Er soll der Grossbank einen Schaden von 4,9 Mrd. Euro zugefügt haben und damit für einen der grössten Spekulationsverluste aller Zeiten verantwortlich sein. "Die täglichen Ermutigungen meiner Chefs haben mich zum Weitermachen animiert", sagte Kerviel zum Auftakt seines Prozesses.

Dem 33-Jährigen drohen bis zu fünf Jahre Haft sowie eine Geldbusse von 375'000 Euro. Anfang 2008 war aufgeflogen, dass Kerviel durch Fehlspekulationen fast fünf Milliarden Euro bei Frankreichs zweitgrösster Bank verwettet haben soll.

Kerviel schilderte seine letzte Tätigkeit in der Bank als sehr anstrengend und zeitintensiv. "Zu manchen Zeiten war es extrem", sagte er mit leiser Stimme. Er habe dann oft von morgens um sieben Uhr bis abends zehn Uhr auch an Feiertagen gearbeitet.

Kerviel hatte die Stelle seit 2005 inne. "Wir hoffen, dass die Wahrheit nicht von der Société Générale behindert wird, wie dies zwei Jahre lang der Fall war", sagte Kerviels Verteidiger Olivier Metzner zu Beginn der Verhandlung im Pariser Justizpalast.

"Wie immer bei einer Krise soll die Verantwortung auf einen Menschen abgewälzt werden und nicht auf das System", sagte Kerviels Anwalt der Nachrichtenagentur AFP unmittelbar vor Prozessbeginn. "Den Fall Kerviel würde es gar nicht geben, wenn das System, die Bank, die Société Générale, ihre Rolle erfüllt hätten."

Die Anklage macht dagegen geltend, dass Kerviel "kein Kind, kein verantwortungsloser Minderjähriger und kein kranker Erwachsener" sei. Der ehemalige Händler müsse für seine Taten einstehen, forderte auch der Anwalt der Société Générale, Jean Veil.

Der Prozess, der bis zum 25. Juni geht, war von einem grossen Medienaufgebot begleitet. Frankreichs Regierung hatte die Grossbank mit 1,7 Mrd. Euro stützen müssen, damit sie den Verlust und die Folgen der globalen Finanzkrise verkraften konnte.