Schweiz

«Fedpol is watching you» – Geldwäscherei-Chef des Bundes hinterlässt eine brisante Warnung

Daniel Thelesklaf, Geldwäscherei-Experte.

Daniel Thelesklaf, Geldwäscherei-Experte.

Daniel Thelesklaf, abtretender Chef der Geldwäscherei-Meldestelle im Bundesamt für Polizei, warnt ausländische Kreise vor Mitlesern seiner Emails.

Abrupter Abgang: Daniel Thelesklaf, der Leiter der Geldwäscherei-Meldestelle des Bundes MROS, wirft den Bettel hin (CH Media berichtete). Am Montag kündigte er seine Stelle auf den 30. September, wie er danach in einer Mail an seine Kontakte schrieb. «Meine Vorstellungen zur strategischen Ausrichtung der MROS werden nicht mehr geteilt», gab er an.

Das heisst wohl, dass seine Vorstellungen bis vor kurzem noch geteilt wurden. Denn Thelesklaf trat seine Stelle erst im August letzten Jahres an.

Die MROS ist dem Bundesamt für Polizei (Fedpol) von Direktorin Nicoletta della Valle angegliedert. Das Fedpol wiederum gehört zum Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement (EJPD), das seit 2019 von Bundesrätin Karin Keller-Sutter (FDP) geleitet wird.

Was genau passiert ist, bleibt unklar. Aber es gab in den letzten Monaten zunehmend Differenzen zwischen den Thelesklaf und der Leitung des Fedpol, sagen Insider.

Warnhinweis in englischer Email

Mindestens zwei Dinge machen stutzig in der Abschiedsmail von Thelesklaf an ausgewählte Kontakte: So verschickte er sie unter dem Betreff «Vorläufiger Abschied». Was er damit meint, führt er nicht aus. Es kann ein Hinweis sein, dass er demnächst in einer neuen Funktion in der Finanzbranche auftaucht.

Noch eigenartiger ist ein Satz, den Thelesklaf laut Informationen von CH Media in die englische Version seines Mails schrieb. Der Satz fehlt in der deutschen Mail. Er lautet übersetzt: «Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass Emails an meine berufliche E-Mail-Adresse von Leuten ausserhalb der MROS gelesen werden könnten.»

Was ist mit «Leuten ausserhalb der MROS» gemeint? Eine andere Bundesstelle, seine Vorgesetzten im Fedpol, ausländische Hacker oder Geheimdienste? Dieser Warnhinweis, der sich offenbar also an ausländische Kontakte von Thelesklaf richtete, sorgte für beträchtliche Irritationen und Spekulationen. Er ist laut Beobachtern jedenfalls nicht dazu angetan, das Vertrauen in die Geldwäscherei-Meldestelle, ja in die Schweizer Institutionen zu stärken.

Thelesklaf: Fedpol darf nicht mitlesen

Hinter der Warnung steht offenbar einer der Punkte, um die es in den letzten Monaten Meinungsdifferenzen und Streit gab. Daniel Thelesklaf begründet seinen Hinweis auf Anfrage so: «Gemäss dem internationalen Standard muss eine Financial Intelligence Unit autonom und operativ unabhängig sein. Wenn die MROS also eine solche Financial Intelligence Unit sein möchte, dann muss gewährleistet sein, dass alle Informationen nur an die MROS gelangen und nicht an Dritte. Und eben auch nicht an die Behörde, an die die MROS angegliedert ist (fedpol).» Sonst bestehe die Gefahr, dass man «vom internationalen Netzwerk abgeschnitten wird und die Informationen an Dritte gelangen ohne dass dafür eine Zustimmung vorliegen» würde. Thelesklaf: «Dies wäre ein schwerer Reputationsschaden für die Schweiz, die bei der Bekämpfung der Geldwäscherei auf die internationale Zusammenarbeit angewiesen ist.»

Die Warnung ist also auf seine Oberbehörde gemünzt: «Fedpol is watching you».

Zu seinem anderen Hinweis, dem vorläufigen Abschied, sagt Thelesklaf: Er werde mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterhin in der Geldwäschereibekämpfung tätig sein und die Leute, die er angeschrieben habe, wieder sehen. Daher die Formulierung.

Fedpol: «Meinungsverschiedenheiten»

Cathy Maret, Informationschefin von Fedpol, bestätigt auf Anfrage, dass Thelesklaf selbst gekündigt hat. «Hintergrund sind Meinungsverschiedenheiten zwischen Herrn Thelesklaf und der Direktion von Fedpol über die administrative und personelle Führung der MROS sowie über die Umsetzung der Strategie.» Ad interim übernehme die Stellvertreterin von Thelesklaf, Gabriela Kolly, die Leitung der Meldestelle. Diese sei «voll operativ» und nehme ihre Tätigkeiten weiterhin wahr.

«Diese Woche konnten wir im Parlament einen wichtigen Erfolg verbuchen. Dank dem Engagement der Departementsvorsteherin des EJPD hat der Nationalrat der Revision des Geldwäschereigesetzes zugestimmt», heisst es bei Fedpol. «Diese Revision ist wichtig: Sie ermöglicht es MROS, Meldungen aus dem Ausland künftig noch effektiver zu bearbeiten und so den Kampf gegen die Geldwäscherei zu verstärken. Diese Änderung erfüllt einen wichtigen Punkt der MROS-Strategie.»

Mitstreiter von Bundesanwalt Lauber

Thelesklaf gilt als enger Freund von Bundesanwalt Michael Lauber, gegen den derzeit ein Amtsenthebungsverfahren des Bundesparlaments läuft. Stand 1999 war Thelesklaf bereits einmal Chef der Meldestelle für Geldwäscherei im EJPD. Sein Chef damals war Michael Lauber, der die Sektion Analyse leitete, zu der die Meldestelle gehörte. Später war das Duo gemeinsam im Fürstentum Liechtenstein aktiv.

Als Lauber letztes Jahr vom Bundesparlament als Bundesanwalt wiedergewählt wurde, twitterte Thelesklaf: «Mike Laubers Wiederwahl ist eine schlechte Nachricht für Geldwäscher und eine gute Nachricht für die Unabhängigkeit der Justiz».

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