Störungen

Erneuter Swisscom-Ärger – Telekomexperte wettert: «Diese Pannenserie ist inakzeptabel»

CEO Urs Schaeppi muss wiederholt erklären, warum die Swisscom Probleme mit der Technik hat.

CEO Urs Schaeppi muss wiederholt erklären, warum die Swisscom Probleme mit der Technik hat.

Das mobile Internet von Swisscom war am Mittwochmorgen beeinträchtigt. Es ist die fünfte gravierende Panne seit Oktober. Telekom-Experte Ralf Beyeler erklärt, was schief läuft und was die Swisscom zu tun hat.

Schon wieder eine Swisscom-Panne. Seit Oktober 2019 ist es am Mittwochmorgen zur fünften Störung gekommen. Diesmal war die mobile Datenkommunikation während fünf Stunden eingeschränkt. Die Pannen-Serie beschäftigt auch den Bundesrat. Ralf Beyeler, Telekom-Experte beim Vergleichsdienst Moneyland spricht im Interview von einer gravierenden Situation.

Ralf Beyeler, Experte für Telekommunikation

Ralf Beyeler, Experte für Telekommunikation

Schon wieder vermeldet die Swisscom eine Panne. Was ist los?

Ralf Beyeler: Es ist schwierig, die Gründe von aussen zu beurteilen. Offenbar können viele Mobilkunden die Datendienste nicht nutzen. Das ist erneut eine ernsthafte Panne. Sie hat wirtschaftliche Auswirkungen, weil heutzutage viel über Mobildaten läuft, zum Beispiel im Aussendienst. Kunden erhalten die Leistung nicht, für die sie bezahlt haben – Swisscom-Premiumpreise bezahlt haben, muss man anfügen.

Es sind zwar diesmal keine Notrufnummern betroffen und der einzelne Kunde kann das Problem lösen, indem er das Gerät neu startet. Aber es deutet einiges darauf hin, dass die Ursache wieder beim Domain-Name-System liegt, der DNS-Auflösung. Das ist quasi das «Telefonbuch» der heutigen Technologie mit dem Internet Protocol (IP). Gemäss Swisscom soll das Problem weitgehend behoben sein. Ernst ist die Sache auch, weil die Pannenserie nicht abreisst.

Kommt es nicht auch bei anderen Anbietern zu Pannen?

Natürlich gibt es auch bei Sunrise, Salt oder UPC lokale Störungen. Wenn ein Bagger bei Bauarbeiten eine Leitung beschädigt oder ein Unwetter eine Telefonzentrale überflutet, sind rasch ein paar hundert Haushalte betroffen. Aber die grossflächigen und gehäuften Pannen wie bei Swisscom sehen wir bei andern Anbietern nicht – obwohl sie dieselben Technologien auf IP-Basis einsetzen.

Bei Swisscom hingegen kam es im letzten halben Jahr zu vier gravierenden Störungen, bei denen die Notrufnummern nicht mehr erreichbar waren: zwei im Oktober, eine im Januar und eine letzte Woche. Hinzu kommt der Verlust von Dateien, die Kunden dem Mycloud-Speicher anvertraut hatten sowie ein Diebstahl von persönlichen Kundendaten bei einem schlecht gesicherten Zugang eines Swisscom-Vertragshändlers. Diese grossflächigen und gehäuften Pannen sind inakzeptabel.

Was läuft falsch?

Swisscom spart am falschen Ort und investiert zu wenig in Sicherheitssysteme. Lieber gibt man das Geld öffentlichkeitswirksamer fürs Glasfasernetz, für Fernsehdienste oder für Cloud-Speicherdienste aus als für Sicherheitssysteme, die vielleicht monatelang ungenutzt bereitstehen, aber im entscheidenden Moment die Dienste aufrechterhalten. Swisscom braucht ein neues Sicherheitsbewusstsein.

Wichtig scheint mir zudem sicherzustellen, dass die Notrufzentralen über ein Reservesystem erreicht werden können. Heute werden Notrufe aus dem Salt-, Sunrise- oder UPC-Netz über die Swisscom in die Notrufzentralen geleitet. Steigt das IP-System von Swisscom aus, läuft gar nichts mehr. Deshalb wäre es sinnvoll, wenn Salt, Sunrise und UPS zumindest bei den wichtigsten Notrufzentralen einen direkten Anschluss erhalten.

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