Zug

Ex-Mafia-Jäger im Dienst von Oligarchen

Anwalt Hans Baumgartner und Oligarch Dmitri Firtasch.

Anwalt Hans Baumgartner und Oligarch Dmitri Firtasch.

Die Kanzlei des einstigen Bezirksanwalts Hans Baumgartner ist Anlaufstelle für Gläubiger von Rosukrenergo.

Wer sich in den Sumpf wagt, muss aufpassen, sich nicht schmutzig zu machen. Keiner weiss dies besser als Hans Baumgartner (60). Der Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei Baumgartner Mächler in Zürich ermittelte einst als Bezirksanwalt gegen Mafiosi. Heute arbeitet er auch für russische und ukrainische Oligarchen.

Schlagzeilenträchtige Mandate

Das Geschäft von Anwälten mit russischen Klienten sei zurückgegangen, sagt Baumgartner: «Es ist jetzt nicht die Zeit der juristischen Auseinandersetzungen. Die werden kommen, wenn sich die politischen und militärischen Auseinandersetzungen beruhigt haben.» Mandate für russische Kunden sollen heute noch höchstens zehn Prozent der Tätigkeit der Kanzlei ausmachen. Früher sollen es 25 Prozent gewesen sein. Er habe auch schon Mandate von russischen Oligarchen abgelehnt, sagt Baumgartner: «Wir nehmen nicht jeden Klienten. Als Anwälte lösen wir deren Probleme auf legale Art. Dafür sind wir verantwortlich. Dabei gibt es auch immer Risiken.»

Zum Beispiel für die Reputation. Schlagzeilen machte beispielsweise die Rosukrenergo AG in Zug (siehe Box). Sie belieferte die Ukraine mit Gas. Seit Juli befindet sie sich in Liquidation. Im Handelsamtsblatt werden Gläubiger aufgefordert, Ansprüche bei der Kanzlei Baumgartner Mächler anzumelden.

Die Firma kontrollieren die russische Gazprom und der Milliardär Dmitri Firtasch. Der Ukrainer soll Verbindungen zum Mafioso Semion Mogilewitsch haben, der von der US-Bundespolizei FBI gesucht wird. Deswegen wurde Firtasch im März in Wien verhaftet. Nach der Zahlung einer Kaution von 125 Millionen Dollar liess man ihn wieder frei. Baumgartner sagt: «Ich stellte nie etwas fest, was eine solche Beziehung auch nur hätte andeuten können.»

Bei Rosukrenergo stieg Hans Baumgartner 2005 in den Verwaltungsrat ein. Anfang 2009 stellte Russland die Gaslieferungen in die Ukraine ein. Rosukrenergo verlor den Auftrag. Baumgartner forderte den Bundesrat auf, er solle im Konflikt vermitteln. Nach weiteren Querelen zwischen den beiden Ländern trat Baumgartner 2010 aus dem VR des Gashändlers aus.

Firma machte «guten Job»

Heute sagt er, die Gesellschaft habe einen guten Job gemacht: «Die ökonomische und politische Situation war sehr zufriedenstellend. Rosukrenergo versorgte die Ukraine mit genügend Gas. Russland erhielt sein Geld für die Lieferungen. Es gab keine Ausstände.» Und die politisch heiss umstrittene Firma erzielte dicke Gewinne.

2011 reichte Baumgartner im Auftrag des russischen Oligarchen Oleg Deripaska Strafanzeigen bei der Bundesanwaltschaft und der Finma ein. Der Vorwurf: Die Hyposwiss Privatbank, eine Tochter der St. Galler Kantonalbank, sei in eine Geldwäschereiaffäre verwickelt. Die Bundesanwaltschaft ging nicht darauf ein. Geklagt hat Deripaska, weil er sich damals mit Wladimir Potanin um die Macht beim börsenkotierten Konzern Norilsk Nickel stritt. Potanin habe sich eine Milliarde Dollar aus der Unternehmenskasse beschafft, behauptete Deripaska. Die beiden Wildwest-Kapitalisten einigten sich im Herbst 2013. Bei diesem Deal soll Putin mitgewirkt haben. Er gilt auch als einer der Gründer von Rosukrenergo.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1