Alpine Solaranlagen
Energiewende lohnt sich nicht: Axpo lässt sich deshalb bei Prestigeprojekt von Denner sponsern

Der Energiekonzern Axpo baut in den Glarner Alpen eine Solaranlage. Solche Projekte wären für die Energiewende nötig. Doch laut Axpo lohnen sie sich wegen falscher Fördermassnahmen des Bundes nicht. Deshalb hat man einen privaten Sponsor gefunden. So sei die Energiewende aber nicht möglich, heisst es bei der Axpo.

Lucien Fluri
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An der Glarner Muttsee-Staumauer soll eine riesige Solaranlage entstehen.

An der Glarner Muttsee-Staumauer soll eine riesige Solaranlage entstehen.

Gian Ehrenzeller/Key

Jetzt also doch. Der Energiekonzern Axpo will an der Muttsee-Staumauer im Glarnerland eine riesige Photovoltaikanlage bauen. 5000 Solarmodule sollen dort pro Jahr künftig 3,3 Gigawattstunden Strom erzeugen – die Hälfte davon im Winter, wenn die Schweiz (zu) stark auf Stromimporte angewiesen ist.

Das Projekt ist hochpolitisch. – Auch deshalb tat sich Axpo in den vergangenen Monaten schwer, dieses zu realisieren. Immer wieder liess der Konzern öffentlich durchblicken, dass er das Projekt abbrechen könnte. Grund dafür: Es sei unter den gegebenen und geplanten Schweizer Fördermassnahmen kaum kostendeckend realisierbar.

Wirtschaftlich lohnt sich der Bau solcher Anlagen nicht

Dass die Anlage nun doch realisiert wird, hat einen Grund: Man hat einen Sponsor gefunden. Der Detailhändler Denner hat sich verpflichtet, den Strom 20 Jahre lang zu einem vordefinierten Preis abzunehmen. Dieser liegt über dem heutigen Marktpreis. Denner will damit eigene Klimaziele erreichen und ein Zeichen für die Nachhaltigkeit setzen, wie Denner-CEO Mario Irminger betont. Die Investition am Muttsee, der höchsten Staumauer Europas, beträgt rund 8 Mio. Franken. Neben der Axpo beteiligt sich die Basler IWB zu 49 Prozent am Projekt.

Will die Schweiz aus der Kernkraft aussteigen, ist zwar dringend ein Ausbau der erneuerbaren Energien nötig. Trotzdem sagt Axpo-CEO Christoph Brand: «Leider sind solche Anlagen aufgrund der fehlenden Rahmenbedingungen heute noch kaum wirtschaftlich realisierbar.» Man realisiere das Projekt einzig, um ein Zeichen zu setzen und Erfahrungen zu sammeln. Brand warnte gestern vor den Medien aber:

Wir können die Energiewende in der Schweiz nicht auf Basis von Sponsoring durchführen.

Schliesslich seien 3000 solche Anlagen nötig, um die Winterproduktion des Kernkraftwerks Leibstadt zu ersetzen, wenn dieses abgestellt wird. Es brauche deshalb die richtigen Fördermassnahmen.

Fürchtet der Bundesrat die Kosten?

Hintergrund der Auseinandersetzung: In Bundesbern wird um die Revision des Energiegesetzes gerungen. Dort hat man die Wünsche der Axpo bisher nicht erhört. Der Bund plant, dass es künftig für Grossanlagen einen einmaligen Investitionsbeitrag gibt. Die Axpo hält dieses Mittel nicht für tauglich, da die Risiken für die Investoren zu hoch seien. Der Konzern fordert eine «gleitende Marktprämie». Bei diesem Fördermodell hätte sie einen garantierten Abnahmepreis, der in einer Auktion festgelegt wird. Der Bundesrat lehnte nach Abschluss der Vernehmlassung die Markprämie jedoch ab. Diese hätte höhere Kosten zur Folge, schrieb er.

Die Argumente der Axpo teilt man allerdings bei der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES), die sonst mit dem Energiekonzern nicht allzu oft einer Meinung ist. «Eine gleitende Marktprämie würde bessere Anreize als Investitionsbeiträge schaffen», sagt Felix Nipkow, Leiter Erneuerbare Energien. Investoren grosser Anlagen hätten mehr Planungssicherheit.

Entscheidender als die Frage des Fördermittels sei aber, wie viel Geld der Bund für die Förderung ausgeben wolle. Für die SES ist klar: «Es braucht einen rascheren Ausbau» – auch um des Klimas willen.