Bankenombudsmann

Er ist der neue Vermittler zwischen Banken und Kunden - Marco Franchetti

Der neue Bankenombudsmann: Marco Franchetti.

Der neue Bankenombudsmann: Marco Franchetti.

Bei der Stelle des Bankenombudsmans kommt es zu einem Wechsel: Nach zwanzig Jahren Tätigkeit tritt Hanspeter Häni die Stelle an den Jurassier Marco Franchetti ab.

Bei der gestrigen Jahresmedienkonferenz des Schweizerischen Bankenombudsmanns nutzte Häni die Gelegenheit für eine Rückschau: Die Ombudsstelle, die im Streitfall zwischen Bankkunden und Banken vermittelt und von der Bankiervereinigung getragen wird, habe sich seit der Gründung 1993 grundlegend verändert.

«Als wir am 1. April 1993 unsere Büros eröffneten, verfügte die Ombudsstelle über rund 170 Stellenprozent», so Häni. Heute seien es 700 Stellenprozent, die sich ein achtköpfiges professionelles Team aus Fach- und Rechtsspezialisten teilen. Sie bearbeiteten im vergangenen Jahr 1842 Fälle in der immer komplexeren und vielfältigeren Bankenwelt.

Zwar erreichte die Ombudsstelle 2012, dass die Banken die von ihr vorgeschlagenen Korrekturen in 96 Prozent der Fälle akzeptiert haben. Doch gleichzeitig sei die Arbeit auch schwieriger geworden. Insbesondere bei hohen Streitwerten legten die Banken eine Abwehrhaltung gegenüber den gemachten Vermittlungsvorschlägen an den Tag.

270 Retrozessionsanfragen

Ein grosses Thema sind derzeit Anfragen zu Rückvergütungen sogenannter Retrozessionen. Darunter versteht man Provisionen, die eine Bank zum Beispiel von einem Fondsanbieter erhält, wenn sie dessen Fondsanteile an ihre Kunden verkauft.

Diese Praxis sorgt seit Jahren für heftige Diskussionen. Im vergangenen Oktober hatte das Bundesgericht in einem konkreten Fall entschieden, dass ein Bankkunde Retrozessionen zurückverlangen kann.

Die Bankenombudsstelle hat bereits 270 Anfragen in diesem Zusammenhang erhalten, sagte Häni gestern. Juristisch sei aber noch vieles unklar. Insbesondere die Frage der Verjährung, wo man sich streitet, ob der Kunde Anrecht auf die Rückzahlung der Retrozessionen der letzten 5 oder 10 Jahre habe.

In der Praxis ist beides anzutreffen: So zahlte die Migrosbank die Retrozessionen für die letzten 10 Jahre zurück. Die UBS dagegen stellt sich auf den Standpunkt, dass die Ansprüche nach 5 Jahren erlöschen würden. «Was richtig ist, können wir nicht entscheiden, dafür braucht es ein höchstrichterliches Urteil», so gestern Häni.

Neu steht dem Bankenombudsmann das Mittel der seriellen Bearbeitung zur Verfügung. Dabei werden ähnlich gelagerte Fälle zusammen bearbeitet, um schneller ans Ziel zu gelangen. Der Nachteil dieses Vorgehens sei, dass möglicherweise nicht jeder Einzelfall gerecht behandelt würde, räumte Häni ein.

Franchetti ergänzte aber, dass es auch bei einem Serienfall möglich sei, mit Banken für Einzelkunden spezielle Arrangements zu finden. Diese Überlegungen bleiben aber im Fall der Retrozessionen vorerst theoretischer Natur: Die Ombudsstelle hat nämlich entschieden, die Retrozessionsanfragen erst einmal nicht als Serienfälle zu behandeln. (FHM)

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