Von Nadja Pastega

Mit geklauten Fotos, gefälschten Profilen und gezielten Diffamierungen stellen Schüler missliebige Lehrer an den Facebook-Pranger. In mehreren Kantonen sind Schulen von diesem Cybermobbing betroffen. Jetzt wehren sich Schulverantwortliche gegen den Facebook-Terror - mit einem harten Massnahmenpaket. Das zeigt eine Umfrage.

In Hochdorf LU hat die Schulleitung im Februar neue Datenschutzrichtlinien für alle 1200 Schüler in Kraft gesetzt. Das Regelwerk verbietet das missbräuchliche Versenden von Bildern und Texten - unter Androhung von drastischen Sanktionen. Wörtlich heisst es in den Richtlinien: «Bei begründetem Verdacht wird Strafanzeige bei der zuständigen Behörde erstattet.» Neu müssen die Eltern eine vertragliche Vereinbarung unterzeichnen. Damit verpflichten sie sich, dass die Datenschutzrichtlinien eingehalten werden. Mit automatisierten Kontrollen werden die Schulcomputer zudem laufend überwacht. «Wir tolerieren in keiner Art und Weise die Verleumdung unserer Lehrpersonen», sagt Werner Ottiger, Rektor der Schulen in Hochdorf: «Jeder Fall von Internet-Mobbing führt zu einer Strafanzeige.»

Auch in der Nachbargemeinde Kriens LU greifen die Schulverantwortlichen gegen das digitale Lehrer-Bashing durch - notfalls mit juristischen Mitteln. In einem Fall von üblem Cybermobbing wurde Strafanzeige eingereicht.

Im Kanton Zürich wurden ebenfalls Schulverantwortliche aktiv: Die Kantonsschule Enge hat ihren internen «Verhaltenskodex» mit einem Verbot von Cybermobbing ergänzt. Der Kodex hält fest: «Verunglimpfungen und abwertende Darstellungen von Angehörigen der Schule im Internet sind untersagt.»

Gleich mehrere Fälle von digitalem Lehrer-Bashing verzeichnen die Schulen im Kanton Freiburg. Bei einem besonders gravierenden Fall wurde ein Schuldirektor auf Facebook mit persönlichkeitsverletzenden Beschimpfungen eingedeckt. Er hat Strafanzeige eingereicht - auf Empfehlung der Bildungsdirektion.

«Bei Cybermobbing müssen die Schulen konsequent einschreiten und durchgreifen, bis hin zu Strafanzeigen», sagt Isabelle Chassot, Bildungsdirektorin im Kanton Freiburg und Präsidentin der Eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonfernz (EDK). Die Jugendlichen seien sich oft nicht ewusst, dass ihre Äusserungen im Internet nicht «virtuell» seien: «In gravierenden Fällen kann es sich um Persönlichkeitsverletzungen handeln, die strafbar sind.» Jetzt müsse man den Jugendlichen zeigen, wo die Grenzen liegen: «Es braucht klare Regeln», fordert die oberste Bildungsdirektorin der Schweiz.

Das Facebook boomt - und ein Ende ist nicht in Sicht. Allein bis März verzeichnete das soziale Netzwerk in der Schweiz 2,1 Millionen Nutzer mit aktiven Profilen. Das entspricht einer Zunahme von 18 Prozent seit Anfang Jahr.