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Erfolgsmanager wechselt von Sika zu LafargeHolcim – Investoren reagieren heftig

Jan Jenisch spricht an der Aktionärsversammlung der Sika – nun wird er CEO bei LafargeHolcim. GEORGIOS KEFALAS/key

Jan Jenisch spricht an der Aktionärsversammlung der Sika – nun wird er CEO bei LafargeHolcim. GEORGIOS KEFALAS/key

Jan Jenisch, der deutsche Manager, der die Sika in den vergangenen fünfeinhalb Jahren angeführt hatte, folgt dem Ruf des LafargeHolcim-Präsidenten Beat Hess und wird beim schweizerisch-französischen Zementriesen Nachfolger von Eric Olsen.

Nur wenige Tage nachdem die SikaAktien in den Index der 20 wertvollsten Titel an der Schweizer Börse aufgenommen wurden, verliert der Baustoffkonzern sein Gesicht. Jan Jenisch, der deutsche Manager, der das familienbeherrschte Unternehmen in den vergangenen fünfeinhalb Jahren angeführt hatte und die hohe Wachstumsdynamik des Unternehmens auch in den schwierigen Zeiten der internationalen Finanz- und Schuldenkrise aufrechterhalten konnte, folgt dem Ruf des LafargeHolcim-Präsidenten Beat Hess und wird beim schweizerisch-französischen Zementriesen Nachfolger des abtretenden amerikanischen CEO Eric Olsen.

Kurs von LafargeHolcim legt zu

Die LafargeHolcim-Aktionäre nahmen die Neuigkeit geradezu frenetisch auf. Die Titel legten 6,3 Prozent auf fast 58 Franken zu, was eine Zunahme des Börsenwertes um fast 3 Milliarden Franken bedeutet. Die Reaktion mag emotional verständlich sein. Immerhin musste befürchtet werden, dass LafargeHolcim nach dem Verlust des am Syrien-Geschäft gescheiterten Olsen sehr lange brauchen könnte, bis ein geeigneter Nachfolger für den rundum geschätzten und in Investorenkreisen auch anerkannten CEO gefunden würde. Doch eigentlich gab es auch keinen ernsthaften Grund anzunehmen, dass Beat Hess bei seinem ersten wichtigen Personalentscheid in seiner noch kurzen Amtszeit gleich kläglich scheitern würde.

Kurseinbruch bei Sika

Bei Sika kam es gestern umgekehrt zu einem Kurseinbruch in den Inhaberaktien um rund 4 Prozent auf nur mehr 6070 Franken. Jenisch hat bei Sika zweifellos eine sehr gute Arbeit abgeliefert. Verwaltungsratspräsident Paul Hälg verdankte dessen Leistung in den vergangen 20 Jahren entsprechend «herzlich» und gab in einer Medienmitteilung seinem Bedauern über den Abgang ausdruck.

Doch hüben wie drüben ist die starke Marktreaktion rational kaum zu erklären. Jenisch ist zwar ein begabter Chef, ein hervorragender Kommunikator, und er hat im Streit zwischen der Sika-Mehrheitseigentümerfamilie und dem Management auch viel Rückgrat bewiesen. Doch die Qualitäten eines Managers sind zu einem grossen Teil auch die Qualitäten des Unternehmens selbst. Dies ist in der Old Economy, wo Mörtel und Zementsäcke verkauft werden, noch viel wahrer als in der Technologiewirtschaft, in der sich strategische Positionen mit einem unvorhergesehenen Technologiebruch schnell und radikal verändern können.

Herausforderung für Nachfolger

Doch die für Jan Jenisch zweifellos überaus schmeichelhafte Markreaktion steht auch für dessen starkes Profil, das er im Zug des Konfliktes um die Kontrolle des Baustoffkonzerns gewonnen hat. Sein Nachfolger Paul Schuler wird sich ein solches Profil in der noch verbleibenden Zeit bis zur endgültigen gerichtlichen Lösung des Streites kaum mehr aneignen können – zum mindesten nicht gegenüber der Aussenwelt.

Doch konzernintern könnte es dem Sika-Veteranen mit seinen 29 Betriebsjahren sehr schnell gelingen, die grossen Fussstapfen seines Vorgängers auszufüllen. Denn der Schweizer dürfte bei seinen Mitarbeitern eine ebenso hohe Glaubwürdigkeit geniessen wie Jenisch, und zudem ist er im Konflikt mit den Familienaktionären weit weniger belastet als dieser.

Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die dringend nötige Lösung im Familienstreit könnte sich der Managementwechsel dereinst vielleicht noch als glückliche Fügung erweisen. Doch so irrational die Börse bisweilen auf Ereignisse reagieren kann, so simpel arithmetisch pflegen die Investoren gewöhnlich vorzugehen: Wenn LafargeHolcim gewinnt, muss Sika verlieren, lautet die Logik hinter dem gestrigen Börsentag. Das muss nicht der Weisheit letzter Schluss bleiben.

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