Euro

Euro wird für Schweizer Tourismus zur Belastung

Der Euro befindet sich in einer Krise. In den letzten 12 Monaten fiel die Leitwährung um fast sechs Prozent. Geht das so weiter, könnte sich dies negativ für den Schweizer Tourismus auswirken.

Der Euro befindet sich im freien Fall. In den letzten zwölf Monaten ist die europäische Leitwährung im Vergleich zum Schweizer Franken um beinahe sechs Prozent gefallen (siehe Bildgalerie).

Darunter leidet auch der Schweizer Tourismus: Laut Bundesamt für Statistik ging die Zahl an Deutschen Feriengästen in Schweizer Hotels letztes Jahr um 4,5 Prozent deutlich zurück. Jetzt scheint sich der Negativtrend auch für dieses Jahr zu akzentuieren.

So nahm die Zahl der Deutschen Hotelgäste in den ersten beiden Monaten des Jahres um drei Prozent ab. Im Gespräch mit «a-z.ch» bestätigt Susanne Daxelhoffer vom Schweizer Hotelverband «hotelleriesuisse» denn auch den Zusammenhang zwischen dem Gästeschwund in Europa und der schwachen Leitwährung. «Für die Schweizer Hotellerie als standortgebundene Exportbranche wie für die gesamte Exportindustrie stellen die Wechselkurse einen wichtigen Faktor dar». Sie hätten einen unmittelbaren Einfluss auf die preisliche Wettbewerbsfähigkeit - insbesondere gegenüber der Konkurrenz aus dem EU-Raum. «Somit können die Minuszahlen bei den Gästen aus Grossbritannien und Deutschland auf die ungünstige Währungslage zurückgeführt werden».

Schweiz Tourismus reagiert
Auch Daniela Bär von Schweiz Tourismus führt einen Teil der rückläufigen Gästezahlen aus Deutschland auf den schwachen Euro zurück, sieht darin aber nicht den Hauptgrund: «Die Wirtschaftskrise wirkt negative Auswirkungen auf das Reiseverhalten aus». Sollte sich dieser Trend allerdings fortsetzen, rechnet Schweiz Tourismus mit Einbussen im Sommergeschäft. Kein Wunder: Deutschland, Frankreich und Italien machen zusammen zwei Drittel aller Logiernächte in der Schweiz aus.

Um einen nachhaltigen Schaden für den Tourismus zu verhindern, hat der Verband jetzt reagiert und im Hinblick auf die Sommersaison 250 Angebote für den EU-Raum geschnürt. Dabei arbeitet Schweiz Tourismus erstmals mit garantierten Euro-Preisen, indem die Angebote konsequent in Euro ausgeschrieben werden. Der Gast kann den Betrag über die Kreditkarte abbuchen oder bar bezahlen. Die kommerziellen Partner von Schweiz Tourismus - darunter Kreditkartengesellschaften - übernehmen das Kursrisiko. Diese sicherten sich laut Schweiz Tourismus währungstechnisch frühzeitig ab.

Hotelleriesuisse plant auf Anfrage keine solche Aktion. «Es gibt aber Hotels, die Euro-Konti führen. Sie schreiben Angebote aus, minimieren so das Kursrisiko und können die Preise besser kalkulieren», sagt Susanne Daxelhoffer. Wie der einzelne Hotelier mit der Währungsentwicklung und dem damit verbundenen Währungsrisiko umgehe, liegt jedoch in seiner unternehmerischer Verantwortung. Dauerhafte Preissenkungen seien kein probates Mittel gegen die Währungseffekte, da sich der Schweizer Tourismus nicht unter Wert verkaufen kann und solle.

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