Führungswechsel

Fall UBS: Noch nicht der Beginn einer neuen Ära

«Ruhen» verboten: UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger und der Interims-Konzernchef Sergio Ermotti.  KEY

«Ruhen» verboten: UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger und der Interims-Konzernchef Sergio Ermotti. KEY

Die Ernennung des 51-jährigen Sergio Ermotti zum «Group CEO ad interim» stellt keine Überraschung dar. Der Schweizer mit Luganeser Wurzeln (verheiratet, zwei Söhne) und ohne Parteibuch wurde Ende 2010 von Grübel an Bord der UBS geholt.

«Wir werden nicht ruhen»: So lautete die Werbebotschaft der UBS-Dachkampagne bis vor zehn Tagen – nach dem Auffliegen des Investmentbank-Zockers Kweku Adoboli stoppte die Bank alle Anzeigen und Spots bis auf weiteres.

Jetzt aber, im Licht der Entwicklung vom Wochenende, drängt es sich geradezu auf, jenen Slogan wieder aktiv zu schalten und ihn mit erster Priorität intern fest zu verankern. Fakt ist: Die grösste Bank im Land muss unter erschwerten Umständen den Abgang ihres Konzernchefs verkraften. Gewonnen ist mit Blick auf die ungelösten Hausaufgaben und anstehenden strategischen Herausforderungen noch nichts.

Für Oswald Grübel wurde der Grosse Preis von Singapur nicht mal mehr zu einem Trostpreis. Die UBS als Formel-1-Sponsor war gestern beim Autorennen im Stadtstaat – wo die Bank auch ihre Asien-Zentrale hat – nicht mehr mit den beiden Spitzenkräften des Konzerns präsent. Am Samstagmittag teilte der Verwaltungsrat der Belegschaft und den Medien mit, er habe Grübels Rücktrittsentscheidung angenommen.

Die Ernennung des 51-jährigen Sergio Ermotti zum «Group CEO ad interim» stellt keine Überraschung dar. Der Schweizer mit Luganeser Wurzeln (verheiratet, zwei Söhne) und ohne Parteibuch wurde Ende 2010 von Grübel an Bord der UBS geholt: Seit April 2011 ist Ermotti für das Geschäft in Europa, im Mittleren Osten und in Afrika verantwortlich. Zuvor hatte er sich bei der Unicredit Bank (2005–2010) als Investmentbanker profiliert. Zuvor war der Bankfachexperte und Oxford-Absolvent in verschiedenen Funktionen für Merrill Lynch tätig.

Weshalb nur «ad interim»?

Dem von der UBS deklarierten «Führungswechsel» fehlt mit Blick auf den «Neuen» der definitive Charakter. Drei, vier Monate könnte der interne und externe Evaluationsprozess noch dauern, ergänzte VR-Präsident Kaspar Villiger. Für den aussen-stehenden Beobachter ist jedenfalls nur schwer vorstellbar, dass der Verwaltungsrat in drei, vier Monaten eine Konzernchef-Alternative präsentieren könnte, ohne damit einen Abgang Ermottis zu riskieren. Pro memoria: Die Tage von Villiger in der Charge des Präsidenten sind gezählt. Der frühere deutsche Bundesbankchef Axel Weber soll im Frühjahr 2012 in den UBS-Verwaltungsrat gewählt werden, um ein Jahr später das Präsidium zu übernehmen.

Kein Umbau, aber Korrekturen

Ermotti werde «an der Umsetzung der Strategieanpassung» weiterarbeiten, kündigte Villiger an. Ein eigentlicher Umbau der Bank, wie von Politikern nach dem milliardenschweren Handelsverlust gefordert, ist kein Thema. Die so genannte integrierte Strategie mit dem Investmentbanking als einem von drei Pfeilern wurde vom Verwaltungsrat «erneut bestätigt». Villiger skizzierte die Korrekturen wie folgt: «In Zukunft wird die Investmentbank weniger komplex sein, weniger Risiken eingehen und weniger Kapital beanspruchen, um zuverlässige Erträge zu generieren und einen optimalen Beitrag zu den Gesamtzielen der UBS zu leisten.»

Wie lange hält sich Kengeter?

Mitte November, im Rahmen der nächsten UBS-Investorenkonferenz, dürfte die Bankspitze insbesondere zu den Korrekturen im Investmentbanking konkreter werden. Voraussichtlich in zwei Wochen sollte der Bericht jenes VR-Ausschusses vorliegen, der sich mit dem Londoner Zocker-Fall beschäftigt und der ebenfalls Korrekturen wird präsentieren müssen. Dass Oswald Grübel als Konzernchef die mehr als nur dubiosen Londoner Deals letztlich zu verantworten hatte, erscheint logisch. Weshalb aber der zuständige «Fachoffizier», Investmentbank-Chef Carsten Kengeter, anders als Grübel Teil der Lösung sein soll, erscheint ungleich weniger folgerichtig. Kaspar Villiger attestierte Kengeter, er und sein Team hätten bei der Aufarbeitung der Vorkommnisse «einen exzellenten Job» gemacht.

Verwaltungsrat und Konzernleitung hielten in einem Memo zuhanden des Personals fest, der Vorfall sei «gravierend», aber es gebe keinen Grund, weshalb das Kerngeschäft darunter leiden sollte. Finanziell stehe die UBS «auf felsenfester Basis».

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1