige Übernahme an. Die Kleinaktionäre werden für ihre restlichen 22 Prozent der Aktien demnächst ein Kaufangebot erhalten», sagt Kontron-Finanzchef Dieter Gauglitz. «Zu gleichen Bedingungen», ergänzt Kunz. Den Preis für 100 Prozent der Aktien beziffert Gauglitz auf 5 bis 7 Millionen Euro. Zudem werde Kontron auch Schulden in etwa gleicher Höhe übernehmen. In einer Mitteilung bezeichnen die Deutschen die Übernahme als «lucky Buy» - als glücklichen Kauf. Warum die rund 130 Minderheitsaktionäre nicht im Voraus über den geplanten Verkauf orientiert worden seien, begründet Kunz mit den Vorschriften, welche die in Deutschland börsenkotierte Kontron einhalten müsse. «Eine vorgängige Information hätte den Deal platzen lassen.»

Arbeitsplätze «nicht gefährdet»

Der Standort Luterbach und die Arbeitsplätze seien nicht gefährdet, versichert Felix Kunz. Aktuell beschäftige Digital-Logic 98 Angestellte und 17 Lernende. Kontron-Finanzchef Gauglitz: «Wir akqurieren nicht eine Firma mit dem Ziel, Arbeitsplätze zu streichen. Wir erwerben Firmen, die Potenzial zum Wachsen haben.» Digital-Logic passe mit ihren besonders robusten Kleinstcomputern gut in die Ausbaustrategie von Kontron. Kontron erwirtschaftet mit 2500 Beschäftigten einen Umsatz von umgerechnet rund 750 Millionen Franken.

Kontinuität deutet auch das neue Organigramm an. Felix Kunz bleibt Verwaltungsratspräsident der neu unter dem Namen «Kontron Compact Computer» auftretenden Firma. Der neuen, fünfköpfigen Geschäftsleitung werden alles interne Digital-Logic-Leute angehören, wie Kunz erklärt. Er selbst werde für Kontron ein Beratungsmandat übernehmen. Mehr Zeit will er zudem für sein «Hobby», das Solothurner Museum für Computer und Technik (Enter), aufwenden.

Lebenswerk verkauft

Der 48-jährige Felix Kunz hat sein Lebenswerk verkauft, für das er mehrfach ausgezeichnet wurde. So erhielt er 1997 den Jungunternehmerpreis der Schweiz und im Januar 2009 den Solothurner Unternehmerpreis. «Einmal wird es zu einem Wechsel kommen», sagt Kunz. Eigentlich suchte er den «Wechsel» bereits im 2000. Der damals grossangekündigte Börsengang wurde aber wegen der schlechten Lage am Finanzmarkt kurzfristig abgesagt.

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