Facebook
Facebook als Gratis-Werbeplattform - für Schweizer Firmen die Realität

Facebook. Für Schweizer Firmen ein regelrechtes Werbe- und Marketing-Eldorado. «a-z.ch» zeigt, wie die Grosskonzerne die Social Media Plattformen für ihre Zwecke nutzen - ihren Kunden aber nicht wirklich Mehrwert bieten.

Vasilije Mustur
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Mehr als ein Drittel der gesamten Internetgemeinde surft auf Facebook

Mehr als ein Drittel der gesamten Internetgemeinde surft auf Facebook

Keystone

Die Facebook-Gemeinde nimmt stetig zu. Inzwischen zählt die Social Media Plattform über 400 Millionen Freunde (siehe Box). Jetzt zeigt sich, dass auch Schweizer Firmen einen Weg gefunden haben, von diesem Trend zu profitieren. Sie sind dazu übergegangen, die Social Media Plattformen als Werbe- und Marketing-Eldorado zu nutzen.

Letzten Dezember ist die Migros auf den Facebook-Zug aufgesprungen und gründete seine eigene Fangruppe. Zur Bewirtschaftung der hauseigenen Gruppe mit 7400 Freunden stellt der orange Riese zwei Mitarbeiter ab. Im Gespräch mit «a-z.ch» macht die Migros aus seiner neuen Marketingstrategie denn auch keinen Hehl. «Es geht primär darum, sowohl im Marketing als auch in der Kommunikation die Social Medias nicht zu vernachlässigen. Viele unserer Kunden kommunizieren im Web 2.0 - da wollen wir auch dabei sein», erklärt Migros-Sprecher Urs Peter Naef.

Gratiswerbung für die Migros

In der Tat: Kaum loggt sich der User auf der Migros-Facebook-Seite ein, wird dieser damit konfrontiert, dass sich der grösste Detailhändler als beste Firma der Schweiz darstellt. «Die Migros ist ein klein wenig anders als die meisten anderen Unternehmen in der Schweiz: Sie ist grösser, vielseitiger, anders orientiert und sie ist ein wichtiger Teil der schweizerischen Gesellschaft». Ausserdem informiert die Migros neben der offensiven Marketingstrategie über die neusten Produktanpassungen. Für den Grossverteiler eine willkommene und inzwischen unverzichtbare Gratiswerbung.

Werbung ja, aber einkaufen auf keinen Fall

Inzwischen scheint die Marketingstrategie der Migros auf Facebook so erfolgreich zu sein, dass der orange Riese seine Präsenz auf den Internet-Plattformen ausbauen will. Dies bestätigt ein Migros-Sprecher im Gespräch mit «a-z.ch». Zur Expansion gehört auch der Einstieg auf dem Kurzmitteilungsportal «Twitter». Trotz all dieser Massnahmen ist das Fazit enttäuschend, denn etwas erlaubt die Migros seinen Freunden und Kunden auf Facebook nicht: Einkaufen. Das muss der Konsument auf der regulären Homepage der Migros tun.

Swisscom hat 15 000 Freunde

Neben der Migros ist auch der Telekommunikationskonzern Swisscom schon seit längerer Zeit auf Facebook aktiv und überlässt dort nichts dem Zufall. «Im Frühling 2008 eröffneten wir den ersten Facebook-Account», sagt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze. Inzwischen zählt dieser 15 000 Freunde.

Heute sind von der Swisscom mehrere Facebook-Gruppen in Betrieb. «Nicht alle Gruppen wurden ursprünglich von uns gegründet, sondern vereinzelt auch von Swisscom-Mitarbeitenden, die aber die Administration an uns übergeben haben», sagt Schulze.

So gross ist die Facebook-Gemeinde

Facebook ist eine Website zur Bildung und vor allem zu Unterhaltungszwecken. Inhaber und Gründer der Firma ist Mark Zuckerberg. Ursprünglich war die Plattform nur für die Studenten der Hardvard-Universität gedacht. Später wurde die Website für Studenten in den USA freigegeben. Im Herbst 2006 konnten sich Studenten aus dem Ausland ihr Facebook-Account eröffnen. Heute zählt die Facebook-Gemeinde laut Zuckerberg weltweit 400 Millionen User - davon kommen 2,1 Millionen aus der Schweiz.

Betreut werden diese Gruppen von einem Projektteam, welches die Swisscom zusammengestellt hat. «Das Team besteht aus Mitarbeitenden aus den verschiedensten Bereichen. Diese Arbeitsgruppe stellt sicher, dass ein Erfahrungsaustausch stattfindet und das Vorgehen auf diesen Plattformen einheitlich erfolgt», erklärt Schulze. Zudem hat Swisscom auch auf Twitter seinen eigenen Kanal und veröffentlicht sogar einen eigenen Blog, welcher 2006 gegründet wurde.

Swisscom will nichts von Werbemassnahmen wissen

Das Problem: Die Swisscom belässt es nicht nur bei der Bewirtschaftung der eigenen Facebook-Seite. «Wir beobachten zudem die unterschiedlichsten Gruppen. Kritik aber auch Lob, die in diesen Gruppen geäussert werden, nehmen wir auf, da sie einen interessanten Indikator darstellen, wie unser Unternehmen und unsere Produkte bei den Kunden wahrgenommen werden», sagt Schulze.

Trotz dieser massiven Aktivität von Swisscom im Internet dementiert sie vehement, dass es sich um Werbe- und Marketingmassnahmen handle. Vielmehr begründet die Swisscom ihr Engagement damit, im Internet den Austausch mit ihren Kunden zu vertiefen. «Für die Swisscom ist die Nähe zum Kunden ein wesentlicher Treiber in der Kommunikation. Daher ist es für uns wichtig, auch auf Facebook und co. präsent zu sein», sagt Schulze.

Trotzdem: Ein Blick auf die Facebook-Seite von Swisscom zeigt: Der Telekommunikationskonzern lobbyiert kräftig in eigener Sache. Derzeit macht der Konzern auf das Thema Open-Air-Konzerte und Festivals aufmerksam. Und letztes Jahr standen die Schweizer Skirennfahrer im Fokus. Bei beiden Themen ist Swisscom als Werbepartner die treibende Kraft.

Hotel buchen über Facebook

Einen Schritt weiter als Migros und Swisscom ist indes die Marketingorganisation Swiss Premium Hotels. Diese bewirtschaftet seit einem Jahr ihren eigenen Facebook-Account mit einem 50 Prozent-Pensum.

Ziel der Präsenz auf Facebook sei es, den Hotels eine Plattform zu bieten, den Bekanntheits- und Verbreitungsgrad zu erhöhen. Damit ist Geschäftsführerin Wanda Meyer aber noch nicht zufrieden. «Zur Zeit klären wir verschiedene Modelle ab - zum Beispiel die gesamte Bewirtschaftung an eine Agentur zu vergeben».

In diesem Zusammenhang erwartet Meyer nächste Woche entsprechende Offerten. Konkret bedeutet dies, dass Swiss Premium Hotels die Mehrheit seines Marketingbudgets in Richtung Social Media verlagern will. Der Grund: Der Wirkungsgrad ist im Vergleich zum konventionellen Marketing um ein vielfaches höher.

Bereits heute können die Kunden mit Hilfe des iPhone Hotelzimmer über Swiss Premium Hotels buchen. ««Wir haben ein eigenes iPhone App entwickeln lassen, welches seit Dezember 2009 über AppleStore heruntergeladen werden kann. Unser Iphone App wird ein Update erhalten».

Darüber hinaus Auch wird Swiss Premium Hotels so bald wie möglich ein Online-Buchungssystem in Facebook integrieren, um so einen weiteren Verkaufskanal zu bieten. Und: «Mit der Lancierung des iPads planen wir, auch ein App für das iPad zu entwickeln». Facebook als Werbeplattform und keinen stört es. Es lebe das Internet-Eldorado.

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