Feldschösschen
Feldschloss-Herren umgarnen die Frauen

Feldschlösschen nimmt mit neuen Produkten Frauen sowie jüngere Männer ins Visier. Zentrale Herausforderung: Die Billigbier-Importe und das nationale Rauchverbot in der Gastronomie.

Drucken
Teilen
Wirbt für Feldschlössen-Getränk: Ex-Miss Christa Rigozzi

Wirbt für Feldschlössen-Getränk: Ex-Miss Christa Rigozzi

Zur Verfügung gestellt

Ruedi Mäder

Im Getränkegeschäft lässt sich der Wetterfaktor nicht austricksen. Schönes Wetter und hohe Temperaturen in den Monaten April, August und September sorgten dafür, dass 2009 in der Schweiz nur unwesentlich weniger Bier getrunken wurde als im Vorjahr mit der Fussball-Europameisterschaft. Runde 58 Liter betrug der Durchschnittskonsum pro Kehle. Die gesamte Bierproduktion im Inland sank um rund 2 Prozent. Demgegenüber konnten die Einfuhren ihre Position mit einem Wachstum von über 7 Prozent weiter festigen.

Feldschlösschen aus Rheinfelden erhöhte den Bierumsatz wertmässig noch um 2 Prozent, dies nach einem Wachstum von 10 Prozent im «Euro-Jahr» 2008. Der Ausstoss allerdings sank um rund zwei Prozent. CEO Thomas Metzger zeigte sich gestern im Gespräch mit dieser Zeitung insgesamt zufrieden.

Die Übernahme von Scottish&Newcastle durch die Muttergesellschaft Carlsberg erlaubte Feldschlösschen eine willkommene Sortimentserweiterung: Seit Anfang 2009 gehören auch die traditionsreichen Marken «1664» und Kronenbourg zum Portfolio. Der Anteil am Biermarkt stieg in der Folge um 2 Prozentpunkte auf rund 44 Prozent.

Eigenes Billigbier kein Thema

Der Weiterausbau des Marktanteils ist das erklärte Ziel. Wie soll dies in einem gesättigten Schweizer Biermarkt gelingen, in dem tiefpreisige Importbiere zu den Gewinnern zählen? Strategisch sieht CEO Metzger die grösste einheimische Brauerei richtig unterwegs: Eigene Marken als Kerngeschäft, ergänzt durch den Vertrieb ausgewählter ausländischer Premiumbiere.

Ein eigenes Discountbier ist ebenso wenig ein Thema wie die Produktion einer Eigenmarke für einen Dritten oder die Präsenz in den Gestellen eines ausländischen Discounters wie Lidl. Metzger: «Wir haben uns entschieden, in die bestehende Distribution zu investieren.»

Interessantes Potenzial sieht Feldschlösschen im Segment der Frauen, wo heute noch sieben von zehn kein Bier trinken. Das alkoholfreie «Angel» sei gut gestartet. Und mit dem im Spätsommer zunächst im Detailhandel lancierten, schwach bitteren «Premium»-Bier will Metzger neben Männern zwischen 25 und 35 auch das Frauensegment ansprechen. Das Apéro-Getränk «Eve» soll im Frühling durch eine weitere Geschmacksrichtung ergänzt werden.

TV-Spot für Bier jetzt erlaubt

Neuland betritt Feldschlösschen mit seinem «Premium» im Schweizer Fernsehen. Seit Anfang Februar ist TV-Werbung selbst für alkoholhaltiges Bier erlaubt. Im ersten Spot macht Feldschlösschen ab März auf Swissness und Kompetenz.

Eine zentrale Herausforderung auch für den Leader stellt die noch verstärkte Verlagerung des Konsums von der Gastronomie zum Detailhandel dar. Bei Feldschlösschen macht der Gastro-Kanal gut 50 Prozent aus. «Dieser Trend dürfte nach der Rezession anhalten», glaubt Metzger. Ein Hauptgrund sei das Rauchverbot in der Gastronomie, das ab 1. Mai 2010 national gilt.

Der Feldschlösschen-Chef geht von einem Absatzrückgang zwischen 5 und 10 Prozent aus. Er betont, man wolle gemeinsam mit den Gastronomen nach Möglichkeiten suchen, die Konsumenten im Wortsinn bei der Stange zu halten. Metzger glaubt nicht, dass das nahende Rauchverbotsregime die schon heute hohe Fluktuation unter den Wirten von 25 bis 30 Prozent noch höher schrauben wird. Für 2010 hat der Leader ein leichtes Wachstum von rund einem Prozent budgetiert. Punkto Bierpreiserhöhung sei «derzeit nichts entschieden».

Aktuelle Nachrichten