Bierbrauer
Feldschlösschen-Chef: «Ich habe kein Problem, Bier von der Konkurrenz zu trinken»

Der Chef der grössten Bierbrauerei der Schweiz spricht über den Einkaufstourismus und sein Rezept,um Kunden wiederzugewinnen.

Andreas Schaffner
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Feldschlösschen-Chef Thomas Amstutz im Sudhaus der Brauerei in Rheinfelden. Der Konzern braut in der ganzen Schweiz 40 Markenbiere. Mario Heller

Feldschlösschen-Chef Thomas Amstutz im Sudhaus der Brauerei in Rheinfelden. Der Konzern braut in der ganzen Schweiz 40 Markenbiere. Mario Heller

Mario Heller

Herr Amstutz, Sie haben im vergangenen Jahr weniger Bier verkauft. Woran liegt das?

Thomas Amstutz: 2015 war ein herausforderndes Geschäftsjahr. Wir spüren die Folgen des Einkaufstourismus. Der hat dazu geführt, dass unsere Kunden, die Detailhändler, mehr Aktionen machen mussten, um Kunden in die Geschäfte zu locken. Das Ganze ging jedoch auf Kosten unserer Marge. Wichtig ist: Wir haben das Biervolumen praktisch gehalten. Dies war möglich durch Innovationen wie «Braufrisch». Das hat uns enorm geholfen im letzten Jahr. Es war unsere erfolgreichste Neulancierung in den letzten zehn Jahren.

Der Einkaufstourismus nahm wegen des starken Schweizer Frankens zu. Was ist hier zu erwarten?

Wir werden noch eine Weile damit zu kämpfen haben. Doch der Franken bleibt nicht ewig so hart wie jetzt. Wichtig ist, dass wir uns auf die Zeit danach vorbereiten. Wir dürfen die Kunden nicht verlieren. Ich bin überzeugt, dass wir sie nur zurückholen, indem wir auf Innovationen setzen und aufzeigen, dass wir stolz auf unsere Schweizer Produkte sein können.

Der Preisdruck gibt es auch in der Gastronomie. Was unternehmen Sie?

Das ist historisch gesehen unser wichtigster Abnehmer. Inzwischen hat es sich jedoch gedreht. Die Gastronomie besonders im ländlichen Raum ist enorm unter Druck. Hier sind wir im täglichen Kontakt mit unseren Kunden und versuchen sie auch zu unterstützen. Wir bieten ihnen etwa im Bereich Getränkehandel immer mehr Leistungen an. Oder wir zeigen auf, wie die Wirte dank der Digitalisierung Kosten einsparen können. Wir haben hier eigene Programme und Apps entwickelt und nehmen konzernweit, also im grossen Carlsberg-Konzern, eine Vorreiterrolle ein. Unsere eigenen Ergebnisse können wir in diesem Bereich verbessern, indem wir bei der Lieferung von Weinen zulegen.

Wegen Abschreibungen in Milliardenhöhe resultierte bei Ihrem Mutterkonzern Carlsberg ein Verlust. Inwiefern müssen Sie in der Schweiz Stellen abbauen?

In der Schweiz beschäftigen wir 1300 Mitarbeitende an 21 Standorten. Daran wird sich im grösseren Stil nichts ändern. Wir schauen sicher, wie wir in allen Bereichen effizienter werden können. Doch dies ist ein laufender Prozess.

Der Bierimport nimmt auch zu. Besonders die deutschen Harddiscounter Aldi und Lidl bieten Bierdosen zum Spottpreis von 30 Rappen an.

Wir gehen davon aus, dass der Import sich bei 25 Prozent einpendeln wird. Für uns ist klar, dass wir mit unseren 1.70 nicht gegen die 30 Rappen ankämpfen können.

Ein Thema in der Schweiz ist die neue Biervielfalt. Inzwischen gibt es rund 650 Bierbrauereien. Hier haben Sie plötzlich neue Konkurrenz?

Als Marktführer mit einem Anteil von rund 42 Prozent am Biermarkt freuen wir uns, wenn die Biervielfalt in der Schweiz grösser wird, und fördern auch die Bierkultur aktiv. Und wir sind enorm daran interessiert, dass sich die Bierkultur weiterentwickelt. Viele Jungunternehmer, die mit eigenen Bieren erfolgreich sind, haben bei uns als Brauer angefangen. Wir sind schweizweit das Kompetenzzentrum für Bier. Und als Unternehmen bieten wir die grösste Biervielfalt an. Wir brauen 40 Markenbiere. Für uns ist es wichtig, dass wir in den Regalen der Grossverteiler ausreichend Platz dafür haben.

Die kleinen Brauereien gelten doch als viel hipper und szeniger. Mancher Grossverteiler brüstet sich ja mit einer grossen Biervielfalt. Stört Sie das?

Es ist immer einfacher, auf den Grossen herumzuprügeln. Wir Brauer freuen uns echt, wenn ein anderer Brauer mit einem neuen Geschmack kommt. Ich habe kein Problem damit, auch ein Bier von der Konkurrenz zu trinken. Unsere Lehrlinge haben gerade jetzt unglaublich spannende Biersorten kreiert und selber gebraut. Als Marktführerin in der Schweiz müssen wir jedoch unsere wichtigste Marke pflegen. Gleichzeitig versuchen wir, firmenintern Innovationen zu fördern.

Sie feiern in diesem Jahr das 140-Jahre-Firmenjubiläum. Was planen Sie?

Vorgestern haben wir das Jubiläum mit unseren Mitarbeitern gewürdigt. Es wird auch sonst noch einzelne Attraktionen geben. Am Tag der offenen Tür etwa erwarten wir einen Rekordansturm.

Nun steht ein Fussballjahr an. Ausserdem findet das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Estavayer-le-Lac statt. Wird das ein Bierjahr?

Uns hilft ein guter Sommer mehr. Aber Sie haben recht: Wir unterstützen landesweit rund 7000 kleinere Events und sind Sponsor diverser Grossanlässe. Wir stellen etwa am Schwing- und Älplerfest sicher, dass das Bier während der zwei Tage gekühlt und in ausreichender Menge vorhanden ist. Immerhin trinkt jeder Teilnehmer in diesen Tagen ein Liter Bier! Die Logistik, die dahinter steckt, ist gewaltig. Während der Fussball-Europameisterschaft werden wir diverse Public-Viewing-Orte beliefern. Wir können nur hoffen, dass die Schweiz möglichst weit kommt.

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