"Ein Zinserhöhung bei unserer nächsten Sitzung ist möglich, aber nicht sicher", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, nachdem der Zentralbankrat den Leitzins am Donnerstag noch unverändert bei 1,0 Prozent beliess.

Der Preisauftrieb beschleunigt sich seit Monaten und hat die Währungshüter in seinem Ausmass überrascht. Grund sind vor allem steigende Öl- und Benzinpreise sowie teurere Lebensmittel. Im Februar betrug die jährliche Teuerungsrate im Euroraum 2,4 Prozent - und lag damit so hoch wie seit Oktober 2008 nicht mehr.

Oberstes Ziel der EZB ist aber die Preisstabilität, die sie bei einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent gewährleistet sieht. "Wir tun, was wir tun müssen, um Preisstabilität zu garantieren", versprach Trichet am Donnerstag. Eine Serie von Zinserhöhungen stehe aber nicht bevor.

Weniger Gewinn

Führende Währungshüter hatten zuletzt mehrfach betont, dass sie zwar vorübergehend mit einer Teuerung über der wichtigen Marke von 2,0 Prozent rechnen, sie aber schon für das Jahresende wieder Preisstabilität erwarten.

Inzwischen hat sich die Lage an der Preisfront spürbar verschärft, nicht zuletzt wegen der weltweiten Sorgen vor einer Rohölknappheit infolge der Unruhen im Nahen und Mittleren Osten, vor allem in Libyen. Die Ölpreise haben seit Jahresbeginn um 20 Prozent angezogen.

Wie die EZB am Donnerstag weiter mitteilte, schmälerten geringere Zinserträge und der Stop von Goldverkäufen 2010 den Gewinn der EZB deutlich. Der Überschuss belaufe sich auf 1,334 Mrd. Euro. 2009 waren es noch 2,218 Mrd. Euro. Der Grossteil des Gewinns - knapp 1,2 Mrd. Euro - fliesse in die Risikorückstellung.

Euro im Höhenflug

Kaum hatte EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet eine unerwartet schnelle Zinserhöhung angedeutet, sprang der Euro zeitweise auf ein Tageshoch von 1.3970 US-Dollar. Zuletzt war die Gemeinschaftswährung Anfang November 2010 auf diesem Niveau.