Gastro-Muri

«Esskultur hat sich verändert»

Gastro Muri-Präsident Werner Gerber am Stammtisch des Restaurant Rebstock. (sha)

Werner Gerber

Gastro Muri-Präsident Werner Gerber am Stammtisch des Restaurant Rebstock. (sha)

«Als erstes sparen die Leute beim Essen», ist Gastro Muri-Präsident Werner Gerber überzeugt. Deshalb sei es besonders wichtig, den Gast zu pflegen. «Ist der Kunde zufrieden, so wird er früher oder später wieder kommen», hat Gerber die Erfahrung gemacht. Im Samstagsinterview spricht er über die Freiämter Gastrobranche.

Sebastian Hagenbuch

Herr Gerber, hat die Krise die Freiämter Gastro-Betriebe schon erreicht?
Werner Gerber: Klar, allein schon deshalb, weil die bei uns aufgelegten Zeitungen täglich mit negativen Schlagzeilen über den Weltmarkt gefüllt sind. Aber auch sonst sparen die Leute als erstes beim Essen. Auf Ferien und Autos hingegen wollen sie nicht verzichten.

Wie können Sie als Gastgeber dem entgegenwirken?
Gerber: Es ist sehr wichtig, dass sich die Wirtsleute gut um den Gast kümmern. Wenn dieser sich wohl fühlt, so kommt er früher oder später wieder. Auch die Kinder sollen zuvorkommend behandelt werden. Sie sind die Kunden von Morgen.

Exotische Restaurants laufen im Freiamt ordentlich, traditionelle haben eher etwas Mühe. Wieso?
Gerber: Dass exotische Restaurants gut laufen, hängt damit zusammen, dass es nicht allzu viele gibt. Auch das viele Reisen der Leute ist ein Grund für den Boom. Deshalb haben wir generell überall sehr internationale Weinkarten.

Was ist der Trumpf von traditionellen Freiämter Restaurants?
Gerber: Wir sind in der Regel gut und günstig. Wenn sich der Gast wohlfühlt, so bleibt er uns auch treu. Im Moment ist es einfach so, dass jemand, er vorher dreimal monatlich gekommen ist, sich nur noch einmal pro Monat blicken lässt.

Wie sieht es bei den Vereinen aus?
Gerber: Die kommen nach wie vor, konsumieren aber etwas weniger.

Wird der Freiämter in der Krise knauserig, was das Trinkgeld betrifft?
Gerber: Nein, keineswegs. Wenn der Gast zufrieden ist, wird eigentlich fast immer aufgerundet.

Wie denken Sie, lässt sich die Rezession überstehen? Bieten Sie ein Krisen-Menü an?
Gerber: Das würde nichts bringen und sogar unsere Glaubwürdigkeit infrage stellen, wenn wir plötzlich ein Menü für zwölf Franken anbieten könnten. Um Leute anzulocken, ist eine Renovation oder ein Umbau viel geeigneter.

Ist dank der Krise dafür die Personalsuche einfacher als vorher?
Gerber: Nein, der Markt ist am austrocknen und es ist schwierig, qualifizierte Leute zu finden. Besonders für einfachere Hilfsjobs melden sich fast nur ausländische Personen.

Mussten schon Restaurants aufgrund der Krise schliessen?
Gerber: Nein. Im Gegenteil, in Muri hat Coop kürzlich sein Restaurant eröffnet, und es gibt auch immer mehr Take-Aways.

Macht ihnen diese Konkurrenz zu schaffen?
Gerber: Wir stellen einfach fest, dass sich die Esskultur verändert hat. Es muss heutzutage schnell gehen. Die Leute essen im Stehen oder gar im Laufen. Diese Entwicklung ist nicht gut für uns.

Wie gedenken Sie, dem entgegen zu wirken?
Gerber: Wir müssen uns unserer Rolle als Gastgeber richtig stark bewusst sein. Das ist doch genau das Schöne an unserem Beruf.

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