Nicht nur Giganten wie Roche, UBS oder Nestlé sind im Ausland tätig, sondern auch kleinere und mittelgrosse Schweizer Unternehmen suchen im Ausland neue Absatzchancen. Switzerland Global Enterprise (SGE) unterstützt im Auftrag des Bundes diese Firmen und macht im Ausland Werbung für den Werkplatz Schweiz. Daniel Küng, Chef der SGE, sieht bei den KMU im Ausland einen Aufwärtstrend, der auch 2018 weitergehen soll.

Herr Küng, wie läuft es den Schweizer KMU im Ausland?

Daniel Küng: Grundsätzlich kann man sagen, dass es der Schweizer Exportindustrie besser geht als vor einem Jahr. Und noch besser als vor zwei Jahren.

Warum?

Das hat einerseits damit zu tun, dass sich in unseren Hauptabsatzmärkten mehr Nachfrage zeigt. Andererseits hat es auch damit zu tun, dass sich die Frankensituation deutlich entschärft hat. Vor allem im letzten Jahr. Das macht es für die Firmen einfacher, im internationalen Preiswettbewerb zu bestehen.

Welche Branchen waren 2017 am erfolgreichsten im Ausland?

Pharma, Medtech und die Lifescience-Branche waren stark in der Exportstatistik.

Wer wird dieses Jahr obenaus schwingen?

Wenn wir unsere Kunden fragen, dann sehen wir in allen Branchen positive Anzeichen. Sogar die Metall- und Maschinenindustrie wächst wieder. Der Ausblick für 2018 ist daher gut. Das Schöne ist, dass nicht nur wir das Gefühl haben, dass es gut läuft, sondern auch die KMU selber. Das ist wichtig, denn nur so fangen die Firmen an zu investieren, Mitarbeiter einzustellen.

Was erwartet die KMU im Ausland 2018 sonst noch?

Es sieht danach aus, dass es ihnen auch 2018 besser gehen wird. Wir hatten schon ein wenig einen Stau, vor allem wegen des hohen Schweizer Frankens.

Was meinen Sie mit Stau?

Unternehmen haben sich nicht in neue Märkte vorgewagt, weil sie sich gesagt haben, dass ihre Margen zu gering sind. Viele Firmen waren etwas zurückhaltender in den letzten zwei Jahren. Aber seit man sieht, dass die Weltwirtschaft generell wächst, ist es anders. Jetzt ist sicher der Zeitpunkt, an dem viele dieser Firmen wieder investieren wollen.

Das heisst, der Frankenschock ist überwunden?

Er ist insofern überwunden, dass er nicht mehr wehtut. Aber viele Firmen haben Altlasten, die sie mittragen. Denen sind Margen weggebrochen. Und die Margen werden gebraucht, um zu investieren, etwa auch in Innovation. Den Firmen geht es zwar wieder besser, aber sie leiden, weil sie immer noch einen Innovationsstau haben.

Weil sie die Innovation nicht zahlen können. Sind sie deshalb ins Hintertreffen geraten?

Nein, das denke ich nicht. Wenn es aber noch zwei Jahre weitergegangen wäre mit dem Eurokurs, dann wäre es schwierig geworden. Es ist jedoch bereits jetzt nicht einfach für die Firmen. Zudem ist nicht alles überwunden: Die Eigenkapitalpolster sind nicht so gut, wie sie 2007 und 2008 waren.

Neben den KMU, die in andere Märkte expandieren, gibt es auch solche, die Arbeitsplätze von der Schweiz ins Ausland verlagern.

Firmen, welche verlagern, um ihre im Ausland produzierten Güter in der Schweiz wieder günstiger zu verkaufen, sind eine verschwindend kleine Minderheit. Hingegen gibt es viele Firmen, die sagen: «Wir expandieren nach China und wollen den letzten Schritt der Produktion dort machen.» Damit sind sie näher am Markt und können mehr verkaufen. Wenn das gelingt, kommt das auch dem Firmenteil in der Schweiz zugute. Meist wachsen die Firmen in der Schweiz, wenn sie im Ausland erfolgreich sind.

Also kein Problem, wenn Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden?

Natürlich wollen wir keinen Arbeitsplatz verlieren, den man nicht muss. Wir haben jedoch in der Schweiz weiterhin eine Arbeitslosenquote von nur gerade 3 Prozent. Das sagt eigentlich alles. Es kommen ja auch neue Firmen in die Schweiz.

Es kommen zwar neue Firmen in die Schweiz, aber weniger als auch schon?

Seit 2006 geht es eher abwärts. Diverse politische Initiativen wie zum Beispiel die Abzocker-Initiative, die Masseneinwanderungsinitiative oder die Mindestlohninitiative haben eine gewisse Unsicherheit bei Investoren geschaffen, und der internationale Wettbewerb um gute Firmen ist stark angestiegen. Die Kurve ist nun abgeflacht, und wir erwarten, dass der Wendepunkt erreicht ist. 2017 und 2016 bezeichne ich als Jahre der Bodenbildung. Wir sind zu lange negativ in Zeitungen der Welt erwähnt worden, dass andere punkten konnten.

Das ist nun endgültig vorbei?

Ja, wir haben in der Zwischenzeit weitgehend aufgeräumt. Nun zwingt die OECD auch andere dazu, aufzuräumen. Und die Schweiz ist wieder in der Poleposition. Ich würde mir erhoffen, dass 2018 wieder Wachstum bringt, wieder mehr Firmen in die Schweiz kommen und vor allem durch ausländische Firmen mehr Arbeitsplätze in der Schweiz geschaffen werden. Aber das ist sehr schwer vorauszusagen, denn wir leben in volatilen Zeiten. Uns muss deshalb daran gelegen sein, unabhängig von äusseren Geschehnissen, ein zuverlässiger und vorhersehbarer Standort zu sein.

Inwiefern haben sich die Absatzmärkte für die exportierenden KMU verändert?

Die EU ist weiterhin der wichtigste Markt, und innerhalb der EU ist es Deutschland. Daneben bleiben die USA ein wichtiger Exportmarkt. Der asiatische Raum wird zudem noch wichtiger.

Warum geht ein KMU überhaupt ins Ausland?

Weil der schweizerische Markt in seiner Grösse beschränkt ist. Die einen sind bereits in den nahen Exportmärkten präsent und wollen einen Schritt weiter gehen. Dann gibt es Firmen, die speziell Wachstumsmärkte suchen, etwa Indien. Die haben einfach gesehen, dass die Post abgeht. Und wenn man an Trends wie «rising middle class» denkt, dann wird klar, wieso Firmen in neue Märkte drängen. Heute werden 2,5 Milliarden Menschen gemäss Weltbankdefinition der Mittelschicht zugeordnet. Bis in 15 Jahren wird sich die Anzahl verdoppeln.

Wo findet diese Entwicklung statt?

Der grösste Teil findet in Asien statt. Dazu noch ein wenig in Afrika und in Lateinamerika. Der Konsum verschiebt sich langsam in den Osten, nachdem sich bereits die Produktion von West nach Ost verschoben hat. Und wenn Firmen in Zukunft eine Rolle spielen wollen, dann muss man jetzt anfangen, sich in Asien zu positionieren.

Warum sollte man als KMU noch ins Ausland gehen?

Einige Firmen wollen ihr Risiko diversifizieren. Viele sind sehr stark eurolastig unterwegs. Wenn irgendwann wieder eine Verwerfung kommt, zum Beispiel aufgrund der Regierungsbildung in Deutschland oder der Situation in Spanien, und der Euro absackt, dann gibt es wiederum eine Flucht in den Schweizer Franken.

Dann gehen Sie davon aus, dass Asien kein Risiko ist für die KMU?

Ein Auslandsvorhaben hat immer seine Risiken. Einige Länder sind risikoreicher als andere. Wenn man heute in Myanmar, Pakistan oder Kambodscha investiert, dann stellt das sicher eine grössere Herausforderung dar, als wenn man in Singapur, Malaysia oder in Hongkong dasselbe tut. Und dann gibt es noch die ganzen Schattierungen dazwischen.

Asien hat sich also etabliert?

Generell gesagt: Ja. Vor zehn Jahren gingen fast 65 Prozent unserer Exporte in die EU. Heute sind es noch 54 Prozent. Gleichzeitig sieht man, dass der Exportanteil nach Asien von etwa 17 Prozent auf zirka 24 Prozent angewachsen ist. Vor zehn Jahren hat man vor Asien noch viel mehr Angst gehabt, die Unsicherheit war deutlich grösser. Heute muss man sich vielmehr mit der Realität befassen, dass dort ein künftiges Powerhouse entsteht, das immer solider wird.

Der Diversifizierungstrend geht Ihrer Meinung nach weiter?

Ja. Ich würde mir erhoffen, dass die Schweizer KMU bald so diversifiziert sind, dass die Exporte in den Euroraum höchstens bei 50 Prozent liegen. Das heisst nicht, raus aus Europa, sondern zusätzlich neue Märkte erschliessen.