Steuerstreit

Ex-Banker stellt sich US-Behörden: Hat er die Basler KB angeschwärzt?

Hauptsitz der Basler Kantonalbank an der Spiegelgasse.

Hauptsitz der Basler Kantonalbank an der Spiegelgasse.

Ein früherer, wegen Steuerdelikten angeklagter UBS-Banker hat sich in Miami den US-Behörden gestellt. Er hatte Gelder von US-Kunden auf die Basler Kantonalbank verschoben. Er ist unterdessen gegen Kaution wieder frei und zurück in der Schweiz.

Der ehemalige UBS-Banker Martin Lack, der heute als unabhängiger Anlageberater arbeitet, wurde bereits am 14. Oktober einem Richter am Bundesgericht für den südlichen Distrikt von Florida vorgeführt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Gegen eine Kaution von 750'000 Dollar wurde Lack inzwischen wieder freigelassen und durfte mit Zustimmung der US-Ermittler aus dem Land ausreisen. Einen Zehntel der Summe musste er in bar hinterlegen. Der Prozess gegen ihn ist auf den 25. November in Fort Lauderdale im US-Bundesstaat Florida angesetzt.

Gelder zur Basler Kantonalbank geleitet

Die Anklage gegen ihn datiert aus dem Jahr 2011. Die Behörden in den USA werfen ihm vor, reichen Amerikanern beim Hinterziehen von Steuern geholfen zu haben. Das tat er gemäss den Gerichtsunterlagen von den frühen 1990er Jahren bis 2010.

Martin Lack war von seinem Kollegen Renzo Gadola in den USA verpfiffen worden. Gadola wiederum war 2010 einem Spitzel der US-Steuerbehörden auf den Leim gekrochen. Der Spitzel war ein langjähriger Freund von Lack, mit dem Gadola seit 2009 in einer Bürogemeinschaft in Zürich arbeitete.

Verschwörung zur Steuerhinterziehung

Darauf hat die US-Justiz Gadola und Lack beschuldigt, amerikanischen Steuerpflichtigen abgeraten zu haben, sich selber anzuzeigen und so an einem freiwilligen Steueramnestieprogramm teilzunehmen. Die Staatsanwaltschaft wirft Lack auch Verschwörung zur Steuerhinterziehung vor. Dafür drohen bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe bis 250'000 Dollar.

Gadola hat bereits im Dezember 2010 für schuldig bekannt und das Verschieben von unbesteuerter Gelder bestätigt. Er hat trat damit einen Wall los, der den amerikanischen Justizbehörden viele neue Namen brachte. 

Dutzende von Bankern angeklagt

Rund drei Dutzend Banker, Vermögensverwalter und Anwälte sind inzwischen angeklagt worden, 70 US-Steuerpflichtige wurden verurteilt, wie Bloomberg weiss. 

Nun ist offenbar auch Lack eingeknickt. Er hatte sich bisher den Strafverfahren der US-Justiz entzogen. Zu einem hohen Preis: Er konnte die Schweiz nicht mehr verlassen, da ihm sonst die Verhaftung drohte.

Lack arbeitete bis 2003 für die UBS, für die er in leitender Funktion in Nordamerika tätig war. Anschliessend wurde er unabhängiger Anlageberater.

Dabei soll er gemäss der Anklage beim Verschieben von unversteuerten Geldern auf Basler Kantonalbank geholfen haben, nachdem die UBS 2008 undeklarierte Konten geschlossen hatte.

Die Basler Kantonalbank ist eine von 14 Schweizer Banken, gegen die in den USA eine Strafuntersuchung eingeleitet wurde.

Ob sich dadurch für die BKB allerdings gross was ändert, ist wenig wahrscheinlich. Die Basler kooperieren seit längerem mit den US-Behörden. Die bz weiss: Dabei hat die BKB auch die Geschäft mit Martin Lack vollständig offen gelegt. Im Klartext heisst das: Die US-Behörden dürften von Lack in Sachen BKB daher wohl nicht Neues erfahren.

Die BKB verwaltete laut Aussagen von CEO Guy Lachappelle zu Spitzenzeiten Ende März 2009 600 Millionen Franken Vermögen von US-Bürgern. Wie viele Kunden von der UBS via Lack/Gadola zur Bank stiessen, konnte Lachappelle in einem Interview vom Sommer 2013 nicht sagen.

Ex-UBS-Topmanager in Italien in Haft

Er ist bei weitem nicht der einzige Schweizer Banker, den die US-Behörden in die Hände bekommen wollen. Die italienische Polizei nahm am Sonntag in Bologna Raoul Weil fest, den früheren Vermögensverwaltungschef der UBS.

Gegen ihn lag ein internationaler Haftbefehl der USA vor. Ein Auslieferungsverfahren läuft. Eine Entlassung des Ex-Bankers auf Kaution ist bis zum Entscheid des italienischen Justizministeriums nicht möglich.

Die US-Behörden haben seit 2009 über 30 Bankangestellte oder Finanzberater wegen illegaler Offshore-Geschäfte angeklagt. Weil ist der bisher ranghöchste von ihnen.

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