Damit ende die exklusive Stellung der Ukraine als Transitland für russisches Gas nach Westeuropa, sagte Wladimir Putin nach Angaben der Agentur Interfax.

Bei der Eröffnungsfeier an der Verdichterstation Portowaja war auch Altkanzler Gerhard Schröder anwesend. Er hatte das grösste Energieprojekt Europas 2005 gemeinsam mit dem damaligen Kremlchef Putin auf den Weg gebracht. Schröder ist inzwischen Vorsitzender des Aktionärsausschusses des russisch-dominierten Betreiberkonsortiums Nord Stream.

Deutschland und die EU versprechen sich von der Leitung durch die Ostsee mehr Energiesicherheit. Russland will am wachsenden Energiehunger der EU kräftig verdienen, besonders nach dem von der Bundesregierung beschlossenen Aus für Atomkraft.

Mehr Unabhängigkeit

Russland peilt mit dem Direkttransport vor allem eine grössere Unabhängigkeit von den Transitländern Ukraine und Weissrussland an. Die Ukraine ist bisher das wichtigste Transitland für russische Gaslieferungen in die EU. Moskau und Kiew hatten aber in der Vergangenheit immer wieder über Gaspreise gestritten.

Das Gas stammt von dem russischen Energieriesen Gazprom. Bei der Nord Stream AG ist Gazprom Mehrheitseigner. Teilhaber sind auch die europäischen Energieriesen Eon Ruhrgas, BASF/Wintershall und aus den Niederlanden Gasunie sowie die französische GDF Suez.

Einer von zwei Strängen

Bei der nach anderthalbjähriger Bauzeit in Betrieb genommenen Leitung handelt es sich um den ersten von zwei Strängen. Durch ihn sollen künftig 27,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr strömen. Die Gesamtkapazität beider Leitungsstränge beträgt 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr und soll 2012 erreicht werden. Damit könnten rechnerisch 26 Millionen Haushalte mit Gas versorgt werden.

Bei einem "Gaskrieg" zwischen Moskau und Kiew blieben Anfang 2009 auch viele Wohnungen in der EU kalt, weil Russland im Streit um Lieferbedingungen den Hahn abgedreht hatte. Nord Stream soll künftig maximal elf Prozent des gesamten Energiebedarfs in der EU decken. Experten gehen davon aus, dass die Nachfrage in der EU bis 2030 um 200 Milliarden auf dann 516 Milliarden Kubikmeter Gas ansteigt.