Seit Mitte Januar hat Bertrand Jungo viel Zeit. Der Warenhauskonzern Manor hatte sich per sofort von seinem CEO getrennt. Dabei hatte Jungo noch kurz zuvor der Aktionärsfamilie Maus ein Programm abgerungen, bis ins Jahr 2020 eine halbe Milliarde Franken in die Dynamisierung und Digitalisierung des Unternehmens zu investieren. Jungo ist mit dem Detailhandel aufgewachsen. Seit 2003 stand er in Diensten von Manor, die letzten elf Jahre leitete er den Konzern. Manor ohne Jungo war schwierig sich vorzustellen; Jungo ohne Manor noch schwieriger.

Dem gesellschaftlichen Leben ist Jungo (51) trotz dem abrupten Ausscheiden erhalten geblieben. Als Ringier im Februar in Basel zur grossen Arthur-Cohn-Gala geladen hatte, war er ebenso zu Stelle wie bei Ringiers Manager-Veranstaltung «The Talk» im März. Nun hat Marc Walder, Konzernchef von Ringier sowie Verwaltungsratspräsident der Vermarktungsgesellschaft Admeira, Jungo als dessen neuen Konzernleiter vorgestellt. Stellenantritt ist der 1. September. Walder wird in der Medienmitteilung zitiert mit den Worten: «Mit Jungo ist es uns gelungen, einen erfahrenen Schweizer Top-Manager für Admeira zu gewinnen.»

Nicht im Mediennetz verbandelt

Die Unternehmensspitze der gemeinsamen Gesellschaft von Ringier, SRG und Swisscom ist seit April dieses Jahres verwaist. Peter Schneider hatte sein Amt nur ein Jahr nach der Lancierung aus persönlichen Gründen per sofort niedergelegt. Schneider war seit 2003 Direktor der SRG-Tochter Publisuisse und stand als Admeira-Chef deshalb im Verdacht, wenig Affinität für die Vermarktung der Printtitel aufzubringen, die Ringier in das Joint Venture einbrachte. Einem solchen Verdacht ist Jungo nicht ausgesetzt. Er betritt das Feld der Medienvermarktung als Branchenfremder. Der Nachteil des Neulings ist ihm deshalb der Vorteil, nicht im Filz der Medienmanager verhangen zu sein. Es ist nicht sein einziger.

Vorteile und Fragezeichen

Jungo ist ein Romand, der die vergangenen zehn Jahre in Basel gelebt hat und deshalb in beiden Sprachwelten zu Hause ist. Da Admeira nicht nur ein wirtschaftliches Unternehmen ist, sondern ebenso ein politisches Streitobjekt, hilft jede Stimme, die er in der Westschweiz gewinnen kann.

Der dritte Vorteil von Jungo: Als Konzernchef von Manor gehörte er zu den grossen Werbeauftraggebern der Schweiz. Wenn er bei seinen ehemaligen Kollegen Sympathien für die Vermarktungsplattform wecken kann, dann hat sich seine Akquisition bereits gelohnt.

Einen gezielten Leistungsausweis hat Jungo allerdings nicht vorzuweisen. Bei Manor ist er gescheitert, im Transformationsprozess für den Detailhandel rasch genug tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Doch genau diese Aufgabe steht nun auch bei Admeira an. Da die strategischen Weichen aber ohnehin direkt bei den Aktionären Swisscom, SRG und Ringier gestellt werden, hilft auch ein CEO, der sich gekonnt auf dem gesellschaftlichen Parkett bewegt.