Constantin Medien

FCB-Präsident Burgener besorgt sich Geld – beim Treuhänder eines russischen Oligarchen

Suleiman Kerimov (l.) hat Ambitionen im Fussball, Bernhard Burgener (r.) hat die Vermarktungsrechte.

Suleiman Kerimov (l.) hat Ambitionen im Fussball, Bernhard Burgener (r.) hat die Vermarktungsrechte.

FCB-Präsident Bernhard Burgener hat einen Geldgeber gefunden. Der Treuhänder Alexander Studhalter will rund 80 Millionen Franken investieren, damit Burgener seine Kontrahenten bei Constantin Medien auskaufen kann. Studhalter ist vor allem durch seinen Kunden bekannt geworden: Suleiman Kerimov, ein russischer Oligarch aus dem Kaukasus.

Über Wochen hat Bernhard Burgener angekündigt, ein Übernahmeangebot für die Constantin Medien machen zu wollen. Damit sollte ein zermürbender Machtkampf zu Ende gehen, den Burgener mit seinem Kontrahenten Dieter Hahn um die Vormacht im deutschen Medienkonzern austrägt. Nun hat der Medienunternehmer und FC-Basel-Präsident Burgener seinen Investor in der Person des Luzerners Alexander Studhalter präsentiert. Gemeinsam mit dessen erst im Juli formierten Studhalter Investment AG (SIAG) sollen die Eigentümerverhältnisse im mehrfach verschachtelten Konzern konsolidiert werden.

Der Treuhänder Studhalter ist vor allem bekannt durch seinen grossen Freund und Kunden: Suleiman Kerimov, russischer Oligarch mit einem Vermögen, das «Forbes» auf 6,3 Milliarden Dollar schätzt. Kerimov steckt aktuell in Schwierigkeiten. Vergangene Woche wurde er in Nizza verhaftet, weil er von den französischen Behörden der Steuerhinterziehung im grossen Stil beschuldigt wird. Nach Zahlung einer Kaution von fünf Millionen Euro steht Kerimov nun unter Hausarrest. Studhalter selbst wird von der Steuerbehörde bezichtigt, als Strohmann von Kerimov Villen in Südfrankreich gehalten zu haben. Für Kerimov wie für Studhalter gilt die Unschuldsvermutung.

Unbestritten ist allerdings: Der Ferrari, den Kerimov 2006 auf Nizzas Strassen in einen Baum setzte und demolierte, war mit Luzerner Kontrollschildern ausgestattet und auf Studhalter zugelassen.

Gemeinsame Interessen

Welche Rolle Kerimov bei Burgener spielt, ist derzeit unklar. Sie teilen zumindest Film und Fussball als gemeinsame Leidenschaften. Filmfreak Burgener beherrscht in seinem Imperium Highlight-Communications mit der Constantin Film die grösste deutsche Film- und Fernsehfabrik. Kerimov tat sich 2011 als Promoter des Zürcher Filmfestivals hervor, das er mit einer halben Million Franken sponserte. Es ist eines von vielen grosszügigen Engagements, das Kerimov seit 2007 über eine nach ihm benannten Schweizer Stiftung finanziert.

Die Stiftung ist in Luzern bei Studhalter domiziliert wie auch die Swiru Holding, die seit 20 Jahren als Kerimovs geschäftliche Drehscheibe gilt. Denn Kerimov gehört zur Gilde russischer Oligarchen, die von der Zentralschweiz aus agieren. Erst in diesem Sommer wurde eine Offshore-Gesellschaft aus Tortola (Virgin Islands) in die Luzerner Firma einfusioniert.

Alexander und sein Bruder Philipp Studhalter sind treue Statthalter. Dem zweiten drohte gar beinahe der Verlust seines Anwaltspatents, weil er 2010 einen Kerimov-Deal absegnete, bei dem 160 Millionen Dollar verschoben wurden. Aufgeflogen ist der undurchsichtige Handel, weil entsprechende Dokumente in den «Panama Papers» zu finden waren, wie die «SonntagsZeitung» herausfand.

Macht des runden Leders

Eine enge Bande spielt über den Fussball. So sind nicht nur Philipp Studhalter, Präsident des FC Luzern, und Burgener, Präsident des FC Basel, neue Kollegen im Komitee des Schweizerischen Fussballverbands. Auch Kerimov weiss um die Faszination und Macht des runden Leders.

Bereits 2004 zeigte Kerimov Bereitschaft, für 400 Millionen Euro die AS Roma zu kaufen. 2011 übernahm er dann den kaukasischen Verein Anzhi Makhachkala und investierte innerhalb von zwei Jahren 200 Millionen Dollar. Mit Weltklassespielern wie Roberto Carlos und Samuel Eto’o wollte er innerhalb von drei Jahren die Mannschaft auf Champions-League-Niveau bringen. Das Vorhaben scheiterte nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, nachdem Kerimov mit dem Düngemittelhersteller Uralkali in schwere Turbulenzen geraten war. Der Konzernchef wurde verhaftet, Weissrussland stellte gegen Kerimov gar einen Haftbefehl aus. Kerimov brauchte flüssige Mittel und verkaufte seine Starfussballer.

In Russlands Interesse

In Russland hat Kerimov nichts zu befürchten. Als Vertreter der Republik Dagestan gehört er seit 2008 dem Föderationsrat an und gilt als Putins Parteigänger und Gefolgsmann. Als er in Frankreich verhaftet wurde, folgte prompt eine diplomatische Note, weil Kerimov als Parlamentarier Immunität beanspruche. Auch Studhalters Engagement bei Burgener erhält dadurch eine politische Note: Schliesslich will sich Putins Russland mittels Fussball im besten Licht darstellen. Dazu dienen nicht nur die Fussballweltmeisterschaften, die im Sommer in Russland stattfinden. Das russische Staats-Lobbying zeigt sich mit Millioneneinsatz bei der Champions League: Einer der grossen Sponsoren ist dort der russische Energiekonzern Gazprom.

Damit schliesst sich der Kreis. Schliesslich liegt die Vermarktung der Uefa-Champions-League bei der Luzerner Firma Team Marketing, die wiederum zur Highlight-Gruppe von Burgener gehört. Zum einen: Wenn Studhalter/Kerimov helfen, dass Burgener im Machtkampf um die Constantin Medien obsiegt, gewinnen sie selbst direkten Einfluss auf den Vermarkter der Champions League. Zum anderen: Zu seinem Reichtum kam Kerimov, weil er zu einem Spottpreis Aktien der Gazprom erwerben konnte. Als er sie 2008 verkaufte, gehörte er zu den reichsten Männern der Welt.

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