Rudolf Rechsteiner

Ethos-Präsident zum Börsengang von Stadler Rail: «Kaum eine Leistung für die Vergütung»

Neu an der Spitze der Anlagestiftung Ethos: Rudolf Rechsteiner.

Neu an der Spitze der Anlagestiftung Ethos: Rudolf Rechsteiner.

Für Ethos-Präsident Rudolf Rechsteiner hat der Börsengang von Stadler Rail einen faden Beigeschmack.

Der Börsengang von Stadler Rail war der bisher grösste in Europa in diesem Jahr. Dadurch ist der Wert der Aktien, die sich in Besitz des Verwaltungsrats und von rund 170 Kadermitarbeitern befinden, regelrecht explodiert. Möglich macht das der hausinterne «Mitarbeiteraktienplan»: Letztes Jahr konnten die Stadler-Kaderleute statt eines Cash-Bonus' Aktien zum Preis von Fr. 7.92 pro Stück beziehen, wie dem Finanzbericht zu entnehmen ist. Dieselben Aktien werden jetzt mit 42 Franken gehandelt.

Dieses Wertvermehrungswunder wird von der Anlagestiftung Ethos kritisiert. «Der Fall Stadler ist ein Beispiel, bei dem Manager oder Verwaltungsräte Vergütungen beanspruchen, für die sie persönlich wohl kaum eine entsprechende Leistung erbracht haben», sagt Ethos-Präsident Rudolf Rechsteiner. «Von aussen besehen, entsteht der Anschein, dass ein Führungszirkel am Werk ist, der sich gegenseitig Vergütungen zuhält; das ist mit einem faden Beigeschmack verbunden», sagt er. Man frage sich: «Haben die Arbeitnehmenden auch etwas erhalten, die diesen Erfolg mit erschaffen haben, zum Beispiel 100 Millionen an die Pensionskasse?», sagt der ehemalige SP-Nationalrat.

Wenn man zum rechten Zeitpunkt am rechten Ort sei, komme man in den Genuss eines Geldregens, der nicht auf eigene Leistung zurückzuführen sei, so Rechsteiner. «Das widerspricht den Ansprüchen einer Leistungsgesellschaft.» Wer vorab eine hohe Entschädigung zugute habe, sei Peter Spuhler und seine Angestellten, die das Unternehmen zum Erfolg gebracht hätten. Da Stadler Rail bislang nicht an der Börse gewesen sei, müssten hier eigentlich die Steuergesetze greifen, meint Rechsteiner. «Sie müssten so gebaut sein, dass ein solcher Fall gar nicht möglich wäre. Es ist ja häufig so, dass solche Gewinne steuerlich privilegiert sind.»

Wird der Gewinn versteuert?

Stadler-Sprecherin Marina Winder sagt dazu, dass die Differenz zwischen dem Zuteilungspreis (Fr. 7.92) und dem aktuellen Börsenkurs (42 Franken) versteuert werden müsse. Das gelte zumindest für die Kantone Thurgau und St. Gallen. Wie das in anderen Kantonen sei, könne sie nicht sagen.

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