Wirtschaft

Feldschlösschen-Chef Amstutz: «Meine grösste Sorge ist ein digitaler Wandel in der Logistik, der uns als Getränkehändler überflüssig machen könnte»

Thomas Amstutz ist zehn Jahren Geschäftsführer von Feldschlösschen. (Bild: PD)

Thomas Amstutz ist zehn Jahren Geschäftsführer von Feldschlösschen. (Bild: PD)

Feldschlösschen blickt auf ein solides Geschäftsjahr zurück. Der schrumpfende Bier- und Getränkemarkt stellt die grösste Brauerei der Schweiz jedoch vor Herausforderungen. CEO Thomas Amstutz investiert  deshalb mittels Apps stark in die Kundenbindung.

Das imposante Schlossgelände der Brauerei Feldschlösschen sticht einem bereits auf dem Bahnsteig des naheliegenden Bahnhofs Rheinfelden ins Auge. Überraschend bescheiden wirken dann deshalb die Räume im Verwaltungsgebäude, das man nach einem kurzen Fussmarsch erreicht. Das gleiche gilt für den langjährigen Geschäftsführer Thomas Amstutz, der sich zugänglich und locker gibt und zunächst Smalltalk über die Medienlandschaft der Schweiz macht.

Schon bald dreht sich das Gespräch jedoch ums Geschäft: Sorgen machen dem Feldschlösschen-Chef unter anderem die Nachwuchsprobleme: Es wird immer schwieriger, gute Lehrlinge für die Ausbildung zum Bierbrauer zu finden. «Das liegt daran, dass die Attraktivität einer Lehre generell gesunken ist», sagt Amstutz. Dass die Branche dringend Nachwuchs sucht, ist nichts Neues. Feldschlösschen ging deshalb schon im vorigen Sommer in die Offensive und lancierte mit Coop das von Lehrlingen kreierte «Feldschlösschen Kristallweizen». Mit dem Erlös wurde vor kurzem wurde die Lernwerkstatt eröffnet. Lebensmitteltechnologen mit Schwerpunkt Bier lernen dort in einer Intensiv-Woche das Bierbrauen. «Als Marktführer haben wir ein grosses Interesse daran, gute Leute in der Branche zu haben. Die Rolle als Ausbildner müssen wir deshalb wahrnehmen.»

Geschäftsjahr 2019 ist trotz schwieriger Marktlage gut verlaufen

Auch die Marktbedingungen werden in Zukunft laut Amstutz anspruchsvoll bleiben. Der Getränkemarkt und die Gastronomie schrumpfen stetig, der Einkaufstourismus steigt. Um «den Zug nicht zu verpassen», setzt Feldschlösschen deshalb vermehrt auf digitale Geschäfte. Am Standort Dietikon arbeiten mittlerweile rund 20 Angestellte an Apps und Onlinelösungen. Ein Beispiel ist der Onlinehandel beer4you, mit dem Konsumenten bequem Bier bestellen können. 2019 sei beer4you um 26 Prozent gewachsen. Daneben hat Feldschlösschen auch eine digitale Plattform für Gastwirte, mithilfe derer sie ihr Lokal effizienter führen können sollen - unter anderem durch eine unkomplizierte Getränkebestellung. Dadurch will Amstutz auch die Kundenbindung fördern. «Meine grösste Sorge ist ein digitaler Wandel in der Logistik, der uns als Getränkehändler überflüssig machen könnte», sagt er und meint damit eine Dezentralisierung durch digitale Plattformen, wie sie etwa die Taxibranche durch Uber erlebt.

Trotz der schwierigen Marktbedingungen sei das vergangene Geschäftsjahr jedoch gut verlaufen: «Der Schweizer Biermarkt hat sich zwar stabilisiert, der gesamte Getränkemarkt ist jedoch um 2 Prozent geschrumpft. Mit dem Ergebnis des letzten Geschäftsjahres sind wir deshalb sehr zufrieden.» Beim Umsatz mit Bier und anderen eigenen Getränken legte die grösste Brauerei der Schweiz um 2 Prozent zu. Auch den Umsatz aus der Direktbelieferung mit der eigenen Getränkelogistik konnte Feldschlösschen um 0,4 Prozent leicht steigern. Das Unternehmen beliefert rund 25'000 Kunden in der Gastronomie, im Getränke- und Detailhandel. «Auf diese 0,4 Prozent sind wir besonders stolz. Wir liefern in erster Linie an Kunden in der Gastronomie. Da es sich dabei um einen rückläufigen Markt handelt, ist schon ein geringes Wachstum ein Erfolg.»

Nachfrage nach alkoholfreiem Bier steigt weiter

Stark gewachsen ist im 2019 der Umsatz mit alkoholfreiem Bier (plus 10 Prozent). Amstutz schreibt dies dem zunehmenden Gesundheitsbewusstsein der Menschen sowie dem sich gewandelten Image des alkoholfreien Bieres zu: «Früher galt das alkoholfreie Bier als uncooles Fahrer-Bier. Heute steht Bier vor allem für gesunde Rohstoffe. Der Biergenuss ist dadurch bewusster geworden. Beispielsweise bestellt man sich auch mal zum Mittagessen ein alkoholfreies Bier.» Diesen gesunden Biergenuss will Feldschlösschen fördern und das Angebot ausbauen: Überall, wo Bier verkauft wird, sollen Kunden auch das alkoholfreie Pendant kaufen können. «Hier sehen wir ein Riesenpotenzial», sagt Amstutz. «Denn trotz des Trends macht alkoholfreies Bier immer noch erst 3,6 des gesamten Biermarktes aus.»

Ebenfalls positiv entwickelt hat sich bei Feldschlösschen der Bereich Craft- und Spezialitätenbiere (plus 18 Prozent). Als Grund dafür nennt Amstutz die Veränderung der Schweizer Bierlandschaft und die starke Zunahme der Mikrobrauereien in den letzten sechs Jahren. Allein im 2019 haben sich 111 neue Brauereien registrieren lassen. Von den nunmehr über Tausend Brauereien werden lediglich 51 professionell geführt. «Durch die vielen Hobbybrauer wird im Allgemeinen mehr über Bier geredet. Das kommt auch uns zugute. Und weil durch diesen Trend das Interesse an lokalen und speziellen Bieren gestiegen ist, haben auch wir unser Sortiment angepasst.»

Mit über Tausend Mikrobrauereien sei der Höhepunkt nun allerdings erreicht, glaubt Thomas Amstutz. Bald werde die Phase der Konsolidierung beginnen. Auch im 2020 plant Feldschlösschen einen Ausbau des Sortiments: Mit dem «1876» will die Brauerei ein dunkles Lagerbier lancieren, welches das Gründungsjahr von Feldschlösschen im Namen trägt.

Autor

Gabriela Jordan

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