Der grosse Lohnvergleich
Erstmals sind Top-Manager-Löhne offengelegt: So viel kostet Sie Ihr Krankenkassenchef

Eine Gesetzesänderung erlaubt erstmals Einblick in Cheflöhne: Die Offenlegung in den Geschäftsberichten zeigt, wie gut auch kleine Versicherer ihre Top-Manager entschädigen.

Roman Seiler
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Chef-Löhne ausgewählter Krankenkassen
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Chef-Löhne ausgewählter Krankenkassen

AZ

Erstmals können die Chefs von Krankenversicherern ihre Löhne nicht mehr verstecken: Im Geschäftsbericht 2016 müssen alle in der Grundversicherung tätigen Krankenversicherer offenlegen, wie viel sie für die Mitglieder ihrer Geschäftsleitung und ihres Verwaltungsorgans ausgeben.

Die «Nordwestschweiz» hat die bereits publizierten Geschäftsberichte von 32 Krankenversicherern ausgewertet. Aufgelistet sind die Entschädigungen der Präsidenten und Geschäftsleiter (s. Tabellen) für das vergangene Geschäftsjahr. Zugleich erfahren Sie, wie viele Prämienfranken pro Grundversicherten an die Chefs gehen.

Der Vergleich zeigt nicht nur, wie unterschiedlich hoch die Branche ihre Top-Manager vergütet. Die offengelegten Saläre sind auch nicht vollständig vergleichbar. So gehen die Kassen vor:

  • Nicht alle Krankenversicherer publizieren die gesamte Kompensation ihrer Geschäftsleitungsmitglieder. Dies tun die CSS, die Helsana, die KPT und die Sanitas. Die Mitglieder des Verbands Curafutura führen neben dem Salär, die Sozialleistungen sowie die Spesen und weitere sonstige Bezüge auf. Genauso transparent sind der Walliser Krankenversicherer Groupe Mutuel sowie die kleine Krankenkasse Vita Surselva in Ilanz GR.

Grundversicherung wird transparenter

Wie Krankenversicherer ihre Löhne offenlegen müssen, steht im seit 2016 gültigen Krankenversicherungsaufsichtsgesetz. Offenlegungspflichtig sind die Summen der Entschädigungen des Verwaltungsorgans, also des Vorstands, des Stiftungs- oder des Verwaltungsrats, sowie der Geschäftsleitung.

Zusätzlich verlangt das Gesetz die Veröffentlichung des jeweils höchsten Gehalts, das ein Mitglied der beiden Gremien bezieht. Das sind meist der operative Chef und der Präsident des Aufsichtsgremiums.

Keine Offenlegungspflicht haben private Zusatzversicherer. Daher dürfen Kassen lediglich den Anteil der Saläre offenlegen, der für die Grundversicherung bezahlt wird. Alle Grundversicherer müssen einen Geschäftsbericht erstellen. Dieser darf von jedermann eingesehen werden. Möglich ist, ihn nur am Sitz der Kasse aufzulegen. Publiziert werden muss er bis Ende Juni. In der Regel platzieren die Versicherer den Geschäftsbericht auf ihrer Internetseite.

Schmutzs Bezüge von 939 000 Franken für 2015 entsprachen dem höchsten, je offengelegten Chefsalär eines Krankenversicherers. Zum Vergleich: 2008 geriet der Vorgänger von Schmutz, Manfred Manser, ins Schussfeld des Vorstands der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren. Sie verlangten eine Rechtfertigung für seinen Lohn von 880 000 Franken. Es entspreche etwa dem drei bis vierfachen des Salärs eines Regierungsrats. Dass andere mehr kassierten, blieb verborgen, weil in den Nullerjahren nur eine Handvoll Krankenversicherer die Entschädigungen ihrer obersten Gremien freiwillig veröffentlichten.

Jahrelang das bestgehütete Geheimnis der Branche war die Entschädigung von Groupe-Mutuel-Patron Pierre-Marcel-Revaz. Dass er mehr als eine Million Franken beziehe, dementierte sein Sprecher stets tapfer. Die «Nordwestschweiz» enthüllte indes 2014: Revaz liess sich seine Tätigkeit mit bis zu 2,2 Millionen Franken abgelten. Seine engsten Weggefährten kamen auf 1,1 bis 1,35 Millionen Franken. Derart überzogene Gehälter sind Geschichte. 2016 erhielt Revaz Nachfolger Paul Rabaglia 520 200 Franken.

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