Trotzdem will die schwedische Ratspräsidentschaft noch vor Ende Jahr die Festlegung einer gemeinsamen Ausstiegsstrategie festlegen, wie Schwedens Finanzminister Anders Borg in Göteborg erklärte.

Die Strategiediskussion müsse jetzt erfolgen, sagte Borg. Die begonnenen Diskussionen sollten bei den kommenden Treffen der EU-Finanzminister fortgesetzt werden. Der "glaubwürdige Plan zur Normalisierung" soll angewendet werden, sobald es die wirtschaftlichen Bedingungen zulassen.

Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hielt vor den Medien fest, dass ein möglichst rascher Ausstieg nötig wäre. Spätestens 2011 müsse es aber soweit sein.

Die Situation bleibe schwer abzuschätzen, auch wenn es mit der Konjunktur aufwärts gehe, sagte der Chef der Euro-Finanzminister, Jean-Claude Juncker.

Viele EU-Staaten sind wegen der Finanzspritzen zur Überwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise hoch verschuldet. Die EU-Kommission rechnet damit, dass 2009 mindestens 20 Mitgliedstaaten gegen den Stabilitätspakt verstossen. Dieser sieht vor, dass das Haushaltsdefizit der EU-Staaten höchstens 3,0 Prozent erreichen darf.

Gegen elf EU-Staaten laufen bereits Verfahren wegen der Überschreitung der Defizitgrenze. EU-Währungskommissar Joaquín Almunia kündigte nun in Göteborg an, dass die EU-Kommission nächste Woche Berichte zu neun weiteren Staaten besprechen werde. Diese hätten sich wegen Verstosses gegen den Pakt selbst angezeigt.

Ein mögliches Defizitverfahren sei nicht überraschend, sondern die logische Folge, sagte der deutsche Staatssekretär Jörg Asmussen. Nebst Deutschland gehören auch Österreich, Belgien und die Niederlande zu den neun weiteren Staaten. Almunia betonte, dass es zuerst darum gehe, diesen Staaten Vorschläge für eine Verbesserung vorzulegen. Sanktionen erfolgten noch keine.