Paulo Roberto Costa vertraute sich demnach zu Wochenbeginn der Polizei an und vereinbarte im Gegenzug für das Geständnis eine Minderung seiner 30-jährigen Haftstrafe.

Laut der Zeitung "Folha de Sao Paulo" belastete der langjährige Vertriebs- und Raffineriedirektor inmitten der heissen Wahlkampfphase insgesamt 49 Abgeordnete, zwölf Senatoren und einen Gouverneur der drei stimmenstärksten Parteien im Nationalparlament.

"Jeden Tag klopfte ein Politiker bei mir an die Tür", soll Costa den Beamten gesagt haben. Während seiner Amtszeit von 2004 bis 2012 hätten die Staatsbediensteten für jeden abgeschlossenen Vertrag von Petrobras drei Prozent Provision bekommen.

Um die Schmiergeld-Zahlungen zu vertuschen, seien zahllose Subgesellschaften innerhalb des Konzerns gegründet worden - und zwar quer durch alle Geschäftszweige. Costas Zeugenaussage liegt den Medienberichten zufolge nun beim obersten Gerichtshof Brasiliens, der über eine mögliche Haftminderung entscheiden soll.

Mehrere Parteien betroffen

Seine Anschuldigungen betreffen laut "Folha de Sao Paulo" neben Politikern der linken Arbeiterpartei von Präsidentin Dilma Rousseff auch Mandatsträger in den Reihen ihres wichtigsten Koalitionspartners, der Mitte-Rechts-Partei PMDB, sowie der Fortschrittspartei.

Die Zeitung "Estado de Sao Paulo" berichtete gar über die Verwicklung von fünf nicht näher identifizierten Parteien. Namen der mutmasslich korrupten Politiker veröffentlichten die brasilianischen Medien aber nicht.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, dürften sie vor allem dem Lager von Rousseff schaden, da der brasilianische Staat erheblichen Einfluss auf die Firmenleitung von Petrobras hat. Profitieren könnte hingegen die mit dem Reformversprechen einer "neuen Politik" antretende Präsidentschaftskandidatin Marina Silva.

Am 5. Oktober ist in Brasilien Superwahltag: Dann bestimmt das Volk über die Zukunft Rousseffs, zudem wird das Parlament neu gewählt und ein Teil der Senatsmandate neu besetzt.