Erstaunlich: Bezüglich Tonnage verlässt nur gerade mal ein Prozent aller Exporte die Schweiz via Luftweg. Wertmässig betrachtet sind es hingegen 33 Prozent aller Exporte. Das heisst: Exportiert wird zum grössten Teil teure Ware, teuerste sogar. Dazu gehören Uhren beispielsweise, Schmuck und dergleichen. Und in Basel natürlich: Pharma. Pillen sind die ideale Luftfracht: Leicht und teuer.

Doch da gibt es ein Problem: Sie sind oftmals empfindlich auf Wärme, manchmal auch Kälte. Wenn sie transportiert werden, braucht es eine praktisch lückenlose Klimakette. Genau diese Erfordernis ist beim gestern eröffneten Frachtterminal auf dem Euro-Airport gegeben. Die Temperatur bewegt sich zwischen 15 und 25 Grad. Damit das gewährleistet ist, schliessen sich die Camions mit dem Ladetor ganz eng an die 63 LKW-Schleusen an. Und klar sind die Frachthallen nach allen Regeln der Kunst wärmegedämmt. Gestern wurde der Terminal mit viel lokaler Prominenz eingeweiht.

Nicht viel los in der Luftfracht

Der Frachtterminal hat im Luftfrachtgeschäft für grosse Aufmerksamkeit gesorgt. Bevor die Hallen überhaupt gebaut waren, flogen neue Fluggesellschaften wie Emirates (Dubai), ABC (Moskau) und Lan Cargo (Chile) den Euro-Airport an. Dem Vernehmen nach ist auch Qatar (Doha) im Anflug. 85 Prozent der Fläche sind bereits an Spediteure wie Swissport, Cargologic, Planzer, ACS DHL, WFS und ACL vermietet. Sie haben sich auf eine zeitlich fixe Mietdauer von fünf Jahren verpflichtet. «Diese Mieter helfen uns, das Risiko zu tragen», sagte Flughafendirektor Jürg Rämi an einer Medienorientierung.

Während der vergangenen fünf Jahre lief bei der Luftfracht nicht allzu viel. Der Höhepunkt war 2001 mit 126'000 Tonnen Fracht jährlich, 2014 wird sie bei 98'000 Tonnen liegen. Das sollte sich gründlich ändern. 2015 sollen es 117'000 Tonnen sein, in sechs Jahren 167'000 Tonnen. Die Zahl der Vollfrachtflüge soll von momentan vier auf zehn bis zwölf wöchentliche Flüge gesteigert werden.

Von der Luftfracht aus der Region Basel werden heute nur gerade 19 Prozent per Flugzeug von Basel-Mülhausen transportiert. Der Rest wird per Lastwagen zu andern Flughafen wie Zürich, Frankfurt oder Amsterdam gebracht und von dort in alle Welt geflogen. Bis 2020 will der Euro-Airport seinen Marktanteil bei der regionalen Luftfracht auf 50 Prozent steigern,

Rämi geht davon aus, dass sich die Zahl der Arbeitsplätze im Frachtbereich bis 2020 auf 1800 verdoppelt.

Die alte Frachthalle, die den Bedürfnissen der Logistikbranche nicht mehr zu genügen vermochte, wird per Ende 2015 für rund 3 Millionen Euro umgebaut. Danach wird sie für die Expressfracht genutzt.

Madeleine Göschke, Präsidentin des Schutzverbandes der Bevölkerung um den Flughafen, sei erschrocken, als sie zum ersten Mal von diesen starken Wachstumsplänen des Euro-Airports hörte. «Der Fluglärm wird zunehmen. Umso mehr, als dass es grosse und schwere Flugzeuge sind – selbst wenn Flugzeuge neuster Bauart eingesetzt würden.» Besonders in der Rechtskurve über Allschwil verursachten die Jets viel Lärm. Zudem fliegen sie erfahrungsgemäss meist zu später Abendstunde los. Besonders ärgerlich sei, dass es sich zu einem grossen Teil um Fracht handelt, die nicht aus unserer Region stammt, sagt die grüne Landrätin.