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Erdgas kostet noch 1 Franken – trotzdem verkaufen sich Autos schlecht

Preislich ist Erdgas als Treibstoff deutlich billiger als Benzin, wie auf der Preistafel beim TCS in Füllinsdorf gestern zu sehen war.Lucas Huber

Preislich ist Erdgas als Treibstoff deutlich billiger als Benzin, wie auf der Preistafel beim TCS in Füllinsdorf gestern zu sehen war.Lucas Huber

Seit dieser Woche kostet das Erdgas noch 1 Franken pro Kilogramm. Trotzdem verkehren erst knapp 11'000 Erdgas-Autos auf den Schweizer Strassen. Warum das?

Ein Traum für jeden Autofahrer: ein Franken für einen Liter Benzin. Ganz stimmt das allerdings nicht, auch wenn seit Montag auf diversen Tankstellen-Preisschildern in der Region die magische 1 mit den zwei Nullen aufleuchtet. Gemeint ist nämlich Erdgas, genauer ein Mix aus Erd- und Biogas. Auch dieser treibt Autos und sogar LKW an, die Hochburg ist Italien.

Eigentlich wird Erdgas in Kilogramm abgerechnet, doch die Anzeigetafeln der Tankstellen zeigen den Preis, der einem Liter Benzin entspräche. Lange Zeit hielt sich dieser bei rund Fr. 1.17, im Januar sank er auf rund Fr. 1.10. Seit Montag kostet ein Kilogramm Erdgas an der Tankstelle noch einen Franken. Die Preise für den Wärmemarkt wurden bereits im Februar nach unten korrigiert. Obschon der Erdgas- nicht mehr an den Ölpreis gekoppelt ist, verlaufen die Preiskurven noch immer ähnlich. 

Weil aber die Schweizer Importeure langfristige Verträge mit ihren Lieferanten abschliessen, schwanken die Preise nicht derart stark wie etwa beim Benzin. Die Verträge des Gasverbunds Mittelland (GVM) mit Sitz in Arlesheim haben Laufzeiten von drei Monaten. «Wir haben unsere Preise vorzeitig gesenkt», bestätigt Kurt Schmidlin vom GVM, «und wir erwarten, dass der Preis mittel- bis langfristig auf diesem Niveau bleibt.»

«Wir können es uns nicht erklären»

Der eine Franken stand am Montag an der BP-Tankstelle beim TCS in Füllinsdorf dem Preis von Fr. 1.51 für Bleifrei gegenüber. Trotzdem fristet die Erdgasmobilität ein Nischendasein, von rund vier Millionen Personenwagen auf Schweizer Strassen werden nur gerade mal knapp über 11'000 von Erdgas betrieben. Woran liegt das? René Wahl von der Gasmobil AG, dem Schweizer Förderer von Erdgas als Treibstoff, ist ratlos: «Wir können es uns nicht erklären. Es gibt keine Nachteile, aber viele Vorteile.»

Sicher spielt die Bekanntheit eine grosse Rolle. Erdgas als Treibstoff wird in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. «Mit diesem Preis könnten wir aber einen Schub erleben», hofft Kurt Schmidlin vom GVM. Die Umweltbilanz reicht jedenfalls nicht, schliesslich gehören die Modelle mit Zusatzkürzeln wie «Green tec» (Skoda), «Ecofuel» (Seat) oder «g-tron» (Audi) zu den umweltfreundlichsten Autos überhaupt. Unter der Prämisse «Gasautos sind einsame Spitze» präsentierte der Verkehrsclub der Schweiz VCS Ende Februar seine alljährliche Auto-Umweltliste. Wie in den Vorjahren belegen Erdgasmodelle auch 2015 die vordersten Ränge. Will heissen: Gemäss VCS sind sieben der zehn umweltfreundlichsten Fahrzeuge Erdgas-betrieben, fünf von ihnen belegen die ersten fünf Plätze. Sieger ist der «eco up!» von VW.

Der VCS führt dafür zwei Erklärungen ins Feld. Einerseits die geringeren CO2-Emissionen bei der Verbrennung von Gas gegenüber Benzin und Diesel. Und andererseits über 20 Prozent Biogas, die dem Erdgas beigemischt werden. Das fällt besonders ins Gewicht, wenn man die CO2-Ziele des Bundes zurate zieht. Strafabgaben werden nämlich für all jene Fahrzeuge fällig, die heute mehr als 130 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen. Bis 2020 reduziert sich dieser Wert auf 95 Gramm je Kilometer. Der Testsieger «eco up!» ist mit 63 Gramm heute schon deutlich unter den Vorgaben Berns.

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