Sabina Sturzenegger

Herr Biedermann, die UBS hat ihre rigiden Vergütungsrichtlinien aus dem Jahr 2008 gelockert, um konkurrenzfähig zu bleiben. Haben Sie überhaupt kein Verständnis dafür?

Dominique Biedermann:Nein. Die UBS hat vor einem Jahr angeblich das «beste System» für Vergütungen in einer Bank präsentiert. Und jetzt plötzlich – ohne die Aktionäre vorher zu informieren – hat man dieses System rückwirkend geändert. Das geht nicht.

Das Argument der Konkurrenzfähigkeit ist für Sie hinfällig?

Biedermann:Wir sehen schon ein, dass es für eine Bank notwendig ist, kompetentes und korrekt bezahltes Personal zu bekommen. Das Problem liegt in der Verknüpfung von Investmentbanking mit den restlichen Banktätigkeiten.

Könnten mit einer Trennung der beiden Bereiche die Boni-Exzesse gemildert werden?

Biedermann: Ja, denn warum sollen wir Schweizer Aktionäre amerikanische Investmentbanker derart teuer entlöhnen? Wir suchen ja nicht das gleiche Risiko, das im Investmentbanking gefragt ist.

Die CS hat ein ähnliches Vergütungsmodell wie die UBS. Haben Sie auch die Credit Suisse im Visier?

Biedermann: Wir beobachten die Situation auch bei der CS. Die Banken haben ein grundsätzliches Problem mit dem Lohnsystem. Wenn wir das Vergütungssystem der CS kennen, werden wir, wenn nötig, eingreifen.

Sie wollen dem UBS-Verwaltungsrat und der Konzernleitung die Entlastung verweigern. Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat aber bereits entschlossen, kein Verfahren gegen die Verantwortlichen, insbesondere gegen Marcel Ospel, einzuleiten. Was erwarten Sie noch?

Biedermann: Kaspar Villiger als VR-Präsident muss im Namen der Bank Klage gegen den ehemaligen Verwaltungsrat einreichen.

Das wird er nicht tun, wie er bereits im Herbst angekündigt hat.

Biedermann: Deshalb können wir den heutigen Verwaltungsrat nicht entlasten. Zudem war Peter Kurer während der ersten drei Monate im Jahr 2009 noch Verwaltungsratspräsident. Es ist ausgeschlossen, ihm die Décharge zu erteilen.

Wie hoch ist die Beteiligung von Ethos an der UBS?

Biedermann: Ungefähr 0,1 Prozent.

Das ist sehr wenig. Wie stehen Ihre Chancen, mit den Anträgen durchzukommen?

Biedermann: Bei der Décharge, der Entlastung, können wir eine grosse Minderheit oder eine Mehrheit mobilisieren. Beim Vergütungsbericht wäre schon ein Stimmenanteil von 10 Prozent ein deutliches Signal an den Verwaltungsrat. Ein Anteil von 30 Prozent wäre ein Achtungserfolg.

Wer sind Ihre Verbündeten?

Biedermann: Wir sind mit zahlreichen Aktionären aus dem In- und Ausland im Kontakt.

Warum wollen Sie Herrn Mayrhuber nicht im UBS-Verwaltungsrat?

Biedermann: Das zuständige Nominationskomitee hat seine Aufgaben nicht gemacht: Wolfgang Mayrhuber ist zwar sehr kompetent, aber er ist bereits CEO der Lufthansa und sitzt in vier börsenkotierten Unternehmen im Verwaltungsrat. Das ist zu viel.