Die Schweizer Bezahl-App Twint breitet sich weiter aus. Mit Bezahllösungen für Parkplätze, kleinere Läden, Märkte oder Verkäufe direkt ab dem Bauernhof will der Handy-Bezahldienst weiter wachsen. Laut Verwaltungsratspräsident Søren Mose ist das Ziel eine Marktabdeckung von über 90 Prozent.

Der mobile Bezahldienst Twint zählt nun 850'000 Nutzer. Diese können heute an über 50'000 Terminals sowie in Migros-, Coop- und Sparläden mit der Twint-App bezahlen. Auch die grössten Schweizer Onlineshops wie Digitec oder Ticketcorner akzeptieren Twint. Und die SBB dürfte noch in diesem Jahr mitziehen, sagte Mose in einem Interview mit der Westschweizer Wirtschaftszeitung «L'Agefi», das am Montag veröffentlicht wurde.

Fast 100 Prozent des helvetischen Bankensystems unterstützten die Anwendung bereits, sagte der Twint-Präsident weiter. Insgesamt bieten 65 Banken eine Twint-App an, darunter die UBS, Credit Suisse, Raiffeisen, Postfinance und die Zürcher (ZKB) sowie die Waadtländer Kantonalbank (BCV). Einige Finanzinstitute seien gerade dabei, Twint zu lancieren, sagte Mose. Welche das seien, könne er allerdings noch nicht verraten.

Twint will Bargelddomänen erobern

Eine breite Abdeckung ist für Twint die Voraussetzung dafür, weitere Nutzer zu gewinnen und mehr Transaktionen abzuwickeln. Denn nur, wenn die Leute überall mit Twint bezahlen könnten, gelinge es, die jetzigen Gewohnheiten zu ändern, sagte Mose. Neben Supermärkten oder im Internet müssten Kunden auch dort mit Twint bezahlen können, wo sie heute noch auf Bargeld angewiesen seien – wie etwa beim Parkieren.

Der Banker und Finanzspezialist hofft, dass sich Twint in den nächsten fünf Jahren als Standardlösung für jegliche Bezahltransaktionen in der Schweiz durchsetzt. Auch jenseits der Schweizer Grenzen soll der Dienst bis dann aktiv werden. Heute sind die Umsätze mit mobilen Bezahlapps in der Schweiz allerdings noch klein, wie Studien zeigen.

Im Rückstand gegenüber Skandinavien und Afrika

Global gesehen setzten sich die Handy-Bezahldienste vor allem in Regionen mit einer starken digitalen Infrastruktur und ohne Bargeldkultur durch, sagte Mose. So seien sie heute etwa in Skandinavien weitherum akzeptiert. Aber auch in manchen Regionen Afrikas sei die mobile Art zu bezahlen schon weit fortgeschritten. Denn Bezahlapps erlaubten es dort, Lücken bei der Finanzinfrastruktur zu schliessen.

In der Schweiz habe es zwar eine gute digitale Infrastruktur, doch sei die Bargeldkultur stark verankert. Dennoch zeigte sich der Twint-Präsident überzeugt, dass mobile Bezahllösungen wie Twint schliesslich zur bevorzugten Bezahlmöglichkeit avancieren werden.

Mose verglich die Entwicklung mobiler Bezahllösungen mit der Einführung der ersten Bankkarten. Deren Einführung sei je nach Land sehr unterschiedlich verlaufen. Heute könne sich aber niemand mehr eine Welt ohne Debit- oder Kreditkarten vorstellen.

Twint wurde vor vier Jahren gegründet. 2016 fusionierte der Dienst mit dem Konkurrenten Paymit. Seither gehört Twint den sechs grössten Schweizer Banken und der Finanzinfrastrukturbetreiberin Six. Im letzten Mai hat zudem die französische Gruppe Worldline angekündigt, sich mit 20 Prozent an dem Handybezahldienst zu beteiligen – ein Signal, dass Twint bald in weiteren Märkten in Erscheinung treten könnte.