Herr Geiger, wir würden Sie reagieren, wenn Sie erfahren würden, dass Ihre Bank Kontounterlagen von Ihnen an eine andere Person geschickt hat?

Hans Geiger: Als Kunde habe ich in einem solchen Fall nur zwei Möglichkeiten Ich schreibe der Bank einen Brief und frage, wie sie diesen Fehler wieder gutmachen wolle. Wahrscheinlicher ist, dass ich die Bank wechseln würde. Trotz des administrativen Aufwands, den das zur Folge hat, wechseln heute mehr Leute als früher ihre Bank.

Was bedeutet dies für die Bank?

Diese Bankgeheimnisverletzung ist ein Debakel. Die Bank Coop verliert Kunden und damit auch an Wert. Das schlägt auch auf das Mutterhaus zurück. Die Basler Kantonalbank ist ja wegen des Steuerstreits mit den USA und anderer Probleme längst angeschlagen.

Ein solch gravierender Vorfall verursacht auch einen happigen Reputationschaden. Inwieweit kann der repariert werden?

Der Reputationsschaden ist das Gravierendste an diesem Vorfall. Die Bankleitung kann versuchen, diesen zu begrenzen. Dass das Finanzinstitut Tausende von Kunden verärgert hat, weil sie ihre Privatsphäre verletzt hat, lässt sich letztlich nicht korrigieren. Daher muss dies personelle Konsequenzen haben, auch auf der Teppichetage. Es kann aber nicht sein, dass nur die Leute gehen müssen, welche den Programmierfehler verursacht oder die Verpackung der Unterlagen durchgeführt haben. Die Kontrolle der Bank beim Jahresversand hat total versagt.

Die Bank hat Kunden nicht nur ihre, sondern auch die Kontounterlagen von anderen Personen im gleichen Couvert zugestellt. Wie lässt sich sowas verhindern?

Zumindest jeder hundertste Brief müsste kontrolliert werden. Da gibt es viele Möglichkeiten – beispielsweise auch Gewichtskontrollen. Wenn zu viele Kontoauszüge in einem Brief stecken, sinkt die Zahl der benötigten Couverts. Das müsste eigentlich jemandem auffallen. Es darf einfach nicht passieren, dass unkontrolliert Kontodetails an die falschen Kunden gesandt worden sind. Der Jahresversand der Kontounterlagen ist keine Bagatelle.

Was ist das mindeste, was die Coop-Chefs nun tun können?

Finanziell ist der Schaden nicht zu beziffern. Also lässt sich das kaum über eine Entschädigung lösen. Aber der Bank-Chef muss sich bei den betroffenen Kunden zumindest mit einem persönlichen, von Hand unterschriebenen Brief entschuldigen.