Strom

Existenzängste wegen horrender Strompreise

Darauf will niemand verichten: Der Strom ist für die Firmen teurer geworden, das passt nicht allen (sha)

Stromgeneratoren

Darauf will niemand verichten: Der Strom ist für die Firmen teurer geworden, das passt nicht allen (sha)

Die Fricktaler Firmen sind entsetzt. Die Elektra-Genossenschaften hätten den Strompreis für Firmen bis zu 70 Prozent aufgeschlagen. Die Elektra dementiert. Trotzdem machen sich Existenzängste breit – es könnte bei vielen das Aus bedeuten.

Silvan Hartmann

600 Franken muss der Pächter und Wirt Geri Keller vom Gasthof Bären in Hottwil für die Stromrechnung mehr bezahlen - pro Monat. Rechnet man ein Menü von 20 Franken, so muss der Wirt eines pro Tag nur zulasten der Strompreiserhöhung verkaufen. «Es ist unglaublich, was da abgeht», sagte Geri Keller genervt an der GV und fügte vor den Genossenschaftern an: «Damit wird einfach das aktive Kleingewerbe kaputt- gemacht. Das wird eine Frage der Existenz.»

Schwierigkeiten macht für Keller auch der Standort des «Bären», da das Restaurant in Hottwil in einem 470 Jahre alten Haus stationiert ist. So mussten während 25 Jahren für Reperaturen und Werterhaltung jährlich 10 000 bis 15 000 Franken ausgegeben werden. Nun steht mit einem Grossprojekt die nächste Finanzierung an - mit einem Budget über 100 000 Franken. Kein Wunder also, lässt Keller die Strompreiserhöhung von rund 70 Prozent nicht auf sich sitzen: «Ich werde mich mit allen Mitteln dagegen wehren», betont er.

Die Erhöhung beim Restaurant Bären sei nicht nur aufgrund des Strompreises, sondern auch wegen einer Fehlerbehebung der Elektra Mettauertal, wehrt sich Urs Ipser, Betriebsleiter der Elektra Mettauertal (EMU). Vor vier Jahren wurde der «Bären» einer ersten grossen Sanierungsetappe unterzogen. Seitdem wird das Restaurant bei der EMU als Gewerbe-Kunde abgerechnet. Auch hätte der Faktor, der zum Berechnen der Kilowattstunden nötig ist, erhöht werden müssen.

Im vergangenen Dezember hatte die EMU gemerkt, dass drei Jahre lang mit dem alten Faktor weitergerechnet wurde. Der «Bären» musste während dieser Zeit weniger bezahlen. Jetzt wurde es angepasst. Das letzte Jahr wird deshalb nochmals abgerechnet - mit dem neuen Faktor. «Das ist der Grund, weshalb Herr Keller dieses Mal mehr bezahlt als üblich. Von 70 Prozent Erhöhung zu reden, ist falsch», sagt Ipser.

Ebenfalls eine Erhöhung in beachtlicher Höhe muss wohl die Bäckerei Weber in Wil in Kauf nehmen. Bisher hatte das Klein-Unternehmen 12 000 Franken Stromkosten. Betriebsleiter Lukas Weber schätzt, dass er zukünftig rund 20 000 Franken für den Strom bezahlen muss. «Entweder man schluckt es oder man wehrt sich», sagt er. Ihm bleibe ohnehin nichts anderes übrig, als das Ganze zu akzeptieren.

Ein Preisaufschlag bei seinen Produkten kommt für Weber nicht infrage. Sie seien glücklicherweise gut genug gerüstet, um die neuen Strompreise hinnehmen zu können, sagt er. Doch nicht nur das Kleingewerbe muss tiefer in die Taschen greifen. So hat zum Beispiel die Grenacher Metall AG eine Strompreis-Erhöhung von rund 20 Prozent zu beklagen, wie Rosemarie Bürgin, Seniorchefin der Grenacher Metall AG, bestätigt.

Bisher gab das Metallwarengeschäft rund 40 000 Franken pro Jahr für Strom aus. Nach den neusten Berechnungen müsste die Etzger Firma also zusätzlich 8000 Franken berappen - vor allem zur heutigen Zeit kein einfaches Sackgeld.

Info-Abend nicht ernst genommen

Im September letzten Jahres organisierte die Elektra Mettauertal und Umgebung einen Info-Abend, bei dem sie die Gewerbler über die Preiserhöhungen orientierten. Über 20 Personen waren eingeladen, erschienen waren 4. «Ich hatte mich wirklich für das Gewerbe geschämt», sagt Rosemarie Bürgin, die eine der 4 Anwesenden war. Sie vermutet, dass das Problem vom Gewerbe schlicht unterschätzt und nicht ernst genommen wurde.

Trotzdem glaubt Bürgin nicht, dass eine Gegenwehr von 20 Gewerblern an diesem Abend etwas genützt hätte. «Der Entscheid der Strommarkt-Liberalisierung ist viel zu weit oben gefällt worden. Gegen den Entscheid des Bundesrates reichen 20 Personen nicht.»

Elektra Mettauertal dementiert

Urs Ipser, Betriebsleiter der Elektra Mettauertal und Umgebung, versteht zwar das Anliegen der Gewerbler, trotzdem sei ihm überhaupt nicht klar, wie seine Kunden auf 20 Prozent Erhöhung kämen. «Mir ist bewusst, dass es eine sehr schwierige Materie ist.

Vielen ist wohl nicht klar, wie man die Rechnung richtig liest und wie korrekt berechnet wird», sagt Ipser und fügt hinzu: «Fakt ist, dass wir eine Erhöhung von durchschnittlich 7,8 Prozent aller Tarife gegenüber dem letzten Jahr haben. Dazu kommen Abgaben, die wir nicht steuern können. Diese belaufen sich auf etwa einen zusätzlichen Rappen pro Kilowattstunde.»

In den nächsten Tagen versendet Ipser die Rechnungen. Er wird auch ein Info-Schreiben beilegen, das ein Verstehen der Rechnung erleichtern soll. Auch wird die EMU in den nächsten Tagen auf der Homepage Berechnungsbeispiele veröffentlichen. Gut möglich, dass die Gewerbler dann auch die Elektra verstehen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1