Fleisch-Export

Erste Schweinefüsse treten Reise nach China an: Schweizer Firma erhält nach zwölf Jahren Exportbewilligung

Die Firma Swiss Nutrivalor in Oensingen verarbeitet und vertreibt Nebenprodukte der Fleischindustrie - wie zum Beispiel Schweinefüsse. (Bild: 28. Mai 2020)

Die Firma Swiss Nutrivalor in Oensingen verarbeitet und vertreibt Nebenprodukte der Fleischindustrie - wie zum Beispiel Schweinefüsse. (Bild: 28. Mai 2020)

Was Schweizer nicht essen, gilt in Asien als Delikatesse. Der Fleisch-Export nach China ist aber reich an Hindernissen. Eine Firma aus Oensingen SO nahm den Aufwand auf sich.

An gründliches Händewaschen, Desinfektionsmittel und Schutzmasken hat man sich in den letzten Wochen gewöhnt. Doch bei der Firma Swiss Nutrivalor in Oensingen galten bereits strenge Hygienevorschriften, bevor ein Virus die Welt veränderte. Wer in den inneren Räumen des Gebäudes zu tun hat, muss sich von Kopf bis Fuss mit Schutzkleidern bedecken und mehrere Desinfektionsschleusen passieren. Ein Grossteil der Bestimmungen basiert auf chinesischen Anforderungen.

Denn die Firma, die zum Fleischverwertungs-Unternehmen Centravo gehört, exportiert seit April Schweinefleisch nach China. Während Filets, Koteletts und Schinken in der Schweiz begehrt sind, isst kaum jemand mehr Innereien, Haxen oder Füsse. In Asien dagegen gilt fettes Fleisch mit Knorpel und Knochen zum Abnagen als Delikatesse. Und weil sich die wachsende chinesische Mittelschicht immer mehr Fleisch gönnt, kommt die eigene Produktion an den Anschlag.

Die Idee, die hierzulande verschmähten Stücke zu exportieren, ist demnach nur naheliegend. Doch einfach war die Umsetzung keineswegs: Bis die ersten Tiefkühl-Container ihre sechswöchige Reise nach Shanghai antreten konnten, dauerte es sage und schreibe zwölf Jahre. Die Firma investierte 20 Millionen Franken in den Ausbau des Logistikbetriebs, der auch Rinds- und Geflügelfleisch verarbeitet. «Die Chinesen kontrollierten alles sehr streng», erzählt Geschäftsführer Wolfgang Burkard. Mehrmals seien ganze Delegationen nach Oensingen gekommen, die jedes Detail unter die Lupe nahmen.

Wolfgang Burkard, Geschäftsführer der Firma Nutrivalor.

Wolfgang Burkard, Geschäftsführer der Firma Nutrivalor.

Fleisch muss bis in den Stall zurückverfolgt werden können

Die Anforderungen sind etwa wie folgt: Die Wege der verschiedenen Fleischarten dürfen sich nicht kreuzen und die Ware für China muss in separaten Räumen verarbeitet und gelagert werden. Auf den Böden aufgemalte Linien markieren Abstände zu den Wänden, die es einzuhalten gilt. Um die Bakterienzahl möglichst tief zu halten, entwickelte der Betrieb eigens eine Schweinefuss-Reinigungsanlage. So will er sich von ausländischen Firmen abheben, die ebenfalls im Geschäft mitmischen. «Swiss quality» gilt in China als Qualitätsmerkmal, weiss Burkard. Man wolle die mittlere und wohlhabendere Bevölkerungsschicht ansprechen. So könne man trotz der hiesigen höheren Lohnkosten mithalten. Mit einem Erlös von 2 Franken pro Schweinefuss rechnet sich der Aufwand.

Die chinesischen Inspekteure verlangen auch, dass bei sämtlichen Fleischstücken die vollständige Rückverfolgung möglich ist – vom Schlacht- und Zerlegungsbetrieb über den Mast- und Zuchtbetrieb bis zur Herkunft des Futters. Aufwändig waren auch die Übersetzung aller Dokumente ins Englische und Chinesische sowie die Abstimmung mit den Reglementen des Bundes und der Kantone. Unsere föderalistischen Strukturen den Chinesen mit ihrem zentralistischen Staat verständlich zu machen, sei nicht einfach gewesen, erklärt Burkhard. «All diese verschachtelten Prozesse benötigten viel Zeit.» Mitunter habe es ein ganzes Jahr gedauert, bis wieder eine Reaktion vonseiten der chinesischen Behörden erfolgte.

Den Grund für die strikten Kontrollen sieht Burkhard bei den relativ häufigen Lebensmittelskandalen in China. Sind Nachlässigkeiten bei der Zulassung nachweisbar, werden die Zuständigen zur Verantwortung gezogen. Aus Angst vor BSE (Rinderwahnsinn) wollen die Chinesen auch grundsätzlich kein Rindfleisch importieren – obwohl die auf den Menschen übertragbare Tierseuche seit 15 Jahren kein Thema mehr ist.

Die Mitarbeiter der Firma Nutrivalor müssen auf vieles achten - zum Beispiel dürfen sich die Wege der verschiedenen Fleischarten nicht kreuzen und die Ware für China muss in separaten Räumen verarbeitet und gelagert werden.

Die Mitarbeiter der Firma Nutrivalor müssen auf vieles achten - zum Beispiel dürfen sich die Wege der verschiedenen Fleischarten nicht kreuzen und die Ware für China muss in separaten Räumen verarbeitet und gelagert werden.

200'000 Stücke pro Woche, 4000 Tonnen pro Jahr

Im gekühlten Raum im Oensinger Industriegebiet warten ganze Container von Schweinefüssen auf die Weiterverarbeitung. Jede Woche werden 200'000 Stück verpackt – rund 4000 Tonnen pro Jahr. Bis vor Kurzem wurden die meisten Füsse der rund 2,5 Millionen Schweine, die in der Schweiz jährlich getötet werden, in andere asiatische Länder geliefert – etwa Thailand oder Vietnam, wo weniger strenge Vorschriften gelten, aber auch die Preise tiefer sind. In China erzielt die Firma einen etwas höheren Erlös und profitiert vom neuen Freihandelsabkommen. Auch Würste und Tierfutter werden zum Teil aus den Füssen hergestellt. Doch das Zerkleinern und Trennen von Knochen und Sehnen ist aufwändig.

Weitere Behälter bei der Swiss Nutrivalor enthalten Zungen, Schwänzchen, Brustspitzen und –beine, Rippenknochen sowie Schulterblätter. Die sichelförmigen, faustgrossen Stücke bestehen vor allem aus Knorpel, den die Chinesen gerne mitessen. Die Substanz gilt in der traditionellen chinesischen Medizin als gesund. Hierzulande raten Ernährungsberaterinnen aber generell vom Konsum grosser Mengen an Fleisch und Wurstwaren ab – besonders für Menschen mit Rheumaerkrankungen.

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